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Bild: watson.de

Kopftuchverbot für Kinder? Das sagen 4 Berliner Muslimas dazu

Julia Dombrowsky, Yasmin Polat

Weiter geht's!

Nachdem in den vergangenen Tagen über ein Verbot der Vollveschleierung in Deutschland diskutiert wurde, erwägt die deutsche Politik nun ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren.

In Deutschland tritt mit dem 14. Geburtstag die Religionsmündigkeit ein.

Das NRW-Integrationsministerium hat angekündigt, ein Kopftuchverbot für junge Mädchen an Grundschulen und staatlichen Einrichtungen zu prüfen.

FDP-Chef Christian Lindner hat sich bereits dafür ausgesprochen:

Die NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) hatte erklärt, einem jungen Mädchen ein Kopftuch überzustülpen, sei "pure Perversion".

Was Serap Güler postete:

Es gehe ihr dabei nicht um Religionsfreiheit:

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) unterstützt Gülers Aussagen.

Armin Laschet und Serap Güler, NRW

Güler und Laschet Bild: dpa

Laschet sagte, Gülers Position sei besonders überzeugend, weil sie selbst Muslimin und ihre Mutter Kopftuchträgerin sei. 

So weit, so gut – aber was sagen andere Muslimas zu dem Thema?

Watson hat vier muslimische Frauen in Berlin gefragt.

Und das haben sie dazu gesagt

Spoiler: Alle vier vertraten die Ansicht, dass Mädchen unter 14 Jahren in der Regel kein Kopftuch tragen sollten. Für ein ausdrückliches Kopftuch-Verbot war jedoch nur eine Frau.

"Kinder müssen Wind im Nacken spüren"

Ich bin vor elf Jahren zum Islam konvertiert, das Kopftuch trage ich seit 7 Jahren. Keiner hat mich dazu gezwungen, für mich ging es um Zugehörigkeit. Es ist eine Art Symbol: "Hey, ich bin Muslima, das will ich auch zeigen." Mein eigenes Kind würde ich aber auf keinen Fall dazu zwingen, Kopftuch zu tragen. Würde meine Tochter mich fragen, warum ich meines trage, würde ich es ihr ehrlich erklären – aber es muss eine freie Entscheidung bleiben. Ich habe keine Freunde, die ihren Töchtern so jung ein Kopftuch anziehen. Wenn ich welche hätte, würde ich denen auch ehrlich sagen, dass ich das für falsch halte. Unter 14 Jahren braucht man doch keine Reize zu verstecken, wie blödsinnig. Da ist man ja noch lange keine Frau, sondern ein Kind. Und Kinder sollten frei toben dürfen, sich bewegen und den Wind im Nacken spüren. 

Jasmin (32)

"Menschen sollten selbst entscheiden, wenn sie volljährig sind"

Ich trage seit vier Jahren Kopftuch, weil mein Mann das damals so wollte. Seit zwei Jahren sind wir geschieden, ich trage es aber weiter, sonst würde schlecht über mich geredet werden. Von mir aus bräuchte ich das Kopftuch nicht und auch andere Frauen sollten frei darüber entscheiden dürfen. Deshalb finde ich es auch nicht gut, wenn Kinder Kopftuch tragen, selbst 14 Jahre ist noch zu jung. Menschen sollten das selbst entscheiden und zwar erst, wenn sie volljährig sind, also mindestens 18 Jahre alt.

Sara (27)

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Das "Tabarak" Kleidungsgeschäft in Neukölln Bild: watson.de

"Ein Verbot fände ich völlig falsch"

Ich trage seit 16 Jahren Kopftuch. Damals habe ich meine Ausbildung zur Modeassistentin beendet und es fühlte sich einfach richtig an. Meine Eltern hätten mich nie dazu gezwungen, freuten sich aber trotzdem, als ich das Kopftuch anlegte. Für mich ist das ein Zeichen des Islams, aber auch eine Möglichkeit, mich modisch auszudrücken. Seit zehn Jahren arbeite ich jetzt im "Tabarak", einem Geschäft für orientalische Frauenmode und die meisten Frauen, die hier rein kommen, um ihr erstes Kopftuch zu kaufen, sind um die 20 Jahre alt. Wenn Mütter schon ihre kleinen Mädchen deswegen mitbringen, kritisiere ich das offen. Meist kommt dann: "Sie will das aber gerne tragen." Aber ich sage dann: "Sie ist zu klein. Sie will vielleicht aussehen wie Mama, aber sie versteht doch noch gar nicht, was das bedeutet. Sie verstehen die Religion noch gar nicht." Traditionell tragen Mädchen erst dann Kopftuch, wenn sie ihre Periode bekommen. Dann werden sie zur Frau und entwickeln die weiblichen Reize, die verhüllt werden sollen. Ein Verbot zu verhängen, fände ich dennoch völlig falsch. Es geht doch um die freie Entscheidung der Menschen, damit hat der Staat nichts zu tun.

Mirvat (36)

"Frühestens mit 16 Jahren"

Ich bin zwar als Muslima geboren, der Islam bedeutet mir aber überhaupt nichts. Ich habe einen Deutschen geheiratet und nie Kopftuch getragen. Meine Tochter ist jetzt zwei Jahre alt. Wenn sie irgendwann nach Hause käme und unbedingt Kopftuch tragen wollen würde, würde ich ihr das ausreden. Es gibt Familien, die schon kleine Mädchen dazu zwingen, das ist falsch. Deshalb finde ich ein Verbot bei unter 14-Jährigen richtig. Die Mädchen sollen ganz selbstständig entscheiden, was sie tun – und das frühestens mit 16 oder 18 Jahren.

Sherin (29)

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    Alle Leser-Kommentare
  • maljian 11.04.2018 05:58
    Highlight Highlight "... ich trage es aber weiter, sonst würde schlecht über mich geredet werden."

    Diese Aussage finde ich traurig. Schon alleine, dass ihr Mann sie dazu gezwungen hat. Nur des Ansehens wegen aber weiterhin etwas zu machen was man gar nicht möchte, ist doch schlimm.

    Bei den Beispielen fällt auf, dass sie alle erst anfingen Kopftuch zu tragen als sie Ü20 waren. Das heisst, wenn ein Zwang vorhanden ist, wie bei dem einen Beispiel, dann kommt dieser nicht von den Eltern oder Geschwistern und das ist doch mal ein gutes Zeichen.
    3 0 Melden
  • Janus 10.04.2018 23:17
    Highlight Highlight Das Kopftuch sexualisiert die Mädchen? Und welche Kleidungsstücke ausser dem gleichen Mao-Anzug für alle sexualisieren nicht?
    0 1 Melden

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