Berlin, Pressestatement von Karl Lauterbach Deutschland, Berlin - 21.04.2020: Im Bild ist Karl Lauterbach spd w

Karl Lauterbach nimmt die Kritik von Bayern-Trainer Hansi Flick sportlich. Bild: imago images / Christian Spicker

Kritik von Flick: Junge Grüne stützen Lauterbach, Liberale rufen zum Dialog auf

Der Angriff des Bayern-München-Trainers Hansi Flick auf SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach schlägt weiter Wellen – aber es mischen sich versöhnlichere Töne darunter. Flick, der für seine emotionalen Äußerungen über Lauterbach als "sogenanntem Experten" in der Kritik steht, bekundete am Montagabend den Wunsch, Lauterbach nun zu einem Vier-Augen-Gespräch zu treffen, und der reagierte wohlwollend. Auf Twitter schrieb der SPD-Gesundheitsexperte am Dienstag: "Sehr gerne spreche ich mit Hansi Flick. Seine Kritik nehme ich sportlich. Verständlicherweise liegen bei vielen derzeit Nerven blank. Aber nur zusammen können wir vor uns liegende Wochen meistern."

Grüne Jugend: "Überbringer schlechter Nachrichten zu bestrafen, ist keine Lösung"

Die Grüne Jugend (GJ), die Jugendorganisation, der Grünen, stellt sich unterdessen hinter den von Flick (und nicht nur von Flick) angegangenen Lauterbach. GJ-Bundessprecher Georg Kurz erklärte gegenüber watson:

"Den Überbringer schlechter Nachrichten zu bestrafen, ist keine Lösung. Hätten wir besser auf Experten wie Karl Lauterbach gehört, wären uns durch weitsichtigere Maßnahmen wahrscheinlich viele Tote und viel Leid erspart geblieben."

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Georg Kurz ist einer der beiden Bundessprecher der Grünen. bild: Elias Keilhauer

Kurz zeigte zwar Verständnis für den Wunsch nach Normalität – verwies aber darauf, dass es dafür jetzt nötig sei, eine dritte Welle der Pandemie zu verhindern. Kurz wörtlich:

"Wir alle teilen Hansi Flicks Wunsch nach mehr Freiheiten. Die kann es aber nur geben, wenn wir die Pandemie endlich unter Kontrolle bekommen und sie systematisch eindämmen. Mit den Mutationen rollt eine neue Phase der Pandemie auf uns zu. Noch haben wir eine Chance, eine dritte Welle zu verhindern. Doch dafür braucht es jetzt entschiedene Maßnahmen, vor allem in der Arbeitswelt. Persönlichkeiten wie Hansi Flick tragen mit ihren Äußerungen eine Verantwortung dafür, ob das klappt. Nur wenn wir das Virus jetzt schnell eindämmen, kann es danach nachhaltige Lockerungen geben – das gilt auch für den Fußball."

Junge Liberale: Kritik ja, Anfeindungen nein

Jens Teutrine, Bundesvorsitzender der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale, blickt deutlich kritischer auf Karl Lauterbachs Aussagen. Gegenüber watson erklärte Teutrine:

"Grundsätzlich ist Kritik an politischen Akteuren in einer Demokratie keine Majestätsbeleidigung. Dabei sollte auch nicht jedes Wort immer gleich auf die Goldwaage gelegt werden. Ich schlage selbst recht häufig bei politischen Äußerungen von Herrn Lauterbach beide Hände über den Kopf zusammen."

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Jens Teutrine, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen. bild: marvin ruder

Andererseits warnt Teutrine davor, die Grenzen des Anstands zu überschreiten – und würde ein Treffen zwischen Lauterbach und Flick begrüßen. Wörtlich erklärt er:

"Gleichzeitig tragen persönliche Anfeindungen und plumpes Bashing aber nicht zu einem fairen Debattenklima bei, sondern befördern Shitstorms, Hassnachrichten und sogar Gewaltandrohungen. Es wäre ein gutes Zeichen, wenn Flick und Lauterbach sich gemeinsam nach ihrem vereinbarten Vieraugengespräch auch nochmal öffentlich für eine lebendige, aber faire Debattenkultur stark machen."

Eher kritisch sieht der Bundeschef der Jungen Liberalen die privilegierte Situation des Profifußballs in der Pandemie. Teutrine meint dazu:

"Dass wir nach einem Jahr Corona-Pandemie endlich eine langfristige Strategie brauchen, um irgendwann wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen, ist richtig. Dann aber ständig eine Extrawurst für Profifußballer, die sich sowieso in einer insgesamt privilegierten Situation befinden, einzufordern, ist ein Widerspruch. Dass Spieler des FC Bayern Münchens bei der Impfreihenfolge bevorzugt werden könnten, wie es Rummenigge ins Spiel gebracht hat, wäre sicherlich kein sinnvoller Baustein für eine Gesamtstrategie zur Bewältigung der Corona-Krise."

(se)

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