Deutschland
September 20, 2019, Munich, Bavaria, Germany: Members of the Extinction Rebellion activist group held performing art demonstrations during the Global Climate Strike in Munich, Germany. Joining hundreds of other cities worldwide, over 40,000 assembled at Koenigsplatz in Munich, Germany to demand climate justice before it s too late. Started by Greta Thunberg, the Fridays for Future movement has become a global phenomenon, with youths and young adults demonstrating weekly to put pressure on politicians to institute measures to save the planet before the damage is irreversible. Scientists believe eleven years to be the number before there s no turning back. Munich Germany PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAb160 20190920zbpb160042 Copyright: xSachellexBabbarx

Bild: imago images/ZUMA Press/Sachelle Babbar

Klimaaktivisten wollen weltweit Städte lahmlegen: Wer ist Extinction Rebellion?

Extinction Rebellion – kurz XR – bedeutet Aufstand gegen das Aussterben. Ihr Logo ist eine Sanduhr, ihre Botschaft: Uns rennt die Zeit davon. "Dürre, Brände, Stürme, Überschwemmungen, Krieg, Massenmigration. Es ist Zeit zu handeln", alamieren die Aktivisten in ihrem Aufruf. Extinction Rebellion kämpft für ähnliche Ziele wie Fridays for Future – allerdings mit härteren Mitteln.

Ab Montag wollen sie weltweit Städte lahmlegen

Am Montag soll eine "Rebellionswelle" starten. XR wollen dann weltweit Metropolen lahmlegen, in nahezu 60 Städten. Ihr Ziel: "Mit zivilem Ungehorsam gegen die ökologische Katastrophe." So steht es auf der Website der Rebellen. Gleichzeitig rufen sie zu strikter Gewaltfreiheit auf. Mit drastischen Bildern, Aktionen und Worten will die Bewegung Bürgern, Staatenlenkern und Wirtschaftsbossen klar machen, was auf dem Spiel steht – über kurz oder lang.

Die Öko-Bewegung kündigte beispielsweise Straßenblockaden in Berlin an. Der Fokus der Aktivisten liegt "auf der Schließung symbolischer und politischer Orte im Zentrum Berlins", kündigt die Bewegung an. Montagmittag soll dann die pinkfarbene "Arche Rebella", die an das Artensterben erinnern soll, im Regierungsviertel anlegen. Auf welche Art die Aktivisten den Verkehr behindern wollen, verrieten sie nicht.

"Wir empfehlen Autofahrern, das Auto stehen zu lassen", sagte eine der Organisatorinnen. Aktionen, die den U- und S-Bahnverkehr behindern, seien nicht geplant. Ob auch die Berliner Flughäfen Ziel von Protesten sind, sagten die Aktivisten nicht. Die Gruppe organisiert sich über Whatsapp- und Telegramgruppen, dort soll dann kurzfristig darüber informiert werden, welche Knotenpunkte in Berlin ab nächster Woche lahmgelegt werden sollen.

XR ruft dazu auf, Berlin zu blockieren:

Zwei X-Rebellinnen erzählen

Särge, blutrote Farbe, Kostüme und das Totstellen in der Öffentlichkeit gehören dazu, ebenso die Blockade von Verkehrsknoten. Damit haben auch Kristin Mudra und Annemarie Botzki schon Erfahrungen gesammelt – zwei Berlinerinnen, die aus dem Ruhrpott stammen und mit XR fürs Klima kämpfen. "Wir versuchen, den Leuten klar zu machen, dass wir das auch für ihre Kinder machen", sagt Mudra. "Was den Leuten ziemlich egal ist, wenn sie gerade zum Flughafen wollen."

Warum machen die beiden Frauen das? Die Antwort ist so knapp wie ernst: Sie haben Angst. Die Hitze und Dürre im Sommer 2018, aber auch die Verhandlungen 2015 über das Pariser Klimaabkommen beschreiben sie als einschneidende Erlebnisse.

So wurden sie zu "Rebellinnen". Die schwangere Mudra streicht sich über den runden Bauch, sie hat schon eine Tochter. "Für mich ist das im Moment die beste Option, Verantwortung zu übernehmen für meine Kinder", sagt sie.

Zu den Prinzipien gehört Gewaltfreiheit. "Wir setzen keine Gewalt gegen Lebewesen, Menschen oder Dinge ein, weil wir uns eben eine gewaltfreie Zukunft vorstellen", betont Mudra.

"Wir würden auch keine SUVs anzünden."

Aber zu Sitzblockaden und Störaktionen sind die "Rebellen" bereit, auch wenn sie damit gegen Gesetze verstoßen. "Alles andere hat nicht funktioniert, alles andere reicht nicht", sagt Mudra. "Ich habe Tausende Petitionen unterschrieben."

So ist Extinction Rebellion entstanden

Entstanden ist Extinction Rebellion in Großbritannien, Roger Hallam ist Mitgründer und das bekannteste Gesicht der Bewegung. Der frühere Biobauer vergleicht die Methoden mit denen des indischen Widerstandskämpfers Gandhi: mit zivilem Ungehorsam, aber ohne Gewalt die Eliten herausfordern. Es sei eine historische Tatsache, dass dabei Leute ums Leben kommen können, sagte er der BBC. Auch Martin Luther King oder Nelson Mandela sind Vorbilder der "Rebellen".

Aber was genau wollen sie?

  1. Die Wahrheit: Die Regierung soll die existenzielle Bedrohung der ökologischen Krise offenlegen und den Klimanotstand ausrufen.
  2. Klimaneutralität bis 2025: Außerdem soll das Artensterben gestoppt werden und "der ökologische Raubbau mit allen Mitteln eingedämmt und – wenn möglich – wieder rückgängig gemacht werden".
  3. Bürgerversammlungen aus zufällig ausgewählten Männern und Frauen: Diese Form direkter Demokratie soll neben den Parlamenten helfen, den Kampf gegen die Erderhitzung voranzubringen – weil diese Zufallsbürger nicht nur bis zur nächsten Wahl denken, sondern das Ganze im Blick haben sollen.

Wie groß ist die Bewegung?

Wie groß Extinction Rebellion ist, ist schwer zu sagen. Die Bewegung ist dezentral über Gruppen und Arbeitskreise organisiert und in mehr als 40 Ländern aktiv, es gibt keine Chefs. Kommuniziert wird vor allem über Chats und soziale Netzwerke. In Deutschland gibt es zurzeit mehr als 50 aktive Ortsgruppen, in Berlin hätten rund 17.000 Menschen den Newsletter abonniert, sagt Botzki.

Prominente Unterstützer:

Bei Extinction Rebellion sind ausdrücklich alle willkommen, die die drei Kernforderungen teilen, unabhängig von Parteien, Alter und Lebensumständen – Rassismus und Sexismus seien aber tabu.

Lösungen? Fehlanzeige!

Lösungen für die Klimakrise bieten die Aktivisten keine. Auf ihrer Homepage heißt es: "XR hat die strategische Entscheidung getroffen, keine konkreten Vorschläge zu unterbreiten, wie die Klima- und Umweltkrise zu lösen ist." Der Schwerpunkt liege hingegen auf der Schaffung von Entscheidungssystemen wie einer Bürgerversammlung. "Dort können Bürger:innen voneinander lernen und gemeinsam Entscheidungen treffen, die nötig sind, um die Krisen abzuwenden und ein menschlicheres, ökologischeres System zu schaffen."

(ts/ Sven Braun und Teresa Dapp, dpa)

Dit is Ostberlin jewesen, wa?

Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

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