Deutschland
Bavarian State Prime Minister Markus Soeder of the Christian Social Union (CSU) wipes of the sweat with his tie as he delivers a speech at an election rally at one of Bavaria's oldest fairs, the Gillamoos Fair in Abensberg, Germany September 3, 2018. Picture taken September 3, 2018. REUTERS/Michael Dalder

Bild: X90041

Die Bayern-Wahl in 6 Posts – und warum Seehofer und Söder schon jetzt streiten

Am kommenden Sonntag, 14. Oktober, wird in Bayern ein neuer Landtag bestimmt. Du hast den Wahlkampf verpasst.

Die jüngste Umfrage:

Bild

Früher endete die Skalierung nie unter 50 Prozent. infratest dimap

Macht nicht's, hier kommt das Update in 6 Posts.

1) Bavaria One trudelt (und mit ihr die CSU)

Alles hätte so schön sein können, im März löst Markus Söder CSU-Chef Horst Seehofer als Regierungschef ab. Mit 51 Jahren ist Söder der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte des Freistaats. Und nun vielleicht auch der mit der kürzesten Amtszeit. 

Die Macht

Bild

Bild: Markus Söder Facebook/sreenshot

Bayern und die CSU, das gehörte zusammen wie das Oktoberfest und Bier. Aber irgendwie ist der Partei das Gefühl für das Land abhanden gekommen. Nichts zeigt das mehr als Söders Präsentation eines bayerischen Raumfahrtprogramms. "Bavaria One", das Netz macht sich lustig. Yoda und Captain Kirk gehören zu Söders Lieblingsphilosophen. Gern bemüht er sie in seinen Reden. Fast so oft wie Franz Josef Strauß. Aber "Bavaria One" zündete nicht. 

Die CSU liegt nur noch bei 33 Prozent. Schon jetzt beginnt die Suche nach Verantwortlichen.

Wird noch lustig nach der Wahl. Nicht nur auf die Suche nach Koalitionspartnern.

Natascha Kohnen, 51, ist Spitzenkandidatin der SPD. Das ist in Bayern ohnehin kein Vergnügen, aber in Groko-Zeiten noch viel weniger. In den Umfragen liegt die Partei bei rund 11 Prozent. Dürftig. Nur einmal war es Kohnen dann doch zu viel. In der Affäre um Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen rügte sie dessen fristlose Beförderung zum Staatssekretär und reagierte mit einem Brandbrief. SPD-Chefin Andrea Nahles gestand einen Fehler ein, CDU-Kanzlerin Angela Merkel ebenfalls, Maaßen wird jetzt nur querversetzt. Manchmal lohnt es sich eben, zu rebellieren.

Was auffällt: Kohnen ist auf ihren Instagram-Posts oft als Einzelkämpferin unterwegs. Es ließe sich auch sagen: Ziemlich einsam in Bayern.

Jetzt nicht gemein werden. Aber, um die Freien Wähler zu verstehen, ist dieses Bild mit Hubert Aiwanger als dunkle Erscheinung sehr passend. Sie sind irgendwie anders, aber doch nicht ganz professionell. Sonst würde das Handy nicht gegen die Bierzeltbeleuchtung ankämpfen.

Spitzenkandidat Hubert Aiwanger ist ein bisschen wie die CSU früher war. Erdverbunden, ein bisschen provinziell, aber eben doch so bauernschlau, um vieles richtig zu machen. Zunächst in den Kommunen, nun auch im Landtag. Die bayerische Besonderheit der Freien Wähler liegt in Umfragen bei elf Prozent.

Christian Lindner gibt es nur einmal. Aber seit der FDP-Chef im Bund die Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und Liberalen stoppte, rätselt Deutschland, was er nun eigentlich will. Bei Martin Hagen, 37, FDP-Spitzenkandidat in Bayern ist das einfach: Seine Partei will zurück in den Landtag. 

Hagen ist noch nicht ganz der Lindner. Aber mit der Mission Rückkehr dürfte es klappen: die FDP in Bayern liegt bei sechs Prozent.

Das Linken-Spitzenduo Ates Gürpinar und Eva Bulling-Schröter wollen ihre Partei erstmals in Bayern in den Landtag führen. Beide sind weniger bekannt (Bulling-Schröter saß immerhin im Bundestag), umso mehr arbeiten sie sich an der CSU ab: Mal geht's um "Forst statt Horst", mal soll "Bavaria One auf dem Mond" landen. Ist jetzt nicht ganz so originell, könnte aber ganz knapp reichen für den Landtag. In Umfragen liegt die Partei bei fünf Prozent.

Ein Einzug wäre historisch. Rot ist im Freistaat nur dem FC Bayern vorbehalten. Immerhin hatten sie in München sogar mit Kurt Eisner mal eine Räterepublik, wenn auch nur für wenige Wochen. Gut, dass ist genau 100 Jahre her. Aber der bayerische Heimatschriftsteller Oskar Maria Graf hat das in seinem Roman "Wir sind Gefangene" wunderbar beschrieben. 

Graf musste später vor den Nazis fliehen und auch Bayern tut sich schwer. Obwohl ständig über Heimat gefaselt wird, mag der Bayerische Rundfunk Graf nicht verfilmen. Wer wissen mag, warum, hier eine Selbstcharakterisierung.

Oskar Maria Graf

"Ich war ein schöner Revolutionsheld, und ich bin, während andere kämpften, Sekt saufen und zu Huren gegangen. Allerdings habe ich nirgends behauptet, dass ich revolutionärer Mitkämpfer war.
Ich war ein unentschiedener, leicht angerebbelter, kopfloser Bohemetyp, weiter nichts. Eine völlig indiskutable, bürgerliche Erscheinung also.
Und als solche habe ich mich nach bestem Wissen und Gewissen dargestellt. Unter anderem, weil es mir darauf ankam, an meinem Beispiel den Typ ganz wahrhaftig und schonungslos zu zeigen, auf den einst die deutsche Revolution gehofft hat, auf den heute noch die meisten Genossen hereinfallen."

Oskar Maria Graf

So viel Ehrlichkeit war selten. Auch, deshalb ist Graf den Bayern zu sperrig. Und schon deshalb wäre es schön, wenn sich die Linke im Landtag für sein Andenken einsetzte. (Und für das Kurt Eisners).

Ansbach, Auftritt von Grünen-Chef Robert "Bob" Habeck. Der studierte Philosoph und Kinderbuchautor gibt gern den Heimatdichter. Aber, wer wissen will, warum die Grünen in Bayern in Umfragen bei 18 Prozent liegen, der muss nur auf dieses Foto schauen. Nichts erinnert hier an Wahlkampf, es herrscht so viel Andacht, hier geht es zu wie im Gottesdienst.

Das sagt viel aus, über das Sendungsbewusstsein der Grünen. Mehr aber noch über den derzeitigen Erfolg der Partei, nicht nur in Bayern. In einer Parteienlandschaft, in der alles erodiert, die große Koalition aus CDU, CSU und SPD, mehr aus Angst vor Neuwahlen denn aus Wunsch zum Gestalten zusammengehalten wird, sehnen sich viele einfach nur nach einem: Stabilität. Was für ein Gegensatz – statt Krawall und Bierzelt gibt es hier vor allem eins: Ruhe.

Ganz schön bürgerlich. Aber deshalb kommen sie so gut an, wir sind ja immer noch in Bayern.

(dpa, afp, rtr)

Das könnte dich auch interessieren:

"Promi Big Brother": Zlatko ist raus – warum er scheiterte und was er über Jürgen sagt

Link zum Artikel

Perisic richtet Worte an Sané – und erklärt, was er nach dem Bayern-Anruf tat

Link zum Artikel

Nach Tod von Ingo Kantorek: RTL 2 schneidet einige Szenen aus "Köln 50667"

Link zum Artikel

Warum der FC Bayern derzeit an sich selbst scheitert – und was das mit Sané zu tun hat

Link zum Artikel

Coutinho verrät seine Lieblingsposition – und bringt die Bayern damit in ein Dilemma

Link zum Artikel

Segler-Paar über Gretas Segelreise: "Als würde man sich in eine Rakete setzen"

Link zum Artikel

"Promi Big Brother": Beliebter Kandidat sollte keine Sendezeit bekommen

Link zum Artikel

Miese Götze-Meldung lässt Fans wüten: "Mein Herz blutet"

Link zum Artikel

Jede Menge Regelverstöße bei "Promi Big Brother" – doch der Sender ahndet das nicht

Link zum Artikel

Greta Thunberg liest auf dem Segelboot "Still" – was das über sie aussagt

Link zum Artikel

Luke Mockridge im ZDF-"Fernsehgarten" – Joko postet versteckten Hinweis

Link zum Artikel

Zuschauer stellt Höcke NPD-Frage – bei seiner Antwort schmunzelt er

Link zum Artikel

Warum Whatsapp für das iPhone massiv überarbeitet werden muss

Link zum Artikel

Almklausi kollabiert bei "Promi Big Brother" – Sat.1 wird scharf kritisiert

Link zum Artikel

FC Bayern stellt Perisic auf Instagram vor – viele Fans sind wütend

Link zum Artikel

"Steh da wie ein Spacko" – Lena Meyer-Landrut kotzt sich bei ihren Fans aus

Link zum Artikel

Kuss bei "Promi Big Brother" war peinlich? Von wegen: Hier kommt Stalker Joey Heindle

Link zum Artikel

Erzieherin: "Was viele Kollegen in Kitas tun, ist eigentlich Kindesmisshandlung"

Link zum Artikel

"Promi BB": Kollege von Bewohnerin stirbt – so wird Janine vom Tod erfahren

Link zum Artikel

BVB-Doku auf Amazon zeigt Trauma des Anschlags – so nah waren wir noch nie dran

Link zum Artikel

Vom Problemschüler zum Jura-Studenten: An Dennis hat früher niemand geglaubt

Link zum Artikel

Heidi Klum postet Grotten-Foto – und muss nach Shitstorm den Beitrag ändern

Link zum Artikel

Wie Salihamidzic die Transfers des FC Bayern vergeigte – und die Spieler dies ausnutzten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Grüne Spitzenkandidatin: "Die Demonstranten von Chemnitz tragen ALLE die Verantwortung"

Sogar im wohlhabenden Bayern sind die Bürger gespalten.  Anders lässt sich kaum erklären, dass die Grünen rund um Spitzenkandidatin Katharina Schulze bei einer Umfrage von Insa mit 15 Prozent der Wählerstimmen auf Platz 2 liegen. Und, dass dicht dahinter die AfD folgt mit 14 Prozent.

In den entscheidenden Wochen des Wahlkampfs vor dem Stichtag im Oktober ist die Stimmung unter den Wahlkämpfen geladen. Die Ereignisse von Chemnitz haben den Streit zwischen den politischen Lagern noch einmal …

Artikel lesen
Link zum Artikel