Deutschland
Abstract, Polygonal structure, Circle, dot, Geometric Shape, Network

Sie klärt auf über die Folgen der Prostitution: Marie Merklinger. Bild: imago/watson-montage

Interview

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte fordert Sexkaufverbot

Sie nennen sich "Überlebende". Frauen, die den Absprung aus der Prostitution geschafft haben. Marie Merklinger ist eine von ihnen.

Drei Jahre lang bekam Merklinger Geld gegen Sex. Damals war sie schon über 40, arbeitslos, alleinerziehend, ihr stand das Wasser bis zum Hals. Diese Zeit hat Spuren hinterlassen. Narben, wie sie sagt. Seit acht Jahren kämpft sie für die Rechte von Prostituierten. In dieser Woche trifft sie andere "Überlebende" beim Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung in Mainz. Bis Freitag sollen "Handlungsschritte für eine Gesellschaft ohne Prostitution" erarbeitet werden. Die Frauenhilfsorganisation Solwodi (Solidarity with Women in Distress) hat dazu Experten, aber auch ehemalige Prostituierte und Opfer von Zwangsprostitution aus der ganzen Welt in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt geladen. Ziel ist ein Verbot von käuflichem Sex, nach schwedischem Vorbild.

Dieses Ziel verfolgt auch die Ex-Prostituierte Marie Merklinger. Ein Interview.

watson: Sie nennen sich Überlebende. Warum?
Marie Merklinger:
Weil wir genau das sind: Überlebende. Überlebende des Prostitutionsmissbrauchs. Was weltweit und hier in Deutschland passiert, das ist schlicht und einfach Missbrauch. Die Frauen wollen mit diesen Männern keinen Sex. Sie haben Sex, weil sie das Geld brauchen. Sie haben den gleichen Ekel, den Frauen nun mal empfinden, wenn sie mit Männern Sex haben, mit denen sie eigentlich keinen wollen. Daran ändert Geld nichts. Es ist etwas sehr, sehr Intimes, das erzwungen wird durch die Not, Geld machen zu müssen. Das macht wirklich jede Frau kaputt.

Dabei wurden in den letzten Jahren die Rechte von Prostituierten doch gestärkt: Das Prostitutionsgesetz von 2002 ermöglichte es, sozialversicherungspflichtig tätig zu sein. Das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 schuf die Möglichkeit, sich registrieren zu lassen und gesundheitliche Beratung zu bekommen. Ist das keine Verbesserung?
Sicher ist es gut, wenn die Frauen jetzt darauf bestehen können, dass ein Kondom verwendet wird. Aber ansonsten? Im Grunde wurde Tür und Tor geöffnet, sodass jeder in die Prostitution gehen kann. Die Situation ist doch die: Wir haben in Deutschland eine Riesenmenge an Frauen, die aus den ärmsten Ländern kommen. Frauen, die keine Bildung haben, die blutjung sind. Was hat sich für die verbessert? Die melden sich irgendwo an und zwei Wochen später weiß niemand, wo sie sind. Die wechseln ins nächste Bordell, weil die Männer Frischfleisch wollen. Die Freier wissen auch ganz genau, dass die ganz jungen Mädchen aus den osteuropäischen Ländern, die wiederum in ihren Ländern oft keine guten Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben, ihre Rechte nicht einfordern werden.

Die Gesetzeslage

Mit dem Prostitutionsgesetz von 2002 wollte die damalige rot-grüne Bundesregierung Prostituierte in Deutschland rechtlich besserstellen und ihnen das Stigma nehmen. Seither ist Prostitution nicht mehr sittenwidrig. Prostituierte sollten sozial besser abgesichert sein, der Zugang zur gesetzlichen Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung wurde geschaffen. Allerdings meldeten sich kaum Prostituierte an, die Gesetze blieben weitgehend wirkungslos. Aus einer Kleinen Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion von Februar 2019 geht hervor, dass sich 2018 gerade einmal 76 Prostituierte bei Sozialversicherungen gemeldet hätten. Die Bundesregierung verwies darauf, dass die Aussagekraft der Statistik eingeschränkt sei, da viele Prostituierte sich vermutlich nicht in der offiziell vorgesehenen Berufsgattung anmelden würden. Deutschlandweit geht die Bundesregierung von rund 200.000 Frauen aus, die als Prostituierte arbeiten.
Auch das 2017 in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz hat offenbar nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Prostituierte sollen sich bei ihren Kommunen registrieren und gesundheitlich beraten lassen. Laut Bundesregierung haben sich im ersten Halbjahr nach dem Inkrafttreten gerade einmal 6959 Frauen in den jeweiligen Kommunen angemeldet.
Kritiker beklagen, die Liberalisierung der Prostitution habe das Gegenteil erreicht und Deutschland habe sich zu einer Art "Bordell Europas" entwickelt.

Sie wollen die liberale Gesetzgebung in Deutschland kippen und setzen sich für das sogenannte "Nordische Modell" nach schwedischem Vorbild ein. Das begreift Prostitution per se als eine Menschenrechtsverletzung...
Richtig, und deswegen müssen wir die Frauen komplett entkriminalisieren und die Nachfrager kriminalisieren. Es müssen die herangezogen werden, die dafür verantwortlich sind, dass so viele Frauen nach Deutschland gebracht werden: nämlich die Freier. Nur von dieser Seite kann man diesen Sumpf austrocknen. Die Freier sind die richtige Adresse. Denen ist die Not der Mädchen doch völlig wurst.

Nicht nur die Gesetze, auch die Sprache hat sich verändert. Prostituierte werden heute auch Sexarbeiterinnen genannt. Wie finden Sie diese Wortschöpfung?
Diesen Begriff lehne ich ab. Wie kann Sex Arbeit sein? Sex ist eine Sache, die zwei Menschen einvernehmlich miteinander machen. Das Wesen der Prostitution ist, dass der Mann seine Befriedigung an einer Frau erkauft. Das hat nichts mit der Sexualität der Frau zu tun, das hat nichts mit Lust der Frau zu tun. Sex kann niemals Arbeit sein.

Sie selbst haben drei Jahre in der Prostitution verbracht. Gibt es ein Leben nach der Prostitution?
Gibt es definitiv, aber es ist nicht mehr dasselbe. Die Zeit als Prostituierte nimmt einen wirklich mit. Man bekommt ein ganz schräges Männerbild. Und da muss etwas dran sein, weil man sie zu Hunderten trifft: Männer, die sich Sex um jeden Preis verschaffen. Das hat mich sicher verändert.

Inwiefern?
Ich habe keinen Drang mehr, eine Zweierbeziehung mit einem Mann zu führen. Nein, überhaupt kein Interesse. Das ist aber auch nicht schlimm. Das empfinde ich eher als angenehm. Ja, es gibt ein Leben danach. Aber ich habe meine Narben abbekommen. Und in bestimmten Situationen spüre ich sie einfach.

Es ist traumatisierend. Wenn ein 150-Kilo-Mann, der aussieht wie Super Mario, schwitzend auf einem draufliegt und man erstickt schier, dann beamt man sich einfach weg.

Das ist ein psychischer Schutzmechanismus, der einfach Spuren hinterlässt. Die vermeintlich glücklichen "Sexarbeiterinnen" nennen das Professionalität. Aber das nehme ich ihnen nicht ab. Dieser Mechanismus lässt sich nicht steuern.

Wohin haben Sie sich in solchen Momenten gebeamt?
Einfach weg. Wie soll ich Ihnen das erklären? Sie müssen sich das vom Mechanismus vielleicht ein bisschen so wie beim Zahnarzt vorstellen. Wenn Sie sich aus Angst vor dem Schmerz woanders hindenken. Natürlich ist das viel extremer als beim Zahnarzt, weil jemand komplett in sie eindringt, nicht nur in die Körperöffnungen, sondern auch mit seinem Geruch, mit allem.

Was sagen Sie jenen, die von Freiwilligkeit sprechen?
Ganz ehrlich, ich kenne keine Frau, die es einfach nur aus purer Lust am Sex mit Männern macht. Jede Frau hat ihre Geschichte dahinter. Bei jeder Frau gab es diesen Moment, an dem es Druck gab. Keine Frage, diese Frauen, die von Freiwilligkeit sprechen, sollen es machen, wenn sie es wirklich möchten. Aber nicht auf dem Rücken von Hunderttausenden jungen Mädchen, von denen wir nicht mal die Namen kennen und wir nicht mal merken, wenn sie verschwinden. Da erwarte ich Solidarität. Es kann nicht jeder 1500 bis 3000 Euro die Nacht verdienen. Die Frauen, über die ich rede, die die Majorität stellen, das sind die Frauen, die zwischen 5 und 20 Euro kriegen – und dann noch das Zimmer zahlen, und dann noch Steuern zahlen, und dann noch Geld an ihre Kinder und Familien schicken müssen. Ich war eine gestandene Frau, als ich mit über 40 in die Prostitution kam. Die Frauen, über die ich rede, das sind 18-, 19-jährige Mädchen, die hierhergelockt werden, aber keinerlei Hilfe finden. Das ist wirklich ein Elend. Das hat mir damals, als ich noch aktiv war, bereits das Herz gebrochen.

Wie haben Sie denn den Ausstieg geschafft?
Ich habe einfach Arbeit gefunden.

Gibt es etwas, das Sie sich von Seiten der Politik wünschen würden?
Dass wir Solidarität gegenüber diesen Frauen zeigen. Das bedeutet, dass die Frauen hier Bleiberecht bekommen.

Ganz junge Mädchen kommen hierher, werden hier kaputtgefickt und haben nicht mal Anspruch auf Hartz IV oder sonst was.

Die werden heimgeschickt, aufgepäppelt und landen in Spanien und Italien wieder in der Prostitution. Diese Frauen kommen zu uns und diese Gesellschaft und die Politik lassen zu, dass sie kaputtgemacht werden. Ich wünsche mir, dass wir alle für diese Frauen die Verantwortung übernehmen. Die Frauen brauchen ein Dach über dem Kopf, die Frauen brauchen Bildung. Deswegen sage ich auch zu den "Sexarbeiterinnen", die von Freiwilligkeit sprechen: Zeigt Solidarität.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gregor Hast 11.04.2019 21:38
    Highlight Highlight Viele Mädchen, die zur Prostitution gezwungen werden, sind meist auch Opfer von Menschenhändlern!
  • Alexandra Violetta 11.04.2019 13:09
    Highlight Highlight Ich bin angewidert von all den Männern, die sowas kleinreden, negieren und beschönigen. Es ist unglaublich, wie einige Männer über Frauen denken. Ich gehe davon aus, dass für die, die die Erfahrung der Frauen als Prostituierte negieren, selber Kunden sind?! Egal, wie sehr manes verleugnet: Prostitution ist grausam. Ich könnte vieles schreiben zum Thema, aber ich würde sonst ausfallend werden...
    • SchoolMeesters 12.04.2019 07:48
      Highlight Highlight Hallo Alexandra, hier soll nichts beschönigt werden. Wir alle sehen in Zwangsprostitution etwas Verwerfliches, was bekämpft werden muss. Auch sagt keiner, Prostituierte hätten ihr Hobby zum Beruf gemacht. Wenn du es also ablehnst, dass eine Frau entsprechende Dienste anbietet, Männer sie wahrnehmen und angemessen vergüten, kannst du gern entsprechende Argumente anbringen. Einfach nur behaupten alles ist grausam greift da etwas zu kurz.
  • SchoolMeesters 09.04.2019 20:13
    Highlight Highlight Liebe Frau Merklinger,
    ich hatte Vieles erhofft, aber das aus der Sache hier eine spannende, trotzdem sachliche und auch sachdienliche Diskussion geworden ist, hatte ich noch nicht mal zu hoffen gewagt. Daher möchte ich noch etwas an Ihrem Statement kommentieren. Denn auch, wenn Sie vorgeben schlechte Erfahrungen während Ihrer Tätigkeit gemacht zu haben, berechtigt dass noch zu keiner Diffamierung.
  • SchoolMeesters 09.04.2019 20:04
    Highlight Highlight Es ist zu prüfen, wie Ihr soziales Engagement sich mit Ihre Wortwahl (150 Kilo Mann) verträgt. Wie glauben Sie fühlt sich ein(e) übergewichtige(r) Mann/Frau, welche(r) ihren Vergleich mit Super Marion liest? Wir beide sind beim Thema Prostitution und zwangsläufigem Zwang unterschiedlicher Meinung. Aber glauben Sie ernsthaft, dass dieser Typ Mensch, den Sie hier als Witzfigur darstellen, sein überschüssiges Körpergewicht freiwillig mit sich herum schleppt? Ist Ihnen jemals in den Sinn gekommen, dass solche Menschen, die Nähe bei Ihnen gesucht haben auch Narben mit sich herumtragen?
    • Narrator 11.04.2019 04:22
      Highlight Highlight Das verträgt sich sehr gut denke ich. Frau Merklingers Engagement bezieht sich auf Prostituierte, ihre Lage und ihre Rechte/ ihren Schutz. 150-Kilo-Mann ist erst einmal eine (vermutlich geschätzte) Tatsachenbeschreibung. Dass es ungeachtet ästhetischer Vorlieben eine psychische und physische Belastung ist/ sein kann, eine Person mit solchem Gewicht direkt über sich liegen zu haben ist denke ich erkennbar... Frau Merklinger vertritt hier die Prostituierten und ihre "Narben"..
    • SchoolMeesters 12.04.2019 07:39
      Highlight Highlight Ja, so wie Frau Merklinger es darstellt kommt medienwirksam herüber, dass eine Belastung vorliegen kann. Es wäre zum Glück verboten bzw. schwer darstellbar gewesen einen anderen Personenkreis wie Menschen mit Behinderungen, Ausländer etc. heranzuziehen. Und da ist meine Kritik. Es ist erlaubt und eben salonfähig, über dickere Menschen abfällig zu sprechen (es gibt sogar entsprechende Lieder). So etwas lehne ich grundsätzlich ab. Aber vielleicht sehe ich das tatsächlich zu eng.
    • SchoolMeesters 12.04.2019 07:40
      Highlight Highlight Hallo Narrator, ganz ehrlich, im ersten Moment, dachte ich, wer durchkreuzt hier meine bislang so einfach durchlaufenden Plädoyers. Da ich jedoch für liberale Prostitutions-Gesetze eintrete, muss ich natürlich auch eine demokratische Streitkultur akzeptieren. Außerdem ist es ein gutes Zeichen, dass sich die Gegenseite meldet und zur Diskussion beiträgt. Also herzlich willkommen. Mein Feedback zu deinem Feedback kommt im Folgenden.
  • Martin 05.04.2019 21:18
    Highlight Highlight das ist erstmal ein schlimmes einzelschicksal.
    und es gibt sicher manches Dreckschwein auf dieser Welt.
    wie sagte mal eine sehr starke Frau zu mir, offizierin bei der Armee: solange auf beiden Seiten Freiwilligkeit herrscht...

    Menschen sind verschieden und haben unterschiedliche Einstellungen zu ihrer Sexualität

    Sex aus reiner geldnot, wenn man eigentlich das nicht will, ist immer eine schlechte Idee.

    ich würde wieder gehen, wenn ich so einer verzweifelten Frau begegnen würde.

    die Entscheidung für diesen Beruf sollte nicht nur aus finanziellen Gründen getroffen werden.
    • Narrator 11.04.2019 04:56
      Highlight Highlight Frau Merklinger beschreibt ja gerade, dass eben oft keine wirkliche Freiwilligkeit seitens der Frauen besteht. Sie wissen vermutlich nicht unbedingt, wann sie "einer solchen" Frau gegenüberstehen. Sie wird es Ihnen als Freier mit Sicherheit nicht direkt sagen und auch Verzweiflung lässt sich zeitweise übrspielen.. ich denke die Entscheidung für diesen "Beruf" wird selten aus anderen Gründen als Zwang oder finanzieller Not getroffen
    • Alexandra Violetta 11.04.2019 13:14
      Highlight Highlight Männer begreifen nicht, dass es ein gutes Schauspiel ist, was ihnen dort geboten wird. Mehr nicht. Ein Schauspiel. Dafür wird sie bezahlt und sie tut es, weil sie Geld braucht. Das ist alles. Da muss Mann sich wirklich nichts einreden.
    • SchoolMeesters 12.04.2019 07:57
      Highlight Highlight Frau Merklinger hatte mit vierzig Jahren finanzielle Probleme. Bei alleinerziehenden Frau leider ein weitverbreitetes Problem. Frau Merklinger hat hier den in dem Alter außergewöhnlichen Weg eingeschlagen sich zu prostituieren. Sie hat Männern Dienste angeboten und Geld erhalten. Im Nachhinein werden diese Männer wie Kriminelle dargestellt. Narrator findet es zwar legitim aber, dass sie fettleibige Menschen für ihre Darstellung instrumentalisiert, zeigt zumindest, dass sie auch austeilt. Ihr eine reine Opferrolle zuzugestehen darf wenigstens diskutiert werden.
  • Nimo Tsambikos 05.04.2019 16:45
    Highlight Highlight ..gibt es mehr als genug Frauen die sich prostituieren um ihren viel zu hohen Lebensstandard zu finanzieren..klar gibt es Frauen die gezwungen werden, in Deutschland aber kann man skch einfach helfen lassen oder man geht halt einfach Arbeiten auch wenn man dort mehr fäkalien fressen muss als anderswo..zweitens werden bei einem Verbot diese beschriebeben kranken Männer immer mehr auf Vergewaktigungen zurückgreifen...leider also wenn es das ist was ihr wollt dann bitte niemand ist dazu von sich aus gezwungen in Deutschland seinn Körper zu verkaufen es ist nur sehr lukrativ für die anbieter
    • SchoolMeesters 06.04.2019 13:28
      Highlight Highlight In dem Punkt ist wichtig, was Frau Merklinger zur Frage nach dem Ausstieg antwortet. Anstatt sich gegen einen Zuhälter wehren zu müssen, der sie mit Schlägen und Ablösesummen abhalten möchte, hat sie so wörtlich einfach eine andere Arbeit gefunden.
  • SchoolMeesters 04.04.2019 19:27
    Highlight Highlight Ein sehr wichtiges Interview. Es macht klar, das Frau Merklinger vielleicht von irgendwas (Schulden, familiäre Probleme o. a.) aber niemals von irgendwem (Zuhälter mit Loverboy-Mehtode o. a.). Häufig werden die Damen bei dem Thema als unendlich naiv dargestellt, denen man alles erzählen könne. In der Regel wissen sie, was sie tun und man sollte sie mehr respektieren. Ihnen die Einkunftsquelle (Verbot der Prostitution) zu nehmen, ist sicher der falsche Weg.
  • SchoolMeesters 04.04.2019 18:50
    Highlight Highlight Ein wichtiges Interview. Es hebt hervor, dass Frau Merklinger vielleicht von irgendwas (Schulden, familiäre Problem etc.) aber nie von irgendwem (Zuhälter mit sog. Loverboy-Methode etc.) gezwungen wurde. Häufig werden bei dem Thema die Damen als unendlich naiv dargestellt, die auf etwas hereingefallen sind. In aller Regel wissen sie, was sie tun, und sollten mehr respektiert werden. Ihnen ihre Einkunftsquelle zu nehmen, ist sicher ein falscher Weg.
    • Vergugt 05.04.2019 14:22
      Highlight Highlight Da unterstellst Du ziemlich viel - hast Du Erfahrungen oder einen direkten Bezug zu der Thematik, oder sind das reine Mutmassungen?
    • SchoolMeesters 06.04.2019 13:19
      Highlight Highlight Danke, dass du kritisch hinterfragst, wie ich zu meiner Auffassung komme. Das wünsche ich mir immer, wenn Frauenrechtlerinnen oder Journalisten ohne Angabe von Quellen Zahlen in den Raum werfen, die zumindest keiner statistisch gesicherten Überprüfung standhalten könnten.
      Ja, ich habe einen Bezug. Gelegentlich mache ich Interessenvertretung für Prostituierte. Auch kenne eine Ehemalige privat und konnte so hinter die Kulissen der Branche schauen. Das ist natürlich nur ein kleiner Einblick. Aber insoweit, kann ich sagen, dass kein physischer Zwang vorliegt und die Damen wissen, was sie tun.
    • SchoolMeesters 06.04.2019 18:12
      Highlight Highlight Und hier mal Zahlenbeispiel: Im Jahr 2017 wurden lt. BKA 671 Personen Opfer von Menschenhandel. Das sind dann zwar 671 Fälle, die nie hätten sein dürfen. Des Weiteren gibt es hier sicher, wie bei fast allen Arten von Verbrechen, eine Dunkelziffer. Aber selbst wenn man den Wert verzehnfacht und auf eine für Deutschland geschätzte Anzahl von Prostituieren in Höhe von 200 000 (lt. Alice Schwarzer sind es vielmehr) bezieht, bedeutet das immer noch, dass über 95% der Sexarbeiterinnen keinen Zuhälter hinter sich haben.
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  • Navigatior 04.04.2019 16:39
    Highlight Highlight Ich finde es eine starke Nummer, Millionen Männer, die zu einer Prostituierten gehen und für eine „Dienstleistung“, die es schon seit vielen tausenden von Jahren gibt, zu kriminalisieren.
    Ich persönlich war noch nie bei einer, würde auch nie für so etwas bezahlen. Also unterstütze ich das auch nicht, aber man sollte bei solch Vorstoß vorsichtig sein...
    • PennyLane 06.04.2019 10:28
      Highlight Highlight sehe ich auch so. wer weis wozu diese Männer fähig sind wenn sie kein Sex für Geld mehr "freiwillig" bekommen.....
    • Lars Hermann 08.04.2019 21:10
      Highlight Highlight Es mag ja sein, das Frau Merklinger selbst negative Erfahrungen gemacht hat. Genauso gibt es unbestritten Zwangsprostitution, die hat bekämpft werden muss. Aber genau so gibt es die freiwillige Prostitution und das wird immer gerne vergessen. Ich weiß wovon ich rede: meine Freundin macht den Job seit 9 Jahren. Zu argumentieren, es sei ja keine Freiwilligkeit, da sie es ja nur des Geldes wegen macht ist schon unglaublich. Mit der gleichen Begründung kann ich das Verbot der Jobcenter fordern. Übrigens: Verbotene führen zu noch mehr Zwangsprostitution und Abhängigkeit.
    • Lars Hermann 08.04.2019 21:19
      Highlight Highlight Richtig. Leute wie Frau Merklinger, machen sich auch gar keine Gedanken darüber, was mit den „jungen Frauen aus armen Ländern“ passiert, wenn sie ihren Lebensunterhalt (und oft auch den ihrer Familie) nicht mehr verdienen können. Hauptsache wir sehen das vermeintliche Elend nicht mehr. Und natürlich machen die Frauen den Job wegen des Geldes und nicht wegen ihrer eigenen sexuellen Befriedigung. Die meisten Bäcker stehen auch nicht nachts um 2 Uhr auf und gehen zur Arbeit weil sie Hunger haben uns satt werden wollen, sondern weil sie ihren Lohn für ihren Lebensunterhalt brauchen.
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