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Zu viel der Ehre: Wird Macron der neue Obama?

10.05.18, 12:06
Gunda Windmüller
Gunda Windmüller

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron empfängt heute den Karlspreis der Stadt Aachen. Ehrwürdig und weihevoll wird es dabei zugehen, Angela Merkel hält die Laudatio.

"Die Karlspreisgesellschaft ehrt mit Emmanuel Macron einen mutigen Vordenker für die Erneuerung des Europäischen Traums."

Begründung der Preisverleiher

So heißt es in der Begründung des Direktoriums. 

Der Karlspreis

Der Preis wird seit 1950 jährlich an Personen des öffentlichen Lebens verliehen, die sich in besonderer Weise um Europa verdient gemacht haben. Preisträger der letzten Jahre waren der britische Historiker Timothy Garton Ash, Papst Franziskus sowie SPD-Politiker und ehemaliger Präsident des europäischen Parlaments Martin Schulz.

Eine große Ehre für einen Mann mit großen Visionen. Denn die sind es, mit denen Macron bislang vor allem aufgefallen ist.

Schon während des Präsidentschaftswahlkampfes im Jahr 2017 hatte Macron in seinen Reden die Bedeutung von Europa betont. Dabei hatte er nichts anderes als eine "Neugründung" Europas gefordert:

"Wir müssen heute ein neues Kapitel der Geschichte Europas schreiben, wenn wir es nicht gar wirklich neu gründen müssen. Und genau das ist es, was wir zusammen machen werden."

Wahlkampfrede 2017

Doch bislang werden Macrons Ideen für eine Neuordnung Europas eher mit Skepsis bedacht. Vor allem von deutscher Seite. Ein gemeinsames EU-Budget oder ein EU-Finanzminister, für deren Einrichtung Macron geworben hat, wird er mit Deutschland nicht durchsetzen können.

Vor dem EU-Parlament hatte er vor wenigen Wochen für mehr Demokratie, Debatten und eine "europäische Souveranität" plädiert und damit fortgeführt, womit er schon im Wahlkampf den Nationalisten die Stirn geboten hatte. Mehr Europa, statt mehr Abschottung.

Wichtige Worte, nur richtig etwas vorzuweisen hat er bislang nicht in puncto "Neugründung" Europas. Und so werden erste Stimmen laut, die vor einem Macron-Hype warnen. 

"Macron läuft Gefahr, ein europäischer Obama zu werden. Überall bereitet man ihm die Bühne für große Reden, vor kurzem in Washington, jetzt in Aachen. Doch dabei steigt das Risiko, dass den Worten keine Taten folgen."

Dominique Moisi, Berater des Französischen Instituts für Internationale Beziehungen (IFRI), "Der Spiegel"

Denn ähnlich wie Obama nach seinem Amtsantritt wird auch Macron mit viel Vorschusslorbeeren bedacht. Dem US-Präsidenten war bereits ein Jahr nach seiner Wahl der Friedensnobelpreis verliehen worden. Für viele Beobachter damals eine verfrühte Ehrung, der Präsident habe sich den Preis noch nicht verdient. Und es zeigte sich auch in Folge, dass Obamas friedenspolitische Ambitionen wenig praktische Wirkung zeigten.

Macron, der auch in seinem jugendlichen und zupackenden Auftreten sehr an Obama erinnert, könnte nun ein ähnliches Schicksal ereilen. Große Zustimmung für seine inhaltlichen Visionen, aber zähes Voranschreiten in der Praxis.

Nicht ganz unschuldig daran sind die Deutschen. Mitglieder der Regierungskoalition, wie CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, äußerten sich bislang zum Teil skeptisch gegenüber Macrons Plänen zu einer EU-weiten Arbeitslosenversicherung oder einer europäischen Währungsreform.

Kanzlerin Merkel und Macron seien durch "Komplizenschaft und Rivalität" verbunden, schreibt die französische Tageszeitung "Le Monde". Mit auch ein Grund, wie französische Medien spekulieren, dass Macron in diesem Jahr den Karlspreis erhält.

Als eine Art Rückversicherung für die gegenseitige Verbundenheit. Aber damit auch als Erinnerung, dass europäische Einigung eine gemeinsame Anstrengung ist. Und noch im Werden.

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