Deutschland
 Prof. Christian Drosten, Coronavirus DEU, Deutschland, Germany, Berlin, 02.03.2020 Prof. Christian Drosten, Direktor Institut fuer Virologie Charite Berlin, waehrend der Bundespressekonferenz zum Thema Unterrichtung des BMG zum Umgang mit dem Coronavirus in Berlin. Prof. Christian Drosten, director Institut for Virologie Charite Berlin, during a press call at the Bundespressekonferenz concerning on the spread of novel coronavirus in Berlin. The number of people infected with the novel coronavirus in Germany jumped sharply official data showed, for example by the Robert Koch Institute, Germany s centre for disease control and prevention

Der Virologe Christian Drosten hat entweder prophetische Fähigkeiten – oder ist einfach ein sehr präzise arbeitender Wissenschaftler. Bild: imago images / Stefan Boness/Ipon

Lag mit allem richtig: Drosten wusste schon im April, was im Winter auf uns zukommt

Der zuletzt starke Anstieg der Corona-Neuinfektionen kam in Deutschland für viele überraschend. Nachdem die Pandemie im Sommer hierzulande relativ glimpflich verlief und viele sich schon in Sicherheit wiegten, die Pandemie überstanden zu haben, traf die zweite Welle das Land härter als erwartet. Auch andere europäischen Länder kämpfen nach wie vor mit den Folgen des erneuten Anstiegs der Corona-Zahlen.

Was für viele unerwartet schien, war für andere jedoch wenig überraschend. Zum Beispiel für den Chef-Virologen der Berliner Charité, Christian Drosten. Schon im Frühjahr prophezeite er das Szenario, das jetzt eingetroffen ist.

Drosten warnte:

"Dann laufen wir mit einer immunologisch naiven Bevölkerung in eine Winterwelle rein."

"Es könnte sein, dass uns der Saisonalitäts-Effekt im Sommer hilft", erklärte Drosten am 24. April 2020 im Interview in der "ZIB2", der Nachrichtensendung des ORF. Ein warmer, trockener Sommer und die Achtsamkeit der Bevölkerung könnte demnach dafür sorgen, glimpflich über den Sommer zu kommen, vermutete Drosten. Doch dieses Szenario berge auch Gefahren. Denn dann "haben [wir] immer noch wenig Bevölkerungs-Immunität und laufen dann mit einer immunologisch naiven Bevölkerung in eine Winterwelle rein." Drosten erklärte weiter: "Das wäre gefährlich und man müsste sich darauf einstellen, dass man wieder in den Lockdown im Winter muss."

Mittlerweile, fast sieben Monate später, müssen wir feststellen, dass der Virologe damals mit seiner Warnung leider recht behielt. Die Pandemie ist nach einem relativ gut überstandenen Sommer wieder zurück – und zwar härter als zuvor. Doch noch eine andere Vermutung äußerte Drosten damals im ORF-Interview. Er glaube, dass in einem Jahr breite Bevölkerungsschichten mit einem Impfstoff versorgt werden können, sagte er im April 2020. "Die Frage ist, wie läuft es bis dahin."

Nachdem das deutsche Biotechnologie-Unternehmen Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer und zuletzt auch das US-Unternehmen Moderna erste Erfolge bei der Herstellung eines Impfstoff veröffentlichten, könnte Drosten auch mit dieser Prophezeiung richtig liegen. Die nächsten Wochen und Winter-Monate werden also entscheidend sein, wie wir diese Pandemie überstehen.

(lau)

"Ich bin es leid": Virologin Brinkmann mit leidenschaftlichem Appell

Auf der Bundespressekonferenz am Dienstag sprachen unter anderem Jens Spahn und der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade. Spahn sprach im Zusammenhang mit Corona von einer "Mammutaufgabe" für Regierung und Gesellschaft.

Zu Gast auf der Bundespressekonferenz war auch Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Sie kam erstmal einige Minuten zu spät, weil ihr Zug Verspätung hatte. Dafür legte sie dann umso vehementer los.

"Ich habe kein Skript …

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