Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Links: Rasmea Odeh, die 1970 wegen ihrer Beteiligung an zwei Anschlägen der PFLP verurteilt wurde. Rechts: PFLP-Kämpfer bei einer Demo in Gaza-Stadt 2017. Bild: imago/montage: watson

Verurteilte Terroristin soll auf Anti-Israel-Veranstaltung in Berlin auftreten

Die ehemalige Terroristin Rasmea Odeh soll am Freitag bei einer Veranstaltung palästinensischer Gruppen und der Anti-Israel-Kampagne BDS in Berlin auftreten. Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus verurteilt die Veranstaltung und ruft die Politik auf, den Auftritt zu verhindern.

Das ist Rasmea Odeh:

1970 verurteilte ein israelisches Gericht die Jordanierin Odeh wegen der Beteiligung an zwei Bombenanschlägen auf einen Supermarkt und das britische Konsulat in Jerusalem, sowie der Mitgliedschaft in der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Bei dem Supermarkt-Anschlag wurden zwei junge Israelis getötet und neun weitere verletzt. Rasmea Odeh erhielt eine lebenslängliche Haftstrafe, wurde jedoch 1980 im Zuge eines Gefangenenaustauschs freigelassen.

1995 migrierte Odeh in die USA, nahm 2004 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Sie engagierte sich dort für die Belange der arabischen Community und war stellvertretende Leiterin des "Arab American Network" in Chicago. Nach einem jahrelangen Prozess wurde ihr die Staatsbürgerschaft 2017 wieder entzogen und sie wurde aus den USA ausgewiesen. Der Grund: Weder bei ihrer Einreise, noch bei ihrer Einbürgerung hatte sie die vorherige Verurteilung durch ein israelisches Gericht angegeben. Heute lebt Odeh in Jordanien und reist für Vorträge nach Europa.

Nov. 5, 2014 - Detroit, Michigan, U.S. - Detroit, Michigan - Palestinian-American activist Rasmea Odeh, 67, greets supporters as she arrives at the Federal Courthouse for a trial that could imprison her for 10 years and revoke her U.S. citizenship. The government charges that Odeh lied on her 2004 citizenship application by not disclosing that in 1969 she had been imprisoned and tortured by the Israeli military. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAw66

Nov 5 2014 Detroit Michigan U S Detroit Michigan PALESTINIAN American Activist  Odeh 67 greets Supporters As She arrives AT The Federal Court House for a Trial Thatcher Could imprison her for 10 Years and revoke her U S Citizenship The Government charges Thatcher Odeh Song ON her 2004 Citizenship Application by Not disclosing Thatcher in 1969 She had been imprisoned and tortured by The Israeli Military PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAw66

Rasmeah Odeh mit Unterstützern am Rande ihres Gerichtsverfahrens vor einem Bundesgericht in Detroit. Bild: imago stock&people

Palästinensisches Häftlings-Solidaritäts-Netzwerk hat Odeh eingeladen

Auf Einladung des "Samidoun Palestinian Prisoner Solidarity Network" soll die verurteilte Terroristin am Freitag in Berlin-Kreuzberg sprechen. Das Thema: "Palästinensische Frauen im Befreiungskampf". "Samidoun" versteht sich selbst als internationales Netzwerk, das unter anderem palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen in ihrem "Freiheitskampf" unterstützt. Es organisiert jedoch auch Kampagnen für andere Häftlinge, wie den in Frankreich inhaftierten Libanesen Georges Abdallah, der 1982 einen stellvertretenden amerikanischen Militärattaché und einen israelischen Diplomaten in Paris ermordet hatte.

In der Facebook-Veranstaltung zu Odehs Auftritt werden außerdem der Verein "Hirak e.V." und der Berliner Ableger der BDS-Kampagne als Mitveranstalter genannt. BDS steht kurz für Boykott, Desinvestition und Sanktionen. Die internationale Kampagne setzt sich für einen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Boykott des jüdischen Staats ein und wird von Kritikern und Experten als antisemitisch eingestuft.

Die Veranstaltung soll in der alevitischen Dersim-Kulturgemeinde im Berliner Stadtteil Kreuberg stattfinden. Neben Rasmea Odeh soll dort auch die palästinensische Aktivistin Dareen Tatour auftreten. Tatour wurde 2018 zu einer fünfmonatigen Haftstrafe in Israel verurteilt. Grund der Verurteilung wegen "Anstachelung zu Hass" und der Unterstützung der Terrororganisation "Islamischer Jihad" war unter anderem die Veröffentlichung eines Gedichts. Internationale Kritiker warfen der israelischen Justiz daraufhin eine Einschränkung der Meinungsfreiheit vor.

Sept. 2, 2014 - Gaza, gaza strip, Palestine - Palestinian militants from the Popular Front for the Liberation of Palestinian (PFLP) take part in a military show in Gaza City September 2, 2014. An open-ended ceasefire between Israel and Hamas-led Gaza militants, mediated by Egypt, took effect on August 26 after a seven-week conflict. It called for an indefinite halt to hostilities, the immediate opening of Gaza s blockaded crossings with Israel and Egypt, and a widening of the territory s fishing zone in the Mediterranean. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAn23

Sept 2 2014 Gaza Gaza Strip Palestine PALESTINIAN militant from The Popular Front for The Liberation of PALESTINIAN Aka PFLP Take Part in a Military Show in Gaza City September 2 2014 to Open ended Ceasefire between Israel and Hamas Led Gaza militant mediated by Egypt took Effect ON August 26 After a Seven Week CONFLICT IT called for to indefinite Maintenance to hostilities The immediate Opening of Gaza S blockaded crossings With Israel and Egypt and a widening of The Territory S Fishing Zone in The Mediterranean PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAn23

PFLP-Kämpfer bei einer Militärparade in Gaza-Stadt am 2. September 2014. Bild: imago stock&people

Jüdisches Forum: "Glorifizierung einer antisemitischen Mörderin"

Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) machte am Dienstag auf die Veranstaltung aufmerksam und forderte Politik und Behörden auf, den Auftritt Odehs zu unterbinden. Das "Samidoun"-Netzwerk stehe der auch von der EU als Terrororganisation eingestuften PFLP nahe, so das JFDA. In einer Mitteilung erklärte die JFDA-Vorsitzende Lala Süsskind:

"Es ist unerträglich, dass hier in Berlin eine palästinensische Terroristin für ihren mörderischen Kampf gegen Israel und die Juden als Freiheitskämpferin verklärt und gefeiert werden soll."

Die Veranstaltung zeige, wie offen "BDS und Konsorten" mit antisemitischen Terroristen sympathisierten. Es müsse eine Möglichkeit geben, "dieser schamlosen Glorifizierung einer antisemitischen Mörderin Einhalt zu gebieten", sagte Süsskind demnach in Richtung Politik und Verwaltung.

Auch der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck schloss sich der Kritik an. Er twitterte in Richtung des Bundesinnenministeriums und fragte, warum die verurteilte Terroristin überhaupt nach Deutschland einreisen darf.

Das Bundesinnenministerium hat auf Becks Tweet bislang nicht reagiert.

Auf watson-Anfrage teilte ein Sprecher des Ministeriums am Mittwochabend jedoch mit:

"Ich bitte um Verständnis, dass wir zu Angelegenheiten, die einzelne Personen betreffen, mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte grundsätzlich keine öffentlichen Auskünfte erteilen. Ganz allgemein können Sie davon ausgehen, dass die Behörden die ihnen zur Verfügung stehenden rechtlichen Instrumentarien auch nutzen.

Die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) ist seit den 1970er Jahren für zahlreiche Terroranschläge gegen den Staat Israel verantwortlich. Sie wurde 2002 u.a. von der EU als terroristische Organisation gelistet. Veranstaltungen wie die bevorstehende in Berlin dienen der Glorifizierung terroristischer Aktivitäten gegen das Existenzrecht des Staates Israel. Ob und in welchem Umfang dagegen eingeschritten werden kann, ist eine Frage des Versammlungs- und des Strafrechts und damit Sache der Länder.

Die PFLP ist Gründungsmitglied der Kampagne Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS),die seit Jahren den Staat Israel existenziell treffen will. Eine solche Zielsetzung ist ihrer Natur nach antisemitisch."

Mehr zum Thema Antisemitismus auf watson:

Ein Skandal-Rapper will ins Bataclan und Frankreichs Rechte rasten aus

Link zum Artikel

"Es sind zu viele davongekommen" – Jens Rommel jagt die letzten lebenden NS-Verbrecher

Link zum Artikel

"Das ist böswillig!" – Karikaturist Hanitzsch über Antisemitismus-Vorwürfe

Link zum Artikel

Türkei schmeißt Israel-Botschafter aus dem Land – Erdogan spricht von "Genozid"

Link zum Artikel

Kollegah und Farid Bang waren in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz

Link zum Artikel

Mal rechts, mal links, mal muslimisch – wann "Israelkritik" zu Antisemitismus wird

Link zum Artikel

"Vogelschiss in der Geschichte" – wie Gauland seine Äußerung zur NS-Zeit jetzt verteidigt

Link zum Artikel

Die AfD hilft, Antisemitismus hoffähig zu machen. Sagt einer, der es wissen muss

Link zum Artikel

Diese Israelhasser laufen auf linken Demos mit – das steckt hinter BDS

Link zum Artikel

"Israel ausrotten" – das steckt hinter der Al-Quds-Demonstration in Berlin

Link zum Artikel

AfD bringt Antisemitismus in die Parlamente, sagt Annegret Kramp-Karrenbauer

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Kramp-Karrenbauer hat nicht einfach einen Witz gemacht – sie denkt wirklich so

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer steht nach ihrer "Comedy-Einlage" beim Stockacher Narrengericht in der Kritik. Sie befördere LGBTI-feindliche Stimmungen, sagen die einen. Sie habe nur einen Witz gemacht und werde nun zum Opfer einer Empörungskultur, meinen andere.

Kramp-Karrenbauers Auftritt ist jedoch mehr als ein dumpfer Fastnachts-Gag. Denn mehrere Äußerungen aus den vergangenen Jahren zeigen: Die CDU-Chefin denkt wirklich so.

AKK handelt sich nicht zum ersten Mal einen …

Artikel lesen
Link zum Artikel