Deutschland
A motion blurred photograph of a patient on stretcher or gurney being pushed at speed through a hospital corridor by doctors & nurses to an emergency room

Bild: iStockphoto

Laut einer Studie sollte die Hälfte der Krankenhäuser geschlossen werden

"Ein Krankenhaus vor Ort ist für viele Bürger ein Stück Heimat" schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn erst kürzlich auf Facebook. Dennoch meinen Experten nun: Es müsste fast jedes zweite Krankenhaus in Deutschland geschlossen werden, um eine bessere Patientenversorgung zu gewährleisten.

Der radikale Vorschlag kommt von der Bertelsmann Stiftung: In einer am Montag veröffentlichten Untersuchung raten die Autoren, von aktuell 1400 Krankenhäusern lediglich 600 größere und besser ausgestattete zu erhalten. Diese könnten dann mehr Personal und eine bessere Ausstattung erhalten.

Die schnelle Erreichbarkeit eines Krankenhauses ist nicht das Wichtigste

Nun würde man denken: Ist es nicht gefährlicher für die Patienten, wenn die nächstgelegene Klinik geschlossen wird und sie in Notfällen längere Fahrtzeiten in Anspruch nehmen müssen?

Nicht unbedingt, meinen die Autoren der Bertelsmann-Studie. Denn die schnelle Erreichbarkeit eines Krankenhauses ist nur ein vermeintlicher Vorteil, wenn der Facharzt oder die notwendigen medizinischen Geräte fehlen.

"Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten haben genügend Erfahrung für eine sichere Behandlung."

Eine Fallstudie für die Region Köln/Leverkusen und den angrenzenden ländlichen Raum habe gezeigt, dass Patienten dort bei einer Verringerung der Zahl der Kliniken von 38 auf 14 im Durchschnitt keine längeren Fahrzeiten in Kauf nehmen müssten.

"Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten haben genügend Erfahrung für eine sichere Behandlung", betonen die Autoren der Studie.

Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Bündelung von Ärzten und Pflegepersonal sowie Geräten in weniger Krankenhäusern vermeiden. Kleine Kliniken verfügten dagegen häufig nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall angemessen behandeln zu können.

Fast jedes 3. Krankenhaus in Deutschland schreibt rote Zahlen

Hinzu kommt, dass die finanzielle Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland prekär ist. 2017 hat laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft fast jede dritte Klinik rote Zahlen geschrieben.

Die Autoren der Bertelsmann-Studie schlagen einen zweistufigen Aufbau einer neuen Krankenhausstruktur vor. Neben Versorgungskrankenhäusern mit durchschnittlich gut 600 Betten soll es etwa 50 Unikliniken und andere Maximalversorger mit im Schnitt 1300 Betten geben. Aktuell hat ein Drittel der deutschen Krankenhäuser weniger als 100 Betten. Die Durchschnittsgröße der Kliniken liege bei unter 300 Betten.

(dpa/ak)

Das Ergebnis, wenn man Technik und alte Menschen kombiniert

"Ich lag zwei Wochen im Koma" - Sportlerin nach Organspende

Play Icon
1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Apollo 15.07.2019 14:16
    Highlight Highlight Es ist schon erstaunlich,wo man überall sparen will.......die Kassen sprudeln und hier wird mal wieder der "Normalbürger" auf Diät gesetzt........die Krankenhäuser sind selbst krank.....an Personal, bei der Hygiene..... warum schafft man das in anderen Ländern (Niederlande).......aber hier wird gespart ohne Sinn und Verstand.....nur für unnütze, nichtssagende, überflüssig e Projekte ist Geld da..... schon suspekt alles.....

Jana bezieht bewusst Hartz IV: "Ich habe kein Kind bekommen, um es abzugeben"

Hier sprechen regelmäßig Menschen, die von Armut betroffen sind.

Jana (Name von der Redaktion geändert) ist 33 Jahre alt, gelernte IT-Systemkauffrau und alleinerziehende Mutter. Ihre Tochter wurde im März 2017 geboren, Jana trennte sich im September 2017 von ihrem Mann und bezieht seit Januar dieses Jahres Hartz IV – weil sie für ihre Tochter da sein möchte, wie sie sagt. Das Elterngeld ist im März 2018 ausgelaufen.

Der Gesamtbetrag von 1260 Euro monatlich setzt sich zusammen aus:

Für sich und ihre Tochter hat sie also knapp 630 Euro netto pro Person zur …

Artikel lesen
Link zum Artikel