Franco A. ist in Frankfurt am Main verurteilt worden, weil er "eine schwere staatsgefährdende Gewalttat" vorbereitet haben soll.
Franco A. ist in Frankfurt am Main verurteilt worden, weil er "eine schwere staatsgefährdende Gewalttat" vorbereitet haben soll. Bild: dpa / Boris Roessler

Wegen Anschlagsplanung: Bundeswehroffizier Franco A. zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt

15.07.2022, 11:56

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat den ehemaligen Bundeswehrsoldaten Franco A. zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe wegen der Planung eines Anschlags, Waffendelikten und Betrugs verurteilt. "Der Angeklagte ist schuldig der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat", sagte der Vorsitzende Richter des Staatsschutzsenats, Christoph Koller, am Freitag bei der Urteilsverkündung. A. hatte sich zwischendurch als syrischer Flüchtling ausgegeben, er wurde 2017 in Wien festgenommen.

Die Vertreterin der Bundesanwaltschaft hatte im Juni eine Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten gefordert. Franco A. sei "ein rechtsradikaler Terrorist", der Anschläge auf das Leben hochrangiger Politiker oder Personen des öffentlichen Lebens geplant habe, sagte die Anklagevertreterin. Die Verteidiger forderten hingegen in der vergangenen Woche Freispruch für den wesentlichen Anklagepunkt – der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat – und Geld- oder Bewährungsstrafen für die übrigen Anklagepunkte.

Franco A. soll unter anderem einen Anschlag auf die damalige Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth, geplant haben.
Franco A. soll unter anderem einen Anschlag auf die damalige Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth, geplant haben. Bild: dpa / Britta Pedersen

A. wollte angeblich Flüchtlinge für Straftaten verantwortlich machen

Franco A. war im Februar 2017 auf dem Wiener Flughafen festgenommen worden, als er eine geladene Pistole aus einem Versteck in einer Flughafentoilette holen wollte. Woher die Waffe stammt und was er damit plante, ist noch immer unklar. Nach seiner Festnahme stellte sich zudem heraus, dass er die Identität eines syrischen Flüchtlings angenommen hatte – trotz fehlender Arabischkenntnisse. Mit der falschen Identität wollte er nach eigenen Angaben Missstände im Asylverfahren aufdecken. Die Bundesanwaltschaft war in ihrer Anklageschrift hingegen davon ausgegangen, dass er nach Straftaten den Verdacht auf syrische Geflüchtete lenken wollte.

Wohl Anschläge auf Heiko Maas und Claudia Roth geplant

Franco A. bestreitet die Vorwürfe, räumte aber ein, mehrere Waffen und Munition gehortet zu haben für den Fall eines Zusammenbruchs der öffentlichen Ordnung in Deutschland. Er befindet sich seit Februar erneut in Untersuchungshaft, nachdem er zu Beginn des Verfahrens auf freiem Fuß gewesen war.

Der Beschuldigte soll laut Anklage unter anderem einen Anschlag auf die Gründerin der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, geplant haben. Er hatte auch die Geschäftsstelle und die Tiefgarage der Stiftung aufgesucht. Als mögliche Anschlagsziele waren in der Anklage auch der damalige Justizminister Heiko Maas (SPD) und die Vizepräsidentin des Bundestages, Claudia Roth (Grüne), genannt.

(nik/afp/dpa)

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