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Mitarbeiter von Amazon in Pforzheim. Bild: picture alliance / dpa

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"Schlag ins Gesicht des Klimaschutzes": Amazon vernichtet (noch immer) viel neue Ware

Eure Fragen unsere Antworten

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Recherchen von Greenpeace Deutschland belegen rücksichtslose und umweltschädigende Praktiken im Onlinehandel. Wir beantworten euch die wichtigsten Fragen dazu.

Was sind die Ergebnisse von Greenpeace genau?

Was ist "Destroy-Ware"?

Das ist die Amazon-interne Bezeichnung für Produkte von Drittanbietern, die bei Amazon lagern und vernichtet werden sollen. Dies zeigen Recherchen von Greenpeace in Deutschland. Die Umweltschutzorganisation schreibt:

"Was sich nicht schnell verkauft, wird für Drittanbieter auf der Verkaufsplattform Marketplace irgendwann so teuer in der Lagerung, dass sie sich für den Händler nicht mehr rechnet."

Amazon biete neben Lagerung und Vertrieb für Drittanbieter eine weitere Dienstleistung: Die Vernichtung der Ware zu einem Preis, der deutlich unter dem von Lagerung liege.

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Mitarbeiter von Amazon in Pforzheim. Bild: picture alliance / Uli Deck/dpa

Wo liegt das Problem?

In dem Bericht zitiert Greenpeace eine laut eigenen Aussagen "Expertin für Konsumfragen":

"Es darf nicht sein, dass der Platz im Regal für den Onlinehändler anscheinend wertvoller ist als das Produkt, das drin liegt."

Viola Wohlgemuth

Elektrische Fahrzeugflotten und Bekenntnisse zu erneuerbaren Energien nützen laut Greenpeace-Bericht wenig, wenn der US-Konzern sein ökologisches Gewissen "bei jeder Chance zur Gewinnmaximierung" stumm schalte. Etwa, indem Amazon immer kürzere Lieferzeiten verspreche.

"Sämtliche Produkte, die in der Schrottpresse landen, haben schließlich einen CO2-Fußabdruck. Sie werden produziert, transportiert und gehen dann ungenutzt in die Vernichtung. Das bedeutet klimaschädliche Treibhausgase, die ohne jeden Sinn die Atmosphäre aufheizen."

Nach den Recherchen im norddeutschen Winsen gehe Greenpeace davon aus, dass Amazon in Deutschland regelmäßig Millionen von Artikeln zerstöre, schreibt der NDR. Da die Abläufe "hochgradig standardisiert seien, seien die Prozesse von Winsen auf andere Logistikzentren übertragbar".

Was sagt Amazon?

Der Onlinehändler dementiert die Vernichtung neuwertiger Ware nicht gegenüber Journalisten des NDR, sondern hält sich an die Verteidigungsstrategie, dass es sich um ein branchenweites Problem handle.

Ein Amazon-Sprecher nimmt Stellung:

Alle tun es?

Ja, sagt der Wirtschaftswissenschafter Stefan Schaltegger, Professor für Nachhaltigkeits-Management, im Interview mit dem NDR. Das Problem betreffe alle Onlinehändler, aber auch "den stationären Handel". Es könne bei all diesen Unternehmen vorkommen, dass sie Produkte im Lager hätten, die dann "vernichtet werden müssen".

Das Problem sei, dass zu viel Angebot geschaffen werde im Vergleich zur Nachfrage. Dadurch entstünden überflüssige Produkte, die dann eben entsorgt werden.

Was kostet das und wer bezahlt es?

Die branchenübliche Vernichtung neuwertiger Ware lässt sich nicht beziffern. Amazon und Co. kalkulieren die entstehenden Kosten bei ihrer Preispolitik ein und wälzen sie auf die Kunden ab. Letzlich werden die Konsumenten und Steuerzahler zur Kasse gebeten. Und die Umwelt hat den Schaden.

Onlinehändlern stellt sich die immer gleiche Frage, wenn sie auf einem bestimmten Produkt sitzenbleiben oder wenn retournierte Ware bei ihnen eintrifft: Nochmals verkaufen, anders verwerten oder vernichten, weil sich der Wiederverkauf betriebswirtschaftlich nicht mehr lohnt?

Was würde helfen?

1. Auf Anbieterseite: Amazon und andere Händler sollten Rabatte einführen für Leute, die bereit sind, etwas länger auf die Auslieferung eines online bestellten Produktes zu warten.

2. Auf Konsumentenseite: Amazon und andere Händler sollten Rücksendegebühren einführen, wenn zum Beispiel jemand online drei Größen eines bestimmten Produktes bestellt.

3. Der Staat sollte die Vorschriften verschärfen für den Handel und die Vernichtung neuwertiger Waren.

In Deutschland wird die Bundesregierung Anfang 2020 eine sogenannte Obhutspflicht beschließen für den Umgang mit Retouren und nicht verkauften Neuwaren, wie der NDR berichtet. Die neue Regelung umfasse:

Was kann ich jetzt sofort tun?

Hirn einschalten vor und beim Online-Shopping. Das heißt, nur wirklich benötigte Produkte kaufen und versuchen, möglichst wenige Retouren zu verursachen.

"Zeit ist ein wichtiger Nachhaltigkeits-Faktor, und Geduld trägt dazu bei, nachhaltiger zu werden."

Wirtschaftswissenschafter Stefan Schaltegger

Ist das Problem neu?

Nein.

Amazon vernichte retournierte Ware in großem Stil, berichtete das ZDF-Magazin "Frontal 21" im Juni 2018. Auch damals schon bestritt der Onlinehändler das fragwürdige Vorgehen nicht, sondern ließ mitteilen, man arbeite an Prozessen, um "so wenig Produkte wie möglich entsorgen zu müssen".

(dsc)

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