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Schauspieler Hannes Jaenicke setzt sich für die Umwelt ein. bild: screeenshot ard

Für Hannes Jaenicke ist Corona "ein Klacks" – im Vergleich zur Klima-Krise

von Dirk krampitz

Corona hat die Klimaschutzdebatte und die die Fridays for Future-Demonstrationen seit März in den Hintergrund gerückt. Und obwohl die zweite Corona-Welle gerade wieder die Nachrichten beherrscht, begeht die ARD ihre Themenwoche "#WieLeben" und Frank Plasberg fragt in seiner Sendung "Auf dünnem Eis ­– wie viel Zeit lässt uns der Klimawandel noch?" Es diskutieren:

Er ist einer der bestbeschäftigten Schauspieler Deutschlands. Er lebt am Ammersee und in Los Angeles. Und nach diversen TV- und Kinofilmen hat Hannes Jaenicke 2009 seine Leidenschaft für die Umwelt auch ins Fernsehen getragen. Eine ZDF-Dokumentation über die Zerstörung des Lebensraums von Orang-Utans und einige von ihnen, die kahlrasiert in Affenbordellen auf menschliche Freier warten, brachte ihm und dem Thema Umweltschutz Aufmerksamkeit. Seitdem folgten viele weitere Dokus u.a. über Eisbären, Gorillas oder Singvögel. Der Schauspieler ist weltweit im Dienste des Naturschutzes unterwegs.

Regelmäßig bekommt er den Vorwurf, dass er ja in der Welt herumjette und somit ebenfalls der Umwelt schade. In alten Interviews hat er sich dagegen immer wieder verwehrt. Der Vorwurf sei "peinlich". Er fliege nur beruflich. Und der Flugverkehr sei nur für drei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes zuständig. Außerdem lebt er vegan und spart durch den Verzicht auf tierische Produkte viel CO2 ein.

Nun ist er bei Plasberg zu Gast. Und er findet, die Klimakrise ist eines unser größten Probleme. "Corona ist ein Klacks dagegen", sagt er und klagt die Politik generell an. "Da wird wahnsinnig viel geredet, aber ich sehe die Taten nicht", sagt er auch in Richtung von CDU-Bundestagsfraktionschef Ralph Brinkhaus.

"Wir haben keine Agrarwende, wir haben keine Verkehrswende, wir verballern fossile Brennstoffe, wir haben keine Plastiksteuer, wir haben keine echte CO2-Bepreisung, ich bin völlig sprachlos über die Untätigkeit der Politik."

Hannes Jaenicke

Seit mindestens 15 Jahren wisse man genau, was zu tun sei. "Und wir tun ziemlich genau das Gegenteil."

Umwelt-Vorbild USA

Dass das Richtige tun ganz schön schwer und komplex sein kann, zeigt sich allerdings wenig später auch bei Jaenicke: Nämlich als ihn Moderator Plasberg fragt, warum er denn gegen Windräder protestiert habe, wo er für Umweltschutz sei. Jaenickes Erklärung: Sie sollten im Reinhardswald im Weserbergland errichtet werden. Aber dafür hätte der Wald abgeholzt werden müssen und da war er eben dagegen. Da sieht er in seiner zweiten Heimat, den für ihr nachhaltiges Haushalten nicht gerade bekannten USA, ein Vorbild: "Auf jedes schwachsinnige Flachdach eine Photovoltaikanlage!"

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Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus will Wohlstand durch Nachhaltigkeit. bild: screeenshot ard

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus hat sich vermutlich als einziger Politiker in die Runde von Umwelt-Aktivisten getraut. Er ist als Gegenpol geladen. Aber welcher Mensch, der nur halbwegs bei Trost ist, würde gegen Umweltschutz wettern? Auch Brinkhaus tut es natürlich nicht. "Mit der Natur kann man nicht verhandeln", stellt er gleich zu Anfang klar und lobt dann Deutschlands Verdienste.

Hierzulande habe man "mehr Reduktionslast als andere im europäischen Vergleich getragen" und so die Umwelt entlastet. "Viele Menschen wollen ja auch wirklich was Gutes tun, wir müssen sie nur mitnehmen. Wir müssen beweisen, dass Wohlstand auch nachhaltig möglich ist." Konkreter wird er leider nicht. Und es klingt dann doch so, als habe das auf seiner persönlichen Prioritätenliste keinen Top-Platz.

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Meeresbiologin Antje Boetius merkte, wie warm die Arktis ist. bild: screeenshot ard

Die Meeresbiologin Antje Boetius in der Arktis und musste feststellen, dass es dort bereits 10 Grad wärmer war als vor 150 Jahren als der norwegische Zoologe, Polarforscher und Nobelpreisträger Fridtjof Nansen dort war. Darum sieht sie Eile geboten. "Man kann die Ziele nicht nach hinten verschieben." Die Einschnitte müssten groß sein, denn selbst das durch Corona weitgehend beruhigte Jahr 2020 würde am Ende nach Berechnungen nur 6 Prozent weniger CO2-Ausstoß haben als 2019, sagt sie und alle nicken.

Boetius benennt das Problem des Talk-Show-Abends klar: "Normal sind doch hier Gegner, diesmal sind alle dergleichen Meinung." Und sie hat recht – das ist das Problem einer Diskussion, die nicht wirklich in Gang kommen will.

Nichts gegen Heizpilze

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Klimaaktivistin Carla Reemtsma sucht "die großen Hebel". bild: screenshot ard

Nicht einmal die Klimaaktivistin Carla Reemtsma, nach eigenen Aussagen nur "Verwandte x-ten Grades" der wohlhabenden Tabak-Dynastie, ist radikal. Sie hat einen Führerschein, ist aber seit vier Jahren nicht mehr gefahren, weil sie kein Auto braucht. Die Bewegung Fridays for Future würde auch gar nicht so sehr für Konsumverzicht plädieren "weil das nicht die großen Hebel sind". Viel CO2 erzeugt die Bauwirtschaft. Und weil der Raumbedarf der Menschen über die Jahrzehnte immer mehr gewachsen ist, wächst er immer weiter.

Würden nun also wieder mehr Menschen pro Wohnungs-Quadratmeter wohnen, wäre das purer Umweltschutz, will Plasberg die Studentin, die in einer WG lebt, zu einer provokanten Aussage locken. Gelingt ihm aber nicht. Die Politik müsse "institutionelle Rahmenbedingungen schaffen". Und Dirk Spenner, der mit seinem Familienunternehmens den Beton-Grundstoff Zement herstellt, stellt klar:

"Weltweit die Hälfte des Betons wurde im letzten Jahrzehnt in China verbaut. Das ist ein globales Thema – es wäre zu kurz gegriffen, wenn wir in Deutschland sagen, wir können es alleine retten, das Klima."

Dirk Spenner

Ungeachtet dessen schlägt Reemtsma vor, die deutsche Steuerbefreiung von Kerosin und die Subventionierung von Diesel aufzugeben und auch da Dienstwagenprivileg abschaffen. "Das sind Sachen, die könnte man von heute auf morgen ansetzen." Nicht einmal etwas gegen Heizpilze im Corona-Winter hat sie etwas einzuwenden. Mit einer ganz einfachen Rechnung setzt sie die Wärmesäulen ins Verhältnis zu den wirklichen Klima-Sündern: "Man kann 4000 Heizpilze mehrere Monate laufen lassen – das ist wie eine Stunde Kohlekraftwerk – damit ist alles gesagt." Das stimmt dann wohl an diesem Abend, dem ein bisschen mehr kontroverse Diskussion sehr gutgetan hätte.

Luisa Neubauer liest Peter Altmaier die Leviten

Diesmal geht es bei Sandra Maischberger nicht um die Themen der Woche, sondern ausschließlich um die Klimakrise. Zuvor ist der Spielfilm "Ökozid" gelaufen. In dem fiktiven Gerichtsfilm verklagen die Länder des Globalen Südens die Bundesrepublik auf Schadenersatz, weil sie nicht genug gegen die Klimaveränderung getan hat. "Die Klimakrise – Deutschland auf der Anklagebank" lautet darum auch das Thema bei Maischberger. Es diskutieren:

Edgar Selge spielt in dem Film den Richter, der am Ende die …

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