Bild

Plakate wie diese hier in München lassen derzeit glauben, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mache sich für vegane Ernährung stark. Bild: Animal Rebellion

Plakate werben mit Jens Spahn für vegane Ernährung – so reagiert das Ministerium

Wer in den letzten Tagen durch Leipzig, Berlin oder München gelaufen ist, könnte sich gewundert haben: Wirbt da der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für vegane Ernährung? Dieser Eindruck entsteht zumindest bei Plakaten, die in diesen und anderen Städten zu sehen sind. Auf denen ist ein resolut dreinblickender Gesundheitsminister abgebildet, darunter steht der Slogan: "Ich verhindere Pandemien und bleibe gesund. Weil vegane Vollwerternährung das Beste für Erde, Mensch und Tier ist."

Die Aufmachung wirkt dabei täuschend echt. Im Stile der "Zusammen gegen Corona"-Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit scheint der Chef des Hauses hier für einen Wandel in der Ernährung zu werben. Auf anderen Plakaten ist es die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner (CDU), die ebenfalls für einen Wandel zu veganer Lebensweise zu werben scheint.

Bild

Ein Werbeplakat mit Jens Spahn in Berlin. Bild: watson

In der Banderole unter dem Slogan lassen sich neben beziehungsweise unter den deutschen Landesfarben zudem ein Stierkopf-Logo und ein Hashtag erkennen: #wirgegentierindustrie. Kann das sein, ein Bundesministerium, das sich offen gegen einen wichtigen Wirtschaftszweig stellt?

Wer steckt hinter den Plakaten?

Eher nicht. Aus Kreisen des Bundesgesundheitsministeriums erfuhr watson am Samstag, dass weder Jens Spahn noch seine Behörde hinter den Plakaten stecken.

Verantwortlich für die Plakate ist vielmehr die Tier- und Klimagerechtigkeitsbewegung Animal Rebellion, der Stierkopf ist das Logo der Gruppierung und verrät den wahren Ursprung der Kampagne.

In einer Mitteilung bekannten sich die Aktivisten am Mittwoch zu der sogenannten Ad-Busting-Aktion: "Unter dem Namen 'Zeit für Veränderung' führte die Bewegung Animal Rebellion in der vergangenen Woche eine Ad-Busting-Kampagne durch", heißt es in der Mitteilung. Die Aktivsten fordern demnach "eine Agrarwende hin zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem, das alle Lebewesen vor zukünftigen Pandemien und dem ökologischen Kollaps bewahrt".

Animal Rebellion macht die Tierindustrie mitverantwortlich für das Entstehen von Pandemien, ein Vorwurf, der in der Coronakrise weltweit mehrfach an die Branche gerichtet wurde. Insbesondere die Massentierhaltung wird hierbei als besonders kritisch betrachtet, da sie etwa Mutationen von Viren begünstigen können soll. Zuletzt stand die fleischverarbeitende Industrie in der Kritik, weil sich bei Unternehmen wie Tönnies Mitarbeiter mit dem Coronavirus ansteckten.

Ministerium prüft rechtliche Schritte

Ad-Busting-Aktionen wie die von Animal Rebellion sind umstritten. Während ihre Befürworter in den Aktionen ein Mittel der gewaltfreien Kommunikationsguerilla zur politischen Auseinandersetzung sehen, ordnete etwa das von Horst Seehofer (CSU) geführte Bundesinnenministerium 2018 diese dem Bereich des "gewaltorientierten Linksextremismus" zu und sieht in den Plakatierungen eine strategische Form der Gewaltausübung.

Und was sagt das Bundesgesundheitsministerium zu der Aktion? Dort ist man offenbar wenig amüsiert über die Plakate. Aus Ministeriumskreisen hieß es, dass die Behörde rechtliche Schritte prüft.

(pcl)

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • jodelady 28.06.2020 10:09
    Highlight Highlight Na, wenn ich an Attila Hildmann denke kann ich nicht glauben dass Veganer unbedingt die besseren und gesünderen Menschen sind.
    Allerdings muss unbedingt etwas gegen diese unerträgliche Massentierhaltung getan werden. Leere Worte und Aufkleber "Tierwohl" genügen da nicht.

Exklusiv

Wagenknecht im watson-Interview vor dem Linken-Parteitag: "Wir können uns als linke Partei nicht eins zu eins hinter die Ideen von Fridays for Future stellen"

Die Linken-Politikerin im Gespräch über ihre Beziehung zu Fridays for Future und Black Lives Matter, darüber, warum sie sich ausgerechnet am Gendern abarbeitet – und die Frage, warum sie sich über manche antirassistische Proteste nicht freuen kann.

Mit Sahra Wagenknecht und der Linken ist es kompliziert, seit Jahren schon. Wagenknecht, bis November 2019 Chefin der Linksfraktion im Bundestag, ist eines der wenigen Gesichter der Partei, die auch halbwegs politisch interessierte Menschen auf der Straße erkennen würden. Laut ZDF-"Politbarometer" aus dem Mai 2021 ist sie wieder einmal unter den Top 10 der deutschen Spitzenpolitiker – und hat bessere Sympathiewerte als die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Wagenknecht kann Reden …

Artikel lesen
Link zum Artikel