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2 Wochen später: Warum gibt es nach den Brandanschlägen noch keine Festnahmen?

27.03.18, 09:44
Julia Dombrowsky
Julia Dombrowsky

Als Dincer Celik den verkohlten Eingang der Koca-Sina-Camii-Moschee zum ersten Mal sah, war da nur Schweigen und Kopfschütteln. Hier ging er vier Jahre mit seinen Kindern zum Beten, saß auf den Bänken, die jetzt nur noch Asche sind, seit am 11. März Molotowcocktails in die Fenster flogen.

Über 2 Wochen ist dieser Anschlag her, aber die Täter wurden immer noch nicht gefunden. Und zu Dincers Trauer mischt sich nun auch Ärger. "Die Polizei muss doch langsam wissen, wer das war", sagt der 49-Jährige zu watson.de.

Das sagt Dincer Celik

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Polizisten noch keinen Verdächtigen geschnappt haben – es gab doch sogar Augenzeugen! Mir macht es Angst und ich traue der Sache auch nicht. Ich habe mich in Deutschland immer sicher gefühlt, aber vielleicht war das vorschnell."

Dincer steht mit diesem Gefühl nicht alleine da. Im Laufe nur eines Wochenendes Anfang März ereigneten sich ganze 5 Anschläge auf Moscheen, türkische Vereinshäuser und Gemüsehändler. Jedesmal waren 2-3 Täter gesichtet worden, doch geschnappt wurde keiner.  Auch der Ditib-Verband zeigt sich enttäuscht, dass die Ermittler nicht weiter sind. 

Das sagt Ditib

"Ditib fordert von Staat und Sicherheitsbehörden den Schutz der Moscheen zu gewährleisten und die Hintergründe der Angriffe so schnell wie möglich aufzudecken." Auch die Politik solle sich mit dem Thema befassen "bevor noch was Schlimmeres passiert".

Das sagt die Polizei

Ditib würde sich wünschen, dass die Anschläge nicht als Einzelfälle in den jeweiligen Bundesländern (Baden-Württemberg, Berlin, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen) behandelt werden, sondern die Ermittler deutschlandweit zusammenarbeiten.

Immerhin wurden die Staatsanwälte in Ahlen und Itzehohe inzwischen eingeschaltet. Doch von Festnahmen hört man nichts, nicht einmal das Motiv scheint klar. Weiß die Polizei wirklich noch nicht mehr? Wir fragen nach.

Ahlen 12.3.

Brandsätze beschädigen einen türkischen Kulturverein und ein davor parkendes Auto in Nordrhein-Westfalen.

Knappe Antwort, nichts Neues. Nur soviel: "Da ein politisch motivierter Hintergrund der Tat nicht ausgeschlossen werden kann, hat der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Münster die Ermittlungen übernommen."

Berlin 11.3.

Die zwei Vorderräume einer Moschee brennen vollständig aus, nachdem Molotowcocktails hineingeworfen werden.

Zeugen sahen zwar drei Jugendliche direkt nach dem Anschlag vom Tatort davonlaufen, geschnappt wurden diese allerdings nicht. "Es gibt nichts Neues. Die Ermittlungen laufen noch", so die Polizei Berlin. Auch hier hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Itzehohe 11.3.

Zuerst werden die Fenster einer Moschee eingeschlagen, dann ein türkisch geführter Gemüseladen angezündet.

Die Staatsanwaltschaft hat den Fall von der Polizei Itzehohe übernommen. Neuigkeiten zu beiden Angriffen gibt es nicht. "Durch den engen zeitlichen und örtlichen Ablauf der Taten geht die Kripo von einem Zusammenhang aus. Für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt es im Moment allerdings wenig Ansätze."

Lauffen 9.3.

Mehrere Brandsätze landen in einer Moschee und gefährden dabei auch den Imam, der dort schläft.

Da in diesem Fall sogar ein Mensch gefährdet war, wird hier auch wegen versuchten Mordes ermittelt. Das zuständige Polizeipräsidium Hellbronn sagt zum aktuellen Stand: "Wir haben eine Ermittlungsgruppe gebildet, aber bislang gibt es keine Tatverdächtigen. Die Kollegen sind dran."

Meschede 11.3

Im Sauerland fliegen drei Molotowcocktails durch die Scheibe eines deutsch-türkischen Freundschaftsverein.

Hier waren drei Tatverdächtige noch in der Nacht festgenommen – sie wurden allerdings schon am 12.3. wieder frei gesetzt. Das Präsidium Dortmund erklärt: "Nach den bisher durchgeführten Ermittlungen besteht kein dringender Tatverdacht mehr gegen sie." Die Ermittlungen dauern an.

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1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bgast 27.03.2018 11:50
    Highlight Danke für die sehr gut lesbare traurige Auflistung.
    So Etwas wünsche ich mir für andere Sachverhalte (Straftaten) auch; selbst wenn daran Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt sind.
    3 1 Melden

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