12.01.2021, Sachsen-Anhalt, Halle (Saale): Tonja Weber (l), Ober

Eine Oberärztin, wird im Universitätsklinikum in Halle/Saale (UKH) gegen das Coronavirus geimpft, Bild: dpa / Hendrik Schmidt

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Die neue Impfverordnung kommt: Wer wird wann geimpft?

Alle Erwachsenen sollen in den kommenden Monaten in Deutschland bei der Corona-Impfung an die Reihe kommen – bloß wann?

Vom Astrazeneca-Impfstoff sind am Wochenende die ersten Lieferungen eingetroffen. Wegen seiner Zulassung nur für Jüngere wurde nun die Corona-Impfverordnung teilweise geändert. Zentrale Fragen lassen sich nun klarer beantworten:

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Bild: watson

Bis wann sollen die Über-80-Jährigen geimpft sein?

Um den Wechsel zum zweiten Quartal herum, also in etwa Ende März. So hat es Spahn versprochen. Das gilt auch für andere in der ersten Gruppe mit höchster Priorität: Pflegeheimbewohner, Pflegekräfte in Heimen, Personal in Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdiensten. Den 800.000 Heimbewohnern soll bis Mitte Februar ein "Impfangebot" gemacht werden – 630 000 wurden bisher geimpft. Als nächste innerhalb dieser Gruppe rücken jetzt ambulante Pflegedienste in den Fokus.

Was ändert sich durch den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs?

Es ist nach den Stoffen von Biontech /Pfizer und Moderna das dritte zugelassene Präparat. Mangels Daten zur Wirkung bei Älteren bekommen es vorerst nur Menschen zwischen 18 und 64 Jahren. Mit der geänderten Impfverordnung soll deshalb den Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen sowie Intensiv- und Coronastationen in dieser Altersgruppe nun vorrangig der Astrazeneca-Stoff geimpft werden.

Was bedeutet die vorrangige Astrazeneca-Impfung bei Jüngeren?

"Damit können wir die Älteren und die Pflegekräfte schneller impfen und schützen", meint Spahn. Bis 19. Februar sollen 1,75 Millionen Dosen an die Länder geliefert und verimpft werden. Die nächste Lieferung am 2. März soll 1,47 Millionen Dosen umfassen. Während die Impfstoffe von Moderna und Biontech eine Wirksamkeit von 94 und 95 Prozent haben, sind es bei Astrazeneca nach einer neuen Studie nach der ersten Impfung nur 76 Prozent und bis zu 82 Prozent nach der zweiten. Einige Pflegekräfte sollen Zwei-Klassen-Impfungen fürchten.

Wann sollen die Menschen ab 70 Jahren geimpft werden?

Von April an, in Gruppe zwei mit hoher Priorität. Aktuell leben etwa 7,3 Millionen Menschen zwischen 70 und 80 in Deutschland sowie 5,7 Millionen in der Altersgruppe 80 plus. Bislang geliefert wurden 4,2 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer und Moderna. Bis Anfang März kommen rund 3,2 Millionen Astrazeneca-Dosen dazu. Von Biontech sollen bis Ende Februar mehr als 2,5 Millionen weitere Dosen geben, von Moderna bis Mitte Februar 182.400 Dosen.

Wann sollen Menschen mit Vorerkrankungen geimpft werden?

Manche sollen in Gruppe zwei vorgezogen werden. In dieser Gruppe sollen nun auch Menschen geschützt werden mit Krebs ohne gestopptes Tumorwachstum, mit schwerer chronischer Lungenerkrankung, mit chronischer Leber- oder Nierenerkrankung, mit Diabetes mit hohen Blutzuckerwerten, mit Fettleibigkeit mit Body-Mass-Index über 30, mit Demenz, geistiger Behinderung, bipolarer Störung, Schizophrenie, schwerer Depression, Trisomie 21 sowie nach Organtransplantationen – und auch Menschen, denen ein Arzt hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bescheinigt.

Wer soll noch in Gruppe zwei geimpft werden?

Bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen zu Hause oder Schwangeren (Schwangere selbst normalerweise nicht) – sowie Ärzte, Polizei- und Ordnungskräfte, insbesondere für Demonstrationen, Beschäftigte von Gesundheitsdiensten und Kliniken, Bewohner von Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften und Betreuer geistig Behinderter. Für die gesamte Gruppe zwei gilt: Wer unter 65 ist, soll vorrangig den Astrazeneca-Impfstoff erhalten.

Sollen Kinder geimpft werden?

Der Biontech-Impfstoff ist von 16 Jahren an zugelassen. Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, erwartet im Lauf des ersten Halbjahrs Ergebnisse zu Studien von Moderna und anderen zu möglichen Impfungen bei Kindern und Jugendlichen.

Welche offenen Fragen treiben Politik und Wissenschaft um?

Cichutek zufolge vor allem eine mögliche Ansteckungsgefahr durch Menschen, die selber schon geimpft sind. Die zentrale Frage laute: "Können wir Daten finden, dass Geimpfte das Virus nicht weiter übertragen?" Und die Wirksamkeit bei hochansteckenden Virus-Varianten. Dem Institutsleiter zufolge gibt es Hinweise, "dass man mit der UK-Variante (also der britischen) ganz gut fertig werden kann, mit der Südafrika- und Brasilien-Variante vielleicht schlechter".

Welche Kritik gibt es an der Impfverordnung?

Die niedergelassenen Ärzte wollen nicht so lange warten. "Diejenigen, die andere jeden Tag behandeln, medizinisch versorgen und schützen, müssen auch selbst geschützt sein", sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Die Stiftung Patientenschutz kritisiert, es werde zu wenig untersucht, welche Krankheiten noch zu schweren Verläufen führen. Somit seien jüngere Schwerstkranke den "individuellen Entscheidungen eines Gesundheitsamtes vor Ort ausgeliefert".

Wer kommt nach Gruppe zwei?

Auch nach dem neuen Verordnungsentwurf Menschen über 60, Menschen mit weiteren Krankheiten wie etwa Asthma oder Herzinsuffizienz – sowie zum Beispiel Lehrer, Erzieher, Polizisten, Beschäftigte in Supermärkten. Erst danach sollen alle weiteren folgen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU hat versprochen: bis Ende des Sommers.

Wird die Impfverordnung immer strikt eingehalten?

Nein. In Sachsen-Anhalt wurden etwa mehr als 300 Polizisten im Kreis Stendal schon geimpft – sowie der Oberbürgermeister und zehn Stadträte von Halle, angeblich mit Dosen, die übrig geblieben waren. Für Schlagzeilen sorgte auch die Impfung von Mitgliedern des Geriatrie-Direktoriums des Klinikums Region Hannover Langenhagen sowie der Fall einer 79-Jährigen mit schweren Vorerkrankungen bei München, die keinen vorgezogenen Impftermin bekommt.

(se/dpa)

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