Ein Mann trägt einen Mundschutz wegen des Coronavirus.
Ein Mann trägt einen Mundschutz wegen des Coronavirus. Bild: picture alliance / Pressebildage

Notfallpläne, Quarantäne, Krisenstäbe: So ist Deutschland für das Coronavirus gerüstet

27.02.2020, 20:5905.03.2020, 10:54

Den "Beginn einer Epidemie" sieht Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit den neuen Coronavirus-Fällen in Deutschland gekommen. Die Bundesregierung plant inzwischen, einen Krisenstab einzurichten.

Spahn rief die Bundesländer auch auf, ihre Pandemiepläne "zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten".

Deutschland sei gut vorbereitet, betont die Regierung. Wie aber sieht diese Vorbereitung aus? Welche Schritte werden jetzt unternommen? Ein Überblick.

Zunächst heißt es: Covid-19 eindämmen

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, betonte am Donnerstagvormittag auf einer Pressekonferenz: Ziel sei es jetzt, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und Zeit zu gewinnen. Die Situation sei nicht außer Kontrolle.

Die Maßnahmen lauten daher weiterhin: Infizierte Personen sowie Kontaktpersonen der Patienten werden isoliert. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise stehen hunderte Menschen unter Quarantäne.

Eine neue Maßnahme stellte Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag vor: Menschen, die etwa mit dem Bus oder dem Zug nach Deutschland kämen, sollten besondere "Aussteigerkarten" ausfüllen. Damit solle gewährleistet werden, dass die Eingereisten beim Auftreten eines Corona-Falls kontaktiert werden können.

So läuft die Koordination ab

Dreh- und Angelpunkt der Krisenbewältigung derzeit sind erst einmal die 380 Gesundheitsämter. Sie schätzen die Lage vor Ort ein, informieren die Bevölkerung und ermitteln Kontaktpersonen.

Seit dem 31. Januar müssen Hausärzte und Krankenhäuser bereits Corona-Verdachtsfälle den regionalen Gesundheitsämtern melden.

Auch Krisenstäbe der Bundesregierung und in den betroffenen Bundesländern werden eingerichtet. Täglich gibt es Telefonkonferenzen – national und international. Das Robert Koch-Institut (RKI) bewertet die Situation seit vier Wochen in zwei Schichten in einem Lagezentrum.

Spahn sprach bereits von einer möglichen "nächsten Phase". Die würde dann eintreten, wenn nicht mehr alle Kontaktpersonen eines Infizierten ermittelt werden können. Eine kritische Schwelle könnte bei einer zwei- bis dreistelligen Zahl an Infizierten liegen.

Im Falle einer Pandemie übernimmt eine Koordinierungsgruppe am Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Abstimmung zwischen Bund und Länder.

Epidemie vs. Pandemie
Der Begriff Epidemie steht für das vermehrte, seit kurzem festgestellte und stark zunehmende Auftreten einer Krankheit in einem örtlich und zeitlich begrenzten Rahmen.

Eine Pandemie liegt vor, wenn eine Erkrankung örtlich unbegrenzt ausbricht – also nicht mehr nur in bestimmten Ländern, sondern potenziell auf der ganzen Welt.

Was steht in den deutschen Pandemie-Plänen?

Wie Deutschland auf einen Virusausbruch vorbereitet ist, steht im nationalen Pandemieplan sowie in den Plänen der Bundesländer, der Gemeinde und der Unternehmer.

Die Pläne wurden erstellt, als vor gut zehn Jahren H1N1, besser bekannt als Schweinegrippe, in Deutschland herumging. Die Pläne werden aber laufend aktualisiert.

In dem Falle einer Epidemie können die zuständigen Behörden verschiedene Maßnahmen treffen. Die rechtliche Grundlage dazu bietet das Infektionsschutzgesetz.

So ist es den Behörden möglich:

  • Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen zu schließen
  • Veranstaltungen oder Ansammlungen einer größeren Anzahl von Menschen können beschränkt oder verboten werden
  • eine Impfpflicht kann durchgesetzt werden
  • Wer gegen die Anweisungen der Behörden verstößt, kann mit einer Geldstrafe belegt werden

Wichtig: Das alles sind aber Maßnahmen, die bisher nicht notwendig sind.

Keine Panik bei Coronavirus-Verdacht
Sars-CoV-2 ist eine neue Form des Coronavirus – einem Virus-Typ, der grippeähnliche Infekte auslöst. In den allermeisten Fällen in Deutschland verläuft eine Ansteckung mit dem Coronavirus symptomfrei bis milde: Du könntest leichtes Fieber, Halsweh und Abgeschlagenheit erleben.

Danach klingt die Krankheit meist wieder ab. Wirklich gefährlich kann das Virus nur werden, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst: Ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen (wie Krebs oder Lungenkrankheiten) sollten im Falle eines Infektionsverdachts ihren Arzt kontaktieren.

Wenn du Bedenken hast, ruf deinen Arzt bitte an, bevor du in die Praxis gehst. In Menschenmengen können sich Erreger eher verbreiten und so Patienten treffen, für die sie wirklich eine Bedrohung darstellen (die Risikogruppen). Laut Robert Koch-Institut sind Atemschutzmasken nicht erforderlich.

Auch Desinfektionsmittel benötigen nur Menschen mit geschwächtem Immunsystem und solche, die mit vielen anderen in Kontakt kommen (Verkäufer, Pfleger etc.). Achte stattdessen auf gründliches Händewaschen und Niesetikette.

Von sogenannten Hamsterkäufen jeglicher Art, ob Medizin oder Lebensmittel, ist abzuraten. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in Deutschland ist sichergestellt.

Können auch Städte abgeriegelt werden?

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, sah dafür am Donnerstag ausdrücklich keinen Anlass. "Italienische Verhältnisse" – in Italien wurden nach einem sprunghaften Anstieg von Infizierten Städte abgeriegelt – erwartet er nicht.

Auch Gesundheitsminister Spahn betonte: "Von der Absage von Großveranstaltungen bis hin zur Abriegelung ganzer Städte gibt es viele Zwischenstufen." Maßnahmen können also immer erst lokal und temporär getroffen werden.

Das heißt: Bevor über die Abrieglung ganze Stadtteile oder gar Städte überhaupt nachgedacht wird, werden Behörden etwa eine Schule schließen.

So sind die Krankenhäuser vorbereitet:

"In allen Kliniken gibt es sogenannte Ausbruchsmanagementpläne", sagte die Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Susanne Johna, zugleich Pandemiebeauftragte der Bundesärztekammer, der Deutschen Presse-Agentur. Die Abläufe bei Epidemien müssten nicht neu geregelt werden. Die Patienten würden dann so durch die Klinik geleitet, dass sie niemanden anstecken – und kämen in Einzelzimmer.

In deutschen Krankenhäusern stehen 60 Betten in Isolierstationen zur Verfügung. Das klingt nach gar nichts. Ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) stellte jedoch gegenüber der dpa klar: "Ein Isolierzimmer kann jedes Zimmer im Krankenhaus sein, in dem eine gegebenenfalls vorhandene, mit anderen Zimmern verbundene Lüftung abschaltbar ist und das über eine eigene Nasszelle verfügt."

In einem sind sich alle Experten einig: Die Schwierigkeiten wachsen mit der Zahl der Fälle. Sollte die Coronavirus-Fallzahl stark ansteigen und die Kapazitäten in Krankenhäusern eng werden, würden verschiebbare Eingriffe verschoben werden, erklärte RKI-Chef Wieler. Wachse der Bedarf weiter, könnten Kliniken Patienten schon früher aus der Isolation nehmen.

Auch die Bundeswehr kann auf Hilfeersuchen ziviler Behörden bei der Bekämpfung der Epidemie tätig werden – etwa durch logistische Hilfe oder Feldlazarette. Davon aber ist Deutschland noch weit entfernt.

(ll/mit Material der dpa)

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