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Eine Szene aus dem Edeka-Weihnachtsspot: Ein italienischstämmiger Mitarbeiter an der Frischetheke. Bild: screenshot youtube

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"Rassistisch und sexistisch": Edeka-Video sorgt für Kritik – Supermarkt äußert sich

Deutschland ist weltoffen, "bunt" – und kann Humor. Der Glaube an diese Thesen hat in den vergangenen Jahren große Verbreitung gefunden. Doch immer wieder werden Zweifel daran laut.

So sorgt jetzt ein Werbevideo der Supermarktkette Edeka für einen Shitstorm auf Youtube. Das Motto der diesjährigen Weihnachtskampagne lautet "Lasst uns froh und bunter sein!" Offenbar möchte das Unternehmen damit zeigen, dass man große Stücke auf Vielfalt und Toleranz hält. Vielleicht hat man sich auch einen Shitstorm der besorgten Wutbürger erhofft.

Der allerdings bleibt bisher weitgehend aus. Stattdessen erfährt das Video viel Empörung und Kritik von anderer Seite: Viele Kommentare auf Youtube kritisieren, es sei rassistisch und sexistisch.

Das Video zeigt die aus Edeka-Sicht typische deutsche Famile: Vater, Mutter und Tochter, alle ohne sichtbaren Migrationshintergrund. An der Frischetheke eines Edeka-Markts stellen sie sich die alljährliche Frage, was sie zum Fest essen wollen. Ein Rückblick zeigt: In den Jahren zuvor hat darüber der Männergeschmack der Tochter entschieden. War sie mit einem Japaner zusammen, gab es japanisches Essen, war sie mit einem Marokkaner zusammen, marokkanisches. Und dieses Jahr? Aufgrund des italienischstämmigen Mitarbeiters an der Theke läuft es auf italienisches Essen hinaus.

Hier das Video:

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Video: YouTube/EDEKA

"Zu Weihnachten wünsche ich mir keinen Rassismus"

Der Tenor in den Kommentaren ist eindeutig: Das trieft vor Klischees und ist vielleicht gut gemeint, aber deshalb noch lange nicht gut. Eine Auswahl an Kommentaren:

"Neben den ganzen Klischees... es war eine unangenehme Erfahrung, sich das anzuschauen."

"Zu Weihnachten wünsche ich mir keinen Rassismus und Sexismus. Was soll diese Werbung?"

"Rassismus, Sexismus und Stereotype? Da habe ich mir von einem bunten Edeka und Weihnachten mehr erhofft. Löschen und Stellungnahme erwünscht."

"Also die Umsetzung war auf jeden Fall schlecht, selbst wenn die Planung vielleicht gut gemeint war. Hier werden Menschen auf ihr Herkunft herabgesetzt und daraufhin mit Essen verglichen."

"Kulturen sind keine Konsumgüter"

Doch die Kritik beschränkt sich nicht auf Youtube-Kommentare. In einer Petition wird genauer ausgeführt, was vielen an dem Video aufstößt.

Dort heißt es unter anderem:

"Die Pauschalisierungen: 'der Japaner, der Sushi isst', 'der Marokkaner, der Falafel isst' schüren lediglich Vorurteile. Zudem wird der vermeintlich nicht-deutsche Mann durch die Gleichstellung mit Essen entmenschlicht – ein nettes exotisches Accessoire, um das Weihnachtsfest noch aufregender zu gestalten."

Und weiter:

"Kulturen sind keine Konsumgüter, welche von weißen Menschen abgerufen werden können, wann immer sie es entscheiden. Ein respektvolles Interesse an Esskultur ist nicht verwerflich, aber die Darstellung und Zuschreibung in dieser Kampagne ist höchst rassistisch und exotisierend. Diese Muster kennen wir bereits aus der deutschen Kolonialgeschichte. Die barmherzige deutsch-christliche Familie – solche Bilder sind für eine antidiskriminierende Gesellschaft nicht förderlich."

Das sagt Edeka

Watson hat bei Edeka nachgefragt, was das Unternehmen zur Kritik an seinem Werbespot sagt.

"Die Botschaft 'Lasst uns froh und bunter sein' bedient sich einer einfachen Parallelität: So bunt wie unsere Gesellschaft, so bunt und vielfältig ist das Angebot bei Edeka. Ausdruck findet sie nicht nur im TV-Spot, auf dem Bildschirm und in Werbeformaten, sondern vor allem in der kampagnenbegleitenden Spendenaktion: Pro verkauftem Glas der Suppe 'Appetit auf Vielfalt' spendet Edeka 50 Cent an die Deutschland Stiftung Integration."

Edeka gegenüber watson

Edeka stehe wie kein anderer deutscher Händler für Vielfalt im Sortiment, teilt das Unternehmen weiter mit. "Kulturell unterstützen wir das Thema Vielfalt unter anderem in unserer Partnerschaft mit der Deutschlandstiftung Integration, mit der wir seit 2012 für unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel stehende Initiative 'Geh deinen Weg' zusammenarbeiten. Damit stehen wir dafür ein, dass kulturelle Vielfalt bereichert und möchten Vorbild dafür sein, wie Integration gelebt werden kann – sowohl innerhalb des Edeka-Verbunds als auch innerhalb der Gesellschaft. In dieses Engagement fügt sich die diesjährige Weihnachtskampagne nahtlos ein", so Edeka.

(om)

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