Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger. (bild: Screenshot/Bundestag.de)

"Bitte nicht jede Scheiße ungeprüft verbreiten" – CDUler regt sich über Fakevideo auf

Lars Wienand

Volksvertreter bekommen viel Post vom Volk. Weil ihm aber das x-te leicht zu entlarvende Fake-Video geschickt wurde, wurde ein Abgeordneter wütend. Im Interview fordert er große Lösungen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger fordert, dass in in allen Ministerien Abteilungen eingerichtet werden, die sich nur mit der Erkennung von Falschinformationen beschäftigen. Das sagte er t-online.de in einem Interview. Steiniger hatte auf Twitter seinem Ärger Luft gemacht, nachdem ihm ein Lügen-Video zugeschickt worden war. "Stehlt mir keine Lebenszeit", schrieb der 31-Jährige.

Herr Steiniger, was war denn passiert, dass Sie diesen Tweet geschrieben haben?

Johannes Steiniger: Mir wurde von einem politisch eigentlich recht interessierten Mensch ein Video zugesandt, in welchem vermeintliche Flüchtlinge einen Weihnachtsbaum in einem Einkaufszentrum plündern. Diese Szene soll in einer deutschen Stadt stattgefunden haben. Versehen war die Mail grußlos mit dem Kommentar: "Wir nehmen es wieder einmal hin, was muss denn noch geschehen, bis agiert wird."

Das Video ist mehrere Jahre alt ist und stammt aus einem Einkaufszentrum in Kairo, wo zum Ende der Weihnachtssaison der Baum geplündert werden darf, wie die Faktenchecker-Seite Snopes schon 2016 berichtet hat.

Ich habe bei Google kurz die Stichworte "Flüchtlinge zerstören Weihnachtsbaum" eingegeben und kam sofort auf die Auflösung, dass es sich um Aufnahmen aus Ägypten handelt. Und dann habe ich dem Verfasser der Mail dann direkt geantwortet. Weil ich solche Nachrichten auf Kanälen wie Facebook Messenger, Whatsapp oder Instagram mehrmals pro Woche erhalte, bin ich recht geübt darin, Fakes zu finden.

Haben Sie ihm auch wörtlich geantwortet, dass er auf die “größte Fakescheiße” reingefallen ist? Wann versuchen Sie es mit Aufklärung?

Ich kenne den Verfasser der Mail, er wohnt im Ausland. Ich habe ihm geantwortet, dass er bitte nicht "jede Scheiße ungeprüft verbreiten" solle und man den Link zur Auflösung nach drei Sekunden auf Google findet. Bei allen Personen, die ich persönlich kenne oder die aus meinem Wahlkreis kommen, antworte ich dann auch. Hier ist mir Aufklärung besonders wichtig, weil sich diese Menschen ja auch an mich in meiner Eigenschaft als ihr Abgeordneter wenden. Da fühle ich mich besonders verpflichtet, zur Richtigstellung beizutragen, und hoffe auch darauf, dass die Leute meine Antwort auch wieder an ihre Bekanntenkreise weitergeben.

Sieht man vom Zeitaufwand ab: Müssten sie eigentlich denen dankbar sein, die Ihnen so etwas schicken und Ihnen so die Gelegenheit geben, falsche Informationen geradezurücken?

Tatsächlich bekomme ich durch solche Nachrichten, Videos oder Memes einen recht guten Eindruck, was im Netz so abläuft. Wir haben es leider mit einem Phänomen zu tun. Insbesondere viele ältere Bürger glauben vieles, was im Internet steht und teilen dies dann auch ungeprüft, vor allem in ihren WhatsApp-Gruppen. Ich empfinde das als gefährlich für die Demokratie, da natürlich somit Meinung gebildet wird und sich auch Meinungen in Filterblasen selbst verstärken. Man ist teilweise schon sehr überrascht darüber, was von intelligenten Menschen alles für bare Münze genommen wird.  

Bundestagsabgeordnete sollten aber nicht per WhatsApp an Symptomen doktern müssen, sondern Ursachen bekämpfen. Was ist zu tun, damit eigentlich intelligente Menschen nicht so oft irgendwelchen Videos im Netz blind glauben?

Dass auch viele intelligente Menschen solche Fakes glauben, ist ja einfach nur ein Ausdruck dafür, dass Politik Vertrauen verloren hat in den letzten Jahren. Es ist sehr schwer und harte Arbeit, dieses wieder zurück zu gewinnen. Wir müssen deshalb die Probleme lösen, die es im Bereich der Migration und Flüchtlinge gibt. Besser werden etwa bei Integration oder Abschiebungen. Und wir müssen uns den wirklichen Problemen der Menschen widmen. Vielfach ist das Thema "Flüchtlinge" ein Ventil für tieferliegende Ängste. Wie geht es weiter mit der Rente? Was erwartet uns mit der fortschreitenden Digitalisierung? Auf diese Fragen müssen wir bis zum Ende dieser Wahlperiode verlässliche und glaubwürdige Antworten liefern, zum Beispiel in der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission.

Man hat nicht das Gefühl, dass die Regierung und die Regierungsparteien wirklich eine Strategie haben, emotionalen Falschinformationen etwas entgegenzusetzen oder sie überhaupt frühzeitig zu entdecken. Oder wie sieht diese Strategie aus?

Wir tun uns tatsächlich etwas schwer, solche Fakes frühzeitig zu erkennen und diesem etwas entgegenzusetzen. Hier braucht es in Zukunft in allen Ministerien und Parteien ganze Abteilungen, die sich nur mit Früherkennung und Gegenstrategien beschäftigen. Hier haben wir alle noch Aufholbedarf. Es wird zentral sein, dass wir dann mit Inhalten und Klarstellungen auch in die Filterblasen eindringen können. Dies hat sich auch unser neuer Fraktionvorsitzender Ralph Brinkhaus auf die Fahne geschrieben. Beim Migrationspakt etwa hatten wir eine Webseite mit Fragen und Antworten und ein gutes Aufklärungsvideo zu den größten Missverständnissen aufgelegt.

Hat man überhaupt eine Chance, mit sachlichen Informationen durchzudringen?

Ich mache schon die Erfahrung, dass man durchdringen kann, wenn man Fakes klar aufarbeitet.

Es gibt aber auch Videos, über die man sich berechtigt empören kann. Was antworten Sie bei einem Video, das einen Flüchtling zeigt, der vor einem Discounter massenhaft per Gutschein erworbene Wasserflaschen leert, um das Pfand zu Geld zu machen?

Man muss natürlich aufpassen, dass man nicht jedes Video, das einem vielleicht nicht in den Kram passt, als Fake tituliert. Deshalb kommentiere ich natürlich solche Videos dann kritisch und sage, dass das so nicht in Ordnung ist. Natürlich kommen solche Fälle vor und mit dem Smartphone lassen sie sich heute direkt und schnell verbreiten. Genauso schnell und entschieden sollte man dann aber auch reagieren und eben klarmachen, dass aus dem Fehlverhalten Einzelner nicht zum Beispiel auf alle Flüchtlinge geschlossen werden kann. Und von den Behörden dürfen wir erwarten, dass solche Verhaltensweisen, ob online geteilt oder nicht, auch Konsequenzen für den Verantwortlichen haben.

Welche Schuld tragen die Politik und die herkömmlichen Medien daran, dass viele Menschen nicht mehr wissen, was Sie glauben sollen?

Wenn Politiker nicht mehr rausgehen und mit den Leuten reden – sei es ganz analog am Stammtisch oder auf Vereinsfesten oder eben vermehrt digital auf Facebook, Twitter und so fort – tragen sie durchaus Verantwortung für den Vertrauensverlust. Aber ganz klar gesagt: Für mich selbst und für ganz viele engagierte Kollegen würde ich das nicht so annehmen. Ganz klar tragen auch die Medien zu der Empörungsspirale bei. Das hat mit dem Druck durch sinkende Auflagen und Einschaltquoten zu tun und mit der allgemein immer niedrigeren Aufmerksamkeitsspanne. Die Überschriften werden sensationeller, die Texte und Kommentare kürzer und pointierter. Da ist eine sorgfältige Auseinandersetzung mit Themen und Fakten schon herausfordernd.

Was wäre Ihr Wunsch in Bezug auf den Umgang mit Informationen im Netz – nicht nur an kluge Mittsechziger gerichtet?

Das Internet ist eben nicht die "Tagesschau" und nicht jede Quelle ist so seriös wie das Portal t-online.de...

Danke, wir bemühen uns...

...da lohnt es sich, jede Quelle genau zu überprüfen. Wie heißt die Internetseite, wer betreibt sie? Wenn wir kostenlose und schnelle Information wollen, müssen wir die Arbeit von guten Journalisten im Zweifel selbst übernehmen: Haben andere Seiten die gleiche Information? Gibt es andere gute Argumente für oder gegen eine bestimmte Darstellung? In den Schulen müssen wir das noch stärker im Rahmen einer "Medienkompetenz" vermitteln. Und bei den Betreibern der großen sozialen Netze müssen wir noch stärker darauf hinwirken, dass Inhalte dort besser geprüft werden – sie verdienen ja durch die entsprechenden Werbeeinnahmen auch gut.

Dieser Text erschien zuerst auf t-online.de.

Das könnte dich auch interessieren:

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Annegret Kramp-Karrenbauer macht sich über Drittes Geschlecht lustig

Das Stockacher Narrengericht geht auf einer 700 Jahre alte Tradition zurück und ist der Höhepunkt der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Dort lädt ein Narrengericht von 20 Narrenrichtern eine beklagte Person aus der Bundes- oder Landespolitik ein. Diese muss sich dann dem spöttischen Gericht stellen und verteidigt sich auch auf eben jene Art und Weise.

Dieses Mal war CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer dran, die sich zunächst über das rein männliche Narrengericht lustig machte. Doch …

Artikel lesen
Link zum Artikel