Deutschland
FILE PHOTO: German President Frank-Walter Steinmeier delivers a speech in the the Bundestag (lower house of parliament) in Berlin, Germany, January 29, 2020. REUTERS/Michele Tantussi/File Photo

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einer Rede im Bundestag. Bild: reuters / Michele Tantussi

Steinmeier mahnt weitere Anstrengungen für Gleichberechtigung an

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat weitere Anstrengungen im Kampf für Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern angemahnt. Mehr als 70 Jahre nach der Verabschiedung des Grundgesetzes sei der "große Auftrag der Gleichberechtigung noch lange nicht erfüllt", sagte Steinmeier beim Empfang des Deutschen Frauenrates am Freitag in Berlin laut Redetext.

"Noch immer werden Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen übergangen; noch immer halten sie deutlich weniger Reden im Parlament; noch immer ist es für viele schwierig, Beruf und Familie zu vereinbaren."

Bundespräsident Steinmeier

Zudem seien die Errungenschaften der Frauenbewegung nicht selbstverständlich und könnten jederzeit wieder rückgängig gemacht werden, kritisierte der Bundespräsident. Er konstatierte "eine weltweite Faszination für Autoritäres, eine Sehnsucht nach 'starken Männern', einen Rückfall in alte Rollenmuster".

Angriff auf Donald Trump

Politiker, die mit ihrem Sexismus prahlten, würden in höchste Ämter gewählt, fügte Steinmeier hinzu, ohne US-Präsident Donald Trump beim Namen zu nennen. Aber auch in Deutschland sinke der Frauenanteil in Parlamenten, im Internet griffen Frauenhass und antifeministische Hetze um sich.

Steinmeier mahnte: "Wir dürfen nicht zulassen, dass Frauen sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen oder sich gar nicht erst hineinwagen, weil sie belästigt, beschimpft, bedroht oder angegriffen werden." Es sei die Aufgabe von Politik, Polizei und Justiz, Frauen zu schützen. Für alle gelte zudem: Niemand dürfe wegschauen oder weghören, sondern "wir müssen laut und deutlich widersprechen, wann und wo auch immer Sexismus und Gewalt gegen Frauen sich im Alltag breit macht", forderte der Bundespräsident.

(afp/lin)

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