Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Bild: pascal bruns/polynice

Farid Bang und Kollegah beim Echo – währenddessen kämpft dieser Mann gegen Antisemitismus

Die Echo-Verleihung steht an und auch in diesem Jahr gibt es eine Diskussion um mögliche Preisträger. 

In der Kritik stehen Deutschrapper Kollegah und Farid Bang, die für ihr Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" von 2017 nominiert sind.

Denn Farid Bang rappt in dem Song "0815":

"Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“

Das nominierte Album wurde in den ersten sieben Tagen nach Veröffentlichung Ende letzten Jahres fast dreißig Millionen Mal gestreamt.

Kollegah und Farid Bang sind in Deutschland Rapstars, unzählige Jugendliche hören ihre Musik.

Die beiden Rapper haben sich mittlerweile für die Zeile entschuldigt. Der Echo hielt an einer Nominierung fest, auch wenn sich das Gremium von dem Album distanzierte.

Und Kollegah bot auf Facebook an:

Antisemitismus sei kein importiertes Problem, sondern in der deutschen (Mehrheits-)Gesellschaft tief verankert, sagt Burak Yilmaz, 30, Sozialarbeiter in Duisburg. 

Yilmaz veranstaltet seit 2012 mit dem Verein "Jungs e.V." Fahrten mit Jugendlichen im Alter von 16-20 Jahren nach Auschwitz.

Das Angebot richtet sich an Jugendliche aus Duisburg, viele von ihnen kommen aus muslimisch geprägten Haushalten.

Bild

Yilmaz bei der Arbeit pascal bruns/polynice

Jetzt plant Yilmaz eine eigene Videoreihe, denn antisemitische Videos kursieren häufig im Netz und wenn man die Begriffe "Jude" oder "Israel" eingibt, kämen oft Videos mit Verschwörungstheorien, sagt der Pädagoge. 

Yilmaz will mit seinen Videos ein Gegenangebot schaffen, das junge Menschen motivieren soll, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine moderne Form der Erinnerungskultur sein könnte.

Auf GoFundMe sammelt der Duisburger derzeit Spenden, um das Video-Projekt zu finanzieren.

Watson hat Yilmaz 5 Fragen zu dem Thema gestellt.

Ist Antisemitismus unter Jugendlichen, die aus muslimisch geprägten Haushalten kommen ein weit verbreitetes Problem?


Es gibt kaum Studien zu dem Phänomen Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen, doch es gibt einige Familien, in denen Antisemitismus Teil der Erziehung ist. Das kann von einer Feindschaft gegenüber Israel kommen oder antisemitischen Narrativen, die sie religiös vermittelt bekommen. In Duisburg zum Beispiel gibt es einige Koranschulen, die Kindern Hass beibringen.

Also, mündliche Narrative aus dem Elternhaus, Freundeskreise, in denen sozialer Druck aufgebaut wird, wenn Jugendliche eine differenziertere Haltung haben sind große Faktoren. Und das Internet. 

Es gibt übrigens auch viele Muslime, die Antisemitismus einfach nur noch satt haben und sich dagegen engagieren. Leider werden genau diese Jugendlichen aber kaum gehört. 

Was sind die gängigen Sprüche und Vorurteile, die Ihnen vor der Arbeit mit den Jugendlichen begegnen?


Unter muslimischen Jugendlichen fällt häufig der Satz "Die Juden kontrollieren die Welt" oder "Die sind schuld an allem".

Mir ist aber auch schon Antisemitismus im Lehrerzimmer oder in der Universität begegnet, zum Beispiel wenn Lehrer oder Professoren dann sagen, die Juden hätten überall ihre Lobbies und würden damit politische Ereignisse lenken.

Das sind klassische antisemitische Verschwörungstheorien.

Wie erleben Sie die Jugendlichen dann bei den Besuchen in Auschwitz?


Viele von ihnen sind sehr entsetzt, auch häufig sprachlos und traurig.

Sie zeigen Empathie für die Opfer und können es sich schwer vorstellen, was für ein Terror im KZ stattgefunden hat. Da fließen auch Tränen. Andere wiederum fragen sich, ob so etwas wieder passieren kann und welche Verantwortung jeder Einzelne hat, damit Menschenrechte eingehalten werden.

Sie treffen dort auch auf israelische Jugendliche und es sind auch schon Freundschaften in Auschwitz entstanden. Das ist an diesem Ort etwas ganz Besonderes, gerade weil sie das allererste Mal im Leben Israelis treffen.

Danach ist alles sehr kompliziert. Wir fangen die inneren Konflikte der Jugendlichen, ihre Gedanken und ihre Gefühle in einem anschließenden Theaterstück auf, das sie nach jedem Besuch entwickeln. Das dauert bis zu 6 Monaten. Der eigentliche Denk- und Gefühlsprozess fängt  im Theaterstück an, hier vertiefen sie ihre Gedanken. Die Stücke führen wir dann in der jüdischen Gemeinde in Duisburg auf.

Wie viel Anteil daran haben Künstler wie Kollegah und die aktuelle Jugend- und Rapkultur? 


Kollegah und Farid Bang wissen, dass sie mit diesen Textzeilen ihre Verkaufszahlen ankurbeln können. Mit Antisemitismus lässt sich in Deutschland leider auch viel Geld verdienen, weil ein großer Teil unserer Gesellschaft damit einverstanden ist. 

Ich finde es geht nicht, dass Kollegah oder Farid Bang für den Echo nominiert sind. Denn es gibt einige Lieder, die meiner Meinung nach zumindest mit antisemitischen Narrativen spielen. 

Wir müssen gesamtgesellschaftlich eine klare Haltung zeigen und deutlich machen, dass Hass nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt werden kann. Wer Hass in seiner Kunst verbreitet, hat in der Musiklandschaft nichts zu suchen.

Wie kann man gegen gegen dieses Problem angehen, wie erreicht man Jugendliche Ihrer Erfahrung nach?


Am besten mit Begegnungen.

Menschen kennen lernen, eine Reise mit seinen Freunden nach Israel unternehmen oder in einem israelischen Restaurant essen, weil die israelische Küche ähnlich wie die arabische Küche phänomenal ist.

Wir müssen aber auch den Geschichtsunterricht verbessern. Denn in Schulbüchern werden die Geschichte der Gastarbeiter oder der Nahost-Konflikt ausgeklammert. Im Bezug auf Holocaust-Erziehung erreichen wir so nicht alle in der Klasse. 

Die Migrationsgeschichte der Jugendlichen muss im Schulbuch sichtbar sein. Das spricht sie an, da merken sie: Ich bin Teil dieser Geschichte! So entsteht Identifikation und das fehlt den meisten leider.

Umfrage

Sollten Kollegah und Farid Bang den Echo erhalten dürfen?

62

  • Ja35%
  • Nein61%

Weiterlesen:

Bevor wieder keiner weiß, was er verbieten will: Was Burka, Tschador und Co. unterscheidet

Link zum Artikel

5 Frauen, die in Deutschland muslimischen Feminismus prägen

Link zum Artikel

Perioden-Shaming im Ramadan – junge Muslimas haben keine Lust mehr drauf

Link zum Artikel

AfD-Politiker konvertiert zum Islam – weil ihm das Christentum zu liberal ist

Link zum Artikel

Iranische Frauen dürfen in ein iranisches Stadion – nach 37 Jahren

Link zum Artikel

Islam in Deutschland: Wen meinen Sie eigentlich genau, Herr Seehofer?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

McDonald's- und Burger-King-Mitarbeiter packen über dreisteste Kunden aus

Link zum Artikel

9 Hochzeitsplaner erzählen, welche "tollen Ideen" sie nicht mehr sehen können

Link zum Artikel

Ein Helene-Fischer-Song war für Florian Silbereisen gedacht – doch es kam ganz anders

Link zum Artikel

Autofahrer weichen aus: Gelbe Teststreifen plötzlich auf der A4 aufgetaucht

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Mit seinem Helene-Fischer-Auftritt hat sich der Engel verraten

Link zum Artikel

iPhone-Userin ruiniert besonderen Moment der Braut – so regt sich eine Fotografin auf

Link zum Artikel

Ein Bobby-Car im Parkverbot – so reagiert die Polizei

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Dieser Promi steckt im Kudu-Kostüm!

Link zum Artikel

Gleiches Produkt, dreifacher Preis? Jetzt reagiert Edeka auf die Vorwürfe

Link zum Artikel

"Masked Singer": Faisal Kawusi empört mit üblem Merkel-Witz – ProSieben reagiert patzig

Link zum Artikel

Whatsapp-Panne: Tochter schickt Eltern Urlaubs-Selfie – Wiedersehen dürfte peinlich werden

Link zum Artikel

Das denken Singles, wenn sie diese 5 Sprüche hören

Link zum Artikel

"Wo ist es nur geblieben?": Fans rätseln über angekündigtes Interview mit Helene Fischer

Link zum Artikel

Aldi startet neues Konzept in London – warum das in Deutschland nicht funktionieren würde

Link zum Artikel

Foodwatch kritisiert Edeka: Zwei Produkte, zwei Preise – trotz gleichen Inhalts

Link zum Artikel

Ein Fehler veranschaulicht, worum es Plasberg beim EU-Streit wirklich ging

Link zum Artikel

Weil sie ihr Auto wuschen: Wut-Brief an Sanitäter – Antwort wird gefeiert

Link zum Artikel

Neymar könnte mit Domino-Effekt für neuen Toptransfer beim FC Bayern sorgen

Link zum Artikel

Whatsapp: Mit diesem Trick kannst du noch Tage später unpassende Nachrichten löschen

Link zum Artikel

Umstrittenes Cover von Helene Fischer: "Vogue"-Chefin spricht über Bedenken

Link zum Artikel

"Stranger Things": Wenn diese Theorie stimmt, ist klar, was aus Hopper wurde

Link zum Artikel

Aldi wird sein Angebot radikal überarbeiten – das wird sich für dich jetzt ändern

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

AfD-Gäste und Pegida-Nähe: CDU-Spitzenpolitiker tritt an umstrittenem Ort auf

Die Veranstaltung heißt "70 Jahre DDR" und der Moderator möchte es noch einmal deutlich machen: "Das ist auch provokativ gemeint". Es ist der 27. Mai 2019 im "Buch- und Kulturhaus Loschwitz" nahe Dresden. Besagter Moderator ist Buchautor Uwe Tellkamp, und er stellt an diesem Tag den ersten Gast einer Veranstaltungsreihe vor, zu der auch "Achse des Guten"-Autorin Vera Lengsfeld und Ex-"Spiegel"-Autor Matthias Matussek kommen werden. Letzterer hat auch schon mit rechtsextremen "Identitären" …

Artikel lesen
Link zum Artikel