Deutschland
Foto Manuel Geisser 16.6.2020 Waldshut GER : Fleischregal in einem deutschen Discounter

Mehr Geld für Fleisch ausgeben, wenn dafür Tierwohl und Arbeitsbedingungen mehr Beachtung finden? Viele Deutsche sind dazu bereit. Bild: www.imago-images.de / MANUEL GEISSER

Umfrage nach Tönnies-Skandal: Deutsche bereit, deutlich mehr für Fleisch zu zahlen

Der Skandal um den Fleischfabrikanten Tönnies scheint bereits erste Effekte in der Bevölkerung zu zeigen. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "Civey" im Auftrag des "Business Insiders" ergibt, sind viele Deutsche bereit, deutlich mehr Geld für Fleisch auszugeben.

Dafür müssen allerdings zwei Bedingungen erfüllt sein. Sowohl das Wohl der Tiere als auch faire Arbeitsbedingungen müssten besser beachtet werden. Was den Deutschen dabei wichtiger ist, lässt sich nicht sagen. Abgefragt wurden beide Faktoren gleichzeitig.

48 Prozent wollen zwischen 4 und 10 Euro mehr bezahlen

Unter der Bedingung, dass beides erfüllt wird, würden über 22 Prozent der Befragten vier bis fünf Euro mehr fürs Kilogramm ausgeben. Fast 16 Prozent würden sogar sechs bis zehn Euro mehr investieren wollen. Und weitere 13 Prozent könnten sich vorstellen, mehr als zehn Euro mehr pro Kilogramm Fleisch auszugeben.

Fasst man die Zahlen etwas zusammen, so sind 42 Prozent der Befragten bereit, zwischen einem und fünf Euro pro Kilogramm mehr für Fleisch zu bezahlen. 48 Prozent würden sogar zwischen vier und zehn Euro mehr bezahlen wollen.

Auch überraschend: Lediglich neun Prozent erklären, sie würden überhaupt nicht tiefer in die Tasche greifen, wenn dafür Tierwohl und Arbeitsbedingungen verbessert werden könnten. Fast genauso viele, 8,7 Prozent, erklären, gar kein Fleisch zu essen.

Kaufkraft hat keinen Einfluss – Politik reagiert

Weitere erstaunliche Erkenntnisse aus der Umfrage:

Die Umfrage wurde nach dem Bekanntwerden des Skandals bei Tönnies durchgeführt. Die Ergebnisse können also zumindest zum Teil darauf zurückgeführt werden.

Die Politik hat auf die Ereignisse ebenfalls schon reagiert. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat Tierhalter, Schlachtereien, Ernährungswirtschaft und Lebensmittelhandel zu einem Branchengespräch Fleisch am Freitag in Düsseldorf eingeladen. Auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, nimmt daran teil. Er erklärte am Donnerstag, er sei verbittert, weil es den Corona-Skandal gebraucht habe, "um den Spot auf das durch und durch kaputte Fleischsystem zu lenken". Er sei aber auch erleichtert, dass es nun "endlich den Druck gibt, dem sich die Politik nicht länger entziehen kann".

(om/mit Material von dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rolf 27.06.2020 15:59
    Highlight Highlight Das was "Lord Hairy" hier schreibt istdas Ergebnis der Pandemie . Und nicht nur beim Fleisch . Die Eventlokations machen wieder auf : mit "Hygiene Maßnahmen" zu horrenden Preisen . Urlaube auch mit "Hygiene Maßnahmen" und satten Preissteigerungen . Gaststätten wieder offen , "Hygiene Maßnahmen" und logischerweise höheren Preisen. usw.usw. Dazu jede Menge Kosten für Masken , Desinfektionsmittel Homeschooling etc. . Wenn man z.B. den Empfehlungen des RKI folgt muss jeder mindestens fünf Masken pro Tag zur Verfügung haben . Die Ärmeren werden definitiv komplett abgehängt .
  • Lord Hairy 26.06.2020 16:43
    Highlight Highlight Auch mit 10€ mehr werden wir betrogen und verar..... Ich jedenfalls kann maximal weniger Fleisch essen. Auch mit zwei Jobs kann ich mir teureres Fleisch nicht leisten. Also, wenig repräsentativ der Bericht.
  • Rolf 26.06.2020 15:41
    Highlight Highlight Wir sind mal wieder bereit mehr für Fleisch zu zahlen , hatten wir doch schon öfter , ohne Ergebnis , billig siegt . Angemessene Tierhaltung und Schlachtung würde mindestens zur Verdreifachung des Preises führen , mal sehen , wer das zahlt . Einfach VIEL weniger Fleisch essen , dann ist im Einzelfall der hohe Preis egal .
  • Romanopoly 26.06.2020 09:52
    Highlight Highlight Etwa 6,38 Millionen Menschen sind in Deutschland auf Hartz IV oder Arbeitslosengeld I (ALG I) angewiesen, darunter 1,92 Millionen sozialleistungsabhängige Kinder und Jugendliche.
    - wurden die auch gefragt?????

    Google: "zahl arbeiter deutschland" ->
    Im April 2020 waren nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) rund 44,8 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland (Inländerkonzept) erwerbstätig.

    -> von 50 Millionen in Frage kommenden arbeitenden Menschen leben ca. 6,5 Millionen von Harz4.

    -> Wir brauchen noch mehr automatische Kassen, Fahrkartenautomaten und ...
    • Jaisalmer 27.06.2020 07:12
      Highlight Highlight Und was haben jetzt automatische Kassen mit dem Fleischpreis zu tun?

      In Deutschland wird viel zu viel Fleisch gegessen. Das ist Fakt.
      Wenn sich jeder ein wenig einschränken würde, dann könnte man sich auch zweimal die Woche hochwertiges Fleisch leisten.
  • Romanopoly 26.06.2020 09:48
    Highlight Highlight Vermögen Clemens Tönnies:
    https://www.vermoegenmagazin.de/clemens-toennies-vermoegen/
    - geschätzte 2 Milliarden (Ich muss kotzen !!!!!)

    Unter der Bedingung, dass beides erfüllt wird, würden über 22 Prozent der Befragten vier bis fünf Euro mehr fürs Kilogramm ausgeben. Fast 16 Prozent würden sogar sechs bis zehn Euro mehr investieren wollen. Und weitere 13 Prozent könnten sich vorstellen, mehr als zehn Euro mehr pro Kilogramm Fleisch auszugeben.
    - Hier wird in etwa aufgezeigt, wie das Geld in Deutschland verteilt ist.

    Die Politiker reagieren schon auf ihre Umfrage.
  • Zweiundvierzig 26.06.2020 09:42
    Highlight Highlight Jaja - das würde die Preise beim Discounter verdoppeln, da glaube ich eher an den Weihnachtsmann.

    Man hätte die Leute mal fragen sollen, wieviel geben Sie heute im Monat für Fleischprodukte aus und welche Menge (Kilo) kaufen sie.
    Jede Wette, dass weniger als 10% ein Haushaltsbuch führen um diese Fragen zu beantworten.

    Eine ehrliche Frage wäre z.B. gewesen "Ein 4 Personenhaushalt kauft heute pro Monat rund 10kg Fleischprodukte und Wurst und gibt dafür rund 100€ aus. Wären Sie bereit für bessere Artbeitsbedingungen und Tierwohl zukünftig 200€ auszugeben?"

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