Deutschland

Interview

Dieser SPD-Mann stahl der CSU den Slogan – was steckt dahinter?

David Ruch

Die Bayern-SPD landet einen Coup im Netz und bringt damit die CSU auf die Palme. Auf der Internetseite soeder-machts.de – angelehnt an den Wahlkampfspruch der CSU – halten die Sozialdemokraten dem bayerischen Ministerpräsidenten eine aus ihrer Sicht verfehlte Politik vor. t-online.de sprach mit dem Macher hinter dem Überraschungserfolg, dem Kampagnenchef der bayerischen SPD, Rainer Glaab, und fragte ihn:

Wie kamen Sie auf diese Idee, Herr Glaab?
Rainer Glaab: Die Idee kam uns kurz bevor die CSU ihre Wahlplakate rausbringen wollte. Wir wussten, wie die zentralen Slogans lauten – „Bayern macht’s“, „Söder macht’s“ – und dass sie Söder als Macher präsentieren wollen. Wir haben dann geschaut, wie sie das im Netz machen wollen, und mussten staunen: Die Seite soeder-machts.de ist noch frei.

Da haben Sie gedacht, damit können wir was machen.
Genau. Tags darauf haben wir für 12,80 Euro die Domain registriert. Und da zeigen wir den Menschen jetzt, was der Söder sonst noch macht.

Wie hat dann die CSU reagiert?
Wenn man die Reaktionen so ansieht, dann hat die das natürlich total geärgert. Mit Riesen-Aufwand haben die versucht, den Hashtag #SoederMachts bei Twitter zurückzugewinnen. Die haben ein teilweise absurdes Domaingrabbing veranstaltet, also alle möglichen Internetseiten registriert, die nach unseren Slogans klangen. Dabei haben wir gar keinen zentralen Slogan, auf dem unsere Kampagne fußt. Alles in allem haben sie mit der Aktion vor allem uns gepusht. Das wird mal in die Lehrbücher eingehen, als Beispiel wie man nicht reagieren sollte.

Ministerpräsident Markus Söder: Muss in Bayern um die absolute Mehrheit für die CSU bangen:

Bild

Bild: watson-montage

Die CSU nahm sogar einiges an Geld in die Hand, um Ihren Coup abzuschwächen.
Allerdings. Die haben massig Werbung bei Facebook und vor allem bei Twitter geschaltet. Leute in Wolfsburg haben sich beschwert, dass sie Wahlwerbung der CSU in ihre Timeline bekommen haben. Die Netzcommunity hat sich darüber natürlich lustig gemacht. Wer kann es Ihnen verdenken.​

Die Slogans auf soeder-machts.de klingen fast so, als hätten Sie sich vorbereitet.
Das sind ja alles Dinge, die seit Monaten bekannt sind. Und natürlich erarbeiten wir auch Papiere, um unsere Wahlkämpfer auf ihre Aufgabe vorzubereiten.

Aber die CSU spricht jetzt von „Fake News“ und einer Schmutzkampagne.
Da können wir nur den Kopf schütteln. Daran ist überhaupt nichts schmutzig. Alles was da steht, sind belegbare Fakten. Söder hat im Zusammenhang mit ertrinkenden Menschen von Asyl-Tourismus gesprochen. Es gibt in Bayer zigtausend unbesetzte Stellen bei der Polizei, aber Söder baut eine neue Grenzschutztruppe auf. Das ist alles valide. Und die wütende Reaktion von Generalsekretär Blume zeigt doch nur, wie sauer er ist.

In Persona hat die CSU noch immer kaum einen Gegner in Bayern:

Macht Ihnen dieser Coup Hoffnung für den Wahlkampf?
Wir hyperventilieren jetzt nicht. Uns ist klar, dass wir mit so einer Aktion keine Wahl gewinnen werden, es ist nur ein kleiner Mosaikstein. Aber es war ein Erfolg für uns. Allerdings bekommt man eine so große Resonanz auch nur, wenn es eine breite Unzufriedenheit mit Söder gibt.

Dennoch: In den Umfragen sieht es nicht gut für Sie aus.
Es wird zu oft zu viel auf die Umfragen geschaut. Wir sehen auch, dass sich sehr viele Menschen noch nicht entschieden haben. Fast zwei Drittel sagen das, viele auch im konservativen Lager. Das gab es so in Bayern noch nie. Die CSU hat einen ganz schweren Fehler gemacht, sich den AfD-Anhängern anzubiedern. Sie hat damit viele ihrer christlich-wertkonservativen Stammwähler vergrault. Es gibt also Chancen. Ich glaube, die Wahl in Bayern war noch nie so offen.

Dieser Text erschien zuerst bei t-online.de

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