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Interview

Ohne uns! So kannst du dich für antirassistischen Feminismus einsetzen

Feminismus und Rassismus – das geht doch gar nicht zusammen? Das sollte es nicht, aber immer mehr Rechte instrumentalisieren Feminismus für ihre Zwecke.

Spätestens seit der Silvesternacht 2015/16 in Köln berufen sich viele Rechtspopulisten und Rechtsextremisten auf Frauenrechte und Feminismus, um Fremdenfeindlichkeit zu legitimieren.

In rechten Kreisen wurde das Narrativ um die schützenswerte deutsche Frau dafür benutzt, um Migranten als Sexualstraftäter zu denunzieren. Rechte bauten ein Narrativ auf, von einem vermeintlich liberalen Europa und Deutschland, das durch die rückständigen Ansichten der Männer mit Migrationshintergrund gefährdet sei.

Dagegen setzte sich beispielsweise auch schon die Kampagne #ausnahmslos ein, die kurz nach den Angriffen der Silvesternacht ein Nein-heißt-Nein-Gesetz forderte und davor warnte, dass der Diskurs nun nach rechts rücke und härtere Asylpolitik legitimiere.

Seit kurzem läuft wieder eine Social-Media-Aktion, die sich dagegen wehren will, dass Feminismus von Rechten benutzt wird. Unter dem Hashtag #ohneuns fordert die Organisation DaMigra alle Internetnutzerinnen auf, sich in den Sozialen Medien gegen rassistische Vereinnahmung frauenrechtlicher Themen zu stellen.

DaMigra ist der Dachverband der Migrantinnenorganisationen mit 71 Mitgliedorganisationen mit Frauen aus der ganzen Welt. Die Projekte werden unter anderem vom Innenministerium und dem Familienministerium gefördert.

watson hat mit DaMigra über die Aktion gesprochen

watson: Worum geht es bei der Aktion #ohneuns?
Uns geht es vor allem darum, dass über Frauen und Frauenrechte in der Öffentlichkeit in folgendem Kontext gesprochen wird: Weiße, herkunftsdeutsche Frauen, die in Deutschland leben, werden von Männern, die nicht herkunftsdeutsch sind, angegriffen und sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Kaum kommen die Frauen selbst zu Wort. Die ganze Diskussion wird instrumentalisiert und missbraucht, um das Recht auf Asyl einzuschränken. Wenn wir uns das Echo anschauen, ist es ganz klar, dass Abschiebung als Konsequenz zu Gewalt an herkunftsdeutschen Frauen gefordert wird. Und wir haben ein Problem damit. Zum einen wird über Frauen mit Migrationsgeschichte nicht gesprochen. Und vor allem, das Wichtigste: Auf diese Weise wird Gewalt kulturalisiert. Und das macht die Gewalt, die von weißen herkunftsdeutschen Männern ausgeht, total unsichtbar. Als gäbe es in Deutschland kein Problem, was Gewalt gegen Frauen angeht! Dabei gab es hier noch bis Mitte der Neunzigerjahre kein Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe.

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Bild: Noa Snir / bildargumente (www.damigra.de )

Was bedeutet antirassistischer Feminismus für euch?
Wir können das so erklären: Auch die geschlechtsspezifischen Erfahrungen von unterschiedlichen Gruppen werden dort thematisiert. Es geht nicht nur um die Erfahrungen von herkunftsdeutschen Frauen, am liebsten aus dem Mittelstand. Das ist das, was man mit white feminism meint. Dass die Forderungen einer bestimmten Klasse, immer darauf zielen, die gleiche Position zu bekommen, wie die Männer aus derselben gesellschaftlichen Klasse. Aber es geht nicht nur darum. Die Strukturen, unter denen Frauen mit Migrationsgeschichte oder geflüchtete Frauen leiden, bleiben unberührt. Also wenn eine Frau mit Studienabschluss und gut bezahltem Job dieselbe Stellung bekommt, wie ein Mann innerhalb derselben gesellschaftlichen Gruppe: Was bringt das einer Frau, die zum Beispiel Putzfrau ist? Die Erfahrungen sind nicht nur von dem Geschlecht abhängig, sondern auch von der Herkunft und Klasse. Diese unterschiedlichen Betroffenheiten und Erfahrungen müssen wir mit einbeziehen.

Auch die frauenpolitische Sprecherin der Grünen twitterte schon zu #ohneuns:

Wie bezieht man alle mit ein, ohne dass man sie bevormundet?
Deshalb müssen sie sich selbst zum Ausdruck bringen. Ihre Wünsche und Forderungen artikulieren. Deswegen wollten wir keinen Text aufsetzen, der möglicherweise gar nicht ihnen entspricht. Wir geben Menschen eine Plattform, auch wenn sie klein ist, auf der sie selbst zu Wort kommen und ihre Probleme deutlich machen können.

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Jede hilft jeder Bild: giphy.com

Gab es jetzt einen konkreten Auslöser für das Projekt?
An sich ist das alles nichts neues, man kann solche Narrative bis in die Kolonialzeit nachweisen. Aber spätestens seit der Silvesternacht in Köln beanspruchen auch Rechte Feminismus für sich und ihre Zwecke. Das wird mit jedem Mal schlimmer, wenn eine Frau von einem Geflüchteten ermordet wird – und das ist furchtbar und die Menschen müssen bestraft werden, keine Frage.

Aber diese Morde werden für Meinungsmache instrumentalisiert. Das stört uns. Es geht nicht darum, wer der Täter ist. Frauenmorde passieren in Deutschland. Die gibt es und gab es und auch schon vor 2015.

Wir halten es für gefährlich, wenn man so tut, als seien Frauenmorde in Deutschland sonst kein Problem. Weil es immer um die Machtverhältnisse geht. Und diese Frauenmorde werden für rechte Meinungsmache instrumentalisiert.

Wie kann man genau bei der Aktion mitmachen?
Am Bbsten ein, zwei Sätze formulieren, worum es dir geht, dein Anliegen im Bezug darauf, dass Feminismus nicht für rassistische Meinungsmache instrumentalisiert wird. Wir überprüfen den Hashtag #ohneuns. Das, was darunter gepostet wird, posten wir dann auch in unseren Kanälen. Übrigens: Wir wünschen uns nicht nur TeilnehmerInnen mit Migrationsgeschichte, sondern, dass alle Menschen mitmachen.

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