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Mit diesem LKW fuhr ein Mann in mehrere Autos. Bild: Sascha Ditscher

LKW-Vorfall in Limburg: Was wir wissen – und was nicht

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In der hessischen Kleinstadt Limburg ist am späten Montagnachmittag ein Lastwagen an einer Ampel in mehrere Autos gefahren. Laut Polizei wurden acht Menschen verletzt. Zuvor soll der Fahrer den Lastwagen gekapert und mit Absicht in auf mehrere Autos gefahren sein.

Wir beantworten euch die wichtigsten Fragen zu dem Vorfall in Limburg:

Was ist genau passiert?

Bei dem Vorfall war am Montagabend ein Mann mit einem gestohlenen Lastwagen auf mehrere Autos aufgefahren. Neun Menschen wurden leicht verletzt, darunter der Fahrer. Der Mann hatte sich nach Polizeiangaben am frühen Abend des Lastwagens "bemächtigt" und war dann an einer Ampel in der Nähe des Gerichtsgebäudes mit den dort wartenden Fahrzeugen kollidiert. Der Fahrer des Lkw sei dann von der Polizei festgenommen worden.

Die "Frankfurter Neue Presse" hatte am Abend den eigentlichen Fahrer des Lasters zitiert: "Mich hat ein Mann aus meinem Lkw gezerrt." Als er vor einer roten Ampel wartete, habe der Unbekannte die Fahrertür des Lasters aufgerissen und ihn mit weit geöffneten Augen angestarrt, so der Fahrer. "Was willst Du von mir?", habe er den Mann gefragt. "Aber er hat kein Wort geredet. Ich habe ihn noch mal gefragt. Dann hat er mich aus dem Lkw gezerrt", heißt es weiter in dem Bericht.

Wie viele Menschen wurden verletzt?

Sieben Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, einer sei ambulant versorgt worden. Zuvor war von 17 Verletzten die Rede gewesen.

Der Sprecher der Polizei wies zudem ausdrücklich darauf hin, dass kursierende Meldungen von Toten oder Schwerverletzten nicht der Wahrheit entsprächen. Am frühen Morgen schlossen die Ermittler zudem die Spurensicherung vor Ort ab. Der Laster wurde abgeschleppt. Er werde weiter in einem Polizeigebäude untersucht, sagte ein Sprecher.

Was wissen wir über den Fahrer?

Bei dem festgenommenen Mann soll es sich um einen Syrer handeln, der sich seit 2015 in Deutschland aufhalten und 2016 einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus erhalten haben soll, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr.

Der 32-jährige Syrer soll bisher mit Drogendelikten und Gewaltkriminalität aufgefallen sein. Nach Ansicht der Ermittler ist es aber zu früh für Aussagen zum Hintergrund der Tat.

Über mögliche Kontakte zu Islamisten ist den Behörden bislang nichts bekannt. In der Nacht wurde laut Polizei im hessischen Langen eine Wohnung durchsucht. Der Festgenommene hatte nach Erkenntnissen der Behörden keine Kontakte zu militanten Salafisten oder anderen Extremisten. Der 1987 geborene Syrer soll bisher noch keine Aussage gemacht haben. Für ein terroristisches Motiv gebe es bislang noch keine Hinweise, es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, hieß es.

War es ein Terroranschlag?

Einen Bericht über eine Einstufung als Anschlag bestätigte die zuständige Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main am Dienstag nicht. "Wir sind derzeit in der heißen Phase der Ermittlungen", sagte ein Sprecher. Das ZDF hatte zuvor unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, der Vorfall werde als Terroranschlag eingestuft.

Es sei noch zu früh für Wasserstandsmeldungen zur Motivlage, sagte Alexander Badle von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittele in dem Fall in alle Richtungen.

Die Bundesanwaltschaft hat das Verfahren bislang nicht an sich gezogen, wie ein Sprecher t-online.de sagte. Bei einem politischen Motiv wäre das üblich. Man habe die Vorgänge aber genau im Blick und stehe im Austausch mit den Strafverfolgungsbehörden vor Ort.

Wie reagiert die Politik?

Innenminister Horst Seehofer hat sich am Dienstag am Rande eines EU-Innenministertreffens in Luxemburg zu dem Vorfall geäußert. Auf die Frage nach möglichen Hinweisen auf einen Terroranschlag sagte der CSU-Politiker: "Da wird ermittelt und ich kann Ihnen zur Stunde noch nicht sagen, wie diese Tat zu qualifizieren ist."

Im Netz wurde bereits kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls heftig spekuliert. Besonders umsichtig reagierte die Polizei Westhessen über ihren Twitter-Account. Unterstellungen und Mutmaßungen von ganz rechts, versuchte sie unaufgeregt und mit Fakten zu begegnen.

Manchmal auch ganz unkonventionell:

(ts/dpa/afp/reuters)

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