Deutschland
22.06.2020, Nordrhein-Westfalen, Rheda-Wiedenbrück: Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) stehen vor einem Wohnhaus, in dem Angestellte des Fleischwerks Tönnies leben. 40 mobile Testteams sind an diesem Tag unterwegs, um Angestellte der Firma Tönnies zu Hause in ihrer Quarantäne aufzusuchen. Sie überprüfen, ob diese dort anzutreffen sind und testen auch die Menschen, die mit ihnen in einem Haushalt leben. Foto: David Inderlied/dpa | Verwendung weltweit

Ein mobiles Team im Kreis Gütersloh, das Mitarbeiter von Tönnies testet. Bild: dpa / David Inderlied

Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies: Regionaler Lockdown rückt näher

Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit inzwischen mehr als 1500 nachweislich infizierten Mitarbeitern zeichnen sich weitere Schritte zur Eindämmung des Infektionsherdes ab.

So begründet der Landrat seine Aussage zum Lockdown:

Die mobilen Teams, die in den Wohnungen und den Unterkünften unterwegs seien und auch Familienangehörige ansprächen, stießen jetzt in ein gewisses Dunkelfeld. "Insofern ist das für mich schon eine neue Situation", erklärte Adenauer.

Die mobilen Teams hätten einige positive Fälle bei ihrem Einsatz gefunden. Eine Zahl wollte der Landrat aber zunächst noch nicht nennen, da erst einmal ausgeschlossen werden solle, dass es hier doppelte Zählungen gebe.

Die NRW-Landesregierung will am Dienstag zu einer Sitzung zusammenkommen, wie aus der Staatskanzlei in Düsseldorf verlautete. Der Landrat geht davon, dass er bei einer möglichen Entscheidung der Landesregierung zu einem regionalen Lockdown vorab informiert werde.

Das sind die aktuellen Zahlen aus Gütersloh:

Die Zahl der nachweislich infizierten Tönnies-Mitarbeiter ist nach jüngsten Daten weiter gestiegen. Es gebe 1553 positive Befunde von den Personen, die unmittelbar im Werk tätig sind, sagte der Leiter des Krisenstabes im Kreis Gütersloh, Thomas Kuhlbusch, am Montagabend bei einer Pressekonferenz in Gütersloh. Insgesamt seien 6650 Proben genommen worden. Zuvor hatten die Behörden von 1331 bestätigen Corona-Fällen (Stand Sonntag) in der Tönnies-Belegschaft berichtet.

Die hohe Zahl der Corona-Infizierten hat im Kreis Gütersloh eine Kennziffer für die Pandemie-Bekämpfung deutlich nach oben getrieben. Die sogenannte 7-Tages-Inzidenz zu den Corona-Neuinfektionen ist dort auf den Wert von 263,7 gestiegen. Er zeigt an, wie viele Neuinfektionen in den vergangenen 7 Tagen pro 100.000 Einwohner gemeldet wurden. Auch im benachbarten Kreis Warendorf geht der Wert nach oben. Dort liegt er nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landeszentrums für Gesundheit bei 41,8.

Bei der Marke von 50 sollen für eine betroffene Region wieder stärkere Einschränkungen in Betracht gezogen werden. Bund und Länder haben allerdings auch vereinbart, dass diese Zahl keine Rolle spielt, wenn es sich um einen lokal eingrenzbaren Infektionsherd handelt. So wird auch der Ausbruch bei Tönnies bisher von der Landesregierung eingestuft. Laschet schließt aber einen Lockdown in der Region weiter nicht aus. Die Bundesregierung betonte, über konkrete Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen entscheide das Land Nordrhein-Westfalen.

Lauterbach kritisiert NRW-Regierung – Usedom schickt Urlauber aus Gütersloh zurück

Lauterbach kritisierte das Vorgehen der NRW-Landesregierung. "Ich bin sicher, dass deutlich mehr Menschen außerhalb der Mitarbeiterschaft inzwischen infiziert sind", sagte er der "Rheinischen Post" (Dienstag). Deshalb sei es ein Fehler, "dass es jetzt keinen kurzen Lockdown mit einem massiven Testaufgebot gibt". Das sei nötig, um das tatsächliche Infektionsgeschehen in der Region genau einschätzen zu können.

Lauterbach warnte auch vor einem freien Reiseverkehr der Menschen aus der Region Gütersloh. Das Virus könnte sich so potenziell sehr weit verteilen, sagte der studierte Epidemiologe.

Die Behörden im Kreis Vorpommern-Greifswald haben unterdessen ein Ehepaar aus Gütersloh, das auf Usedom Urlaub macht, zur vorzeitigen Abreise gefordert. Das berichtet unter anderem die "Bild"-Zeitung.

Ein Kreissprecher nannte die Angelegenheit demnach ein "für alle Beteiligten unangenehmes Unterfangen". Er habe auf eine Verordnung der Landesregierung verwiesen. Demnach dürfen Personen nicht einreisen oder bleiben, wenn sie aus einem Landkreis kommen, in dem die Obergrenze von Neuinfektionen überschritten wurde.

(ll/dpa)

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