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Amelie und Ole würden gerne am Sonntag wählen, dürfen aber noch nicht. Für erwachsene Nichtwähler haben beide kein Verständnis. Bild: felix huesmann/watson

Geht am Sonntag wählen, weil wir nicht dürfen – fordern junge Klima-Demonstranten

Sie sind jung, sie sind viele und sie haben eine verdammt laute Stimme. Am Freitagmittag stehen Tausende vor dem Brandenburger Tor in Berlin und fordern die Politik zum Handeln gegen den Klimawandel auf. Nicht nur hier, nicht nur in Deutschland wird an diesem Freitag demonstriert, sondern in mehr als 1600 Städten auf der ganzen Welt. Allein in Deutschland gehen laut Veranstalterangaben insgesamt mehr als 300.000 Menschen auf die Straße. Dabei steht der Klimastreik auch im Zeichen der Europawahl am Sonntag. Das Motto: #voteclimate.

Auf einem Transparent, das die Demonstranten vor sich her tragen, als sie vom Brandenburger Tor aus durch das Regierungsviertel laufen, wird die Wahl zur Klimawahl erklärt. Mehrere Redner rufen dazu auf, am Sonntag wählen zu gehen. Wahlaufrufe und EU-Fahnen prägen das Bild der Klimastreik-Demo.

Dabei dürfen viele der Demonstranten noch gar nicht wählen. So laut ihre Stimme auf der Straße auch ist, an der Wahlurne bleiben sie außen vor. Die 16-jährige Amelie ist eine von ihnen. "Ich würde am Sonntag gerne wählen gehen", erklärt sie. Ginge es nach ihr, dann gäbe es ein Wahlrecht ab Geburt. "Ich finde es total wichtig, dass alle Leute wählen dürfen. Ich denke, die Demokratie würde dadurch noch viel demokratischer werden."

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Amelie, 16 Bild: felix huesmann/watson

Erwachsenen, die nicht zur Wahl gehen, sagt sie:

"Das finde ich scheiße. Wenn man eine Stimme hat, dann sollte man sie auch nutzen. Es gibt so viele Leute, die so gerne wählen würden und es nicht können, und dann nutzen andere Leute ihr Recht nicht, obwohl sie es haben."

Besonders wichtig ist Amelie bei der Europawahl das Klima, "weil das so ein großes Problem ist, und wir unsere Erde gerade kaputt machen", sagt sie. Es müsse jetzt gehandelt werden, bevor es zu spät ist. Und sie ergänzt: "Es ist auch wichtig, dass ein klares Zeichen gegen rechts und gegen die ganzen nationalistischen Bewegungen gesetzt wird."

Auch Ole würde gerne wählen gehen. Er ist ebenfalls erst 16.

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Bild: felix huesmann/watson

Ole sagt:

"Ich finde es blöd, dass ich nicht wählen darf, vor allem, weil das Wahlalter in anderen europäischen Ländern bei 16 ist. Das finde ich nicht richtig. Wir wollen eine EU sein, aber da gibt es dann Unterschiede."

Es sei schade für seine Generation, dass sie erst so spät mitbestimmen darf, findet Ole. Auch für ihn steht das Klima an erster Stelle. "Darum stehe ich hier", erklärt er. "Ich finde es toll, dass sich so viele Leute den Protesten angeschlossen haben – auch viele Leute, die wählen dürfen. Dadurch bekommen wir gewissermaßen auch eine Stimme."

Wählen empfindet Ole als recht, das man wahrnehmen sollte:

"Wir leben in einer Welt, in der es Leute gibt, die für ihre Meinung getötet werden. Für mich ist es unverständlich, dass Leute ihr Recht, zu wählen, nicht wahrnehmen."

Die Berliner Demo in Bildern:

Jeder kann sich entscheiden, aber nicht jeder darf wählen

Im Vorfeld des internationalen Klimastreik-Aktionstags am Freitag hatten die "Fridays for Future"-Aktivisten mit Videospots zur Wahl aufgerufen. Darin sind Kinder zu sehen, die sich entscheiden, etwas für das Klima zu tun: Essensreste wegfuttern, statt sie wegzuschmeißen etwa, oder Fahrrad und Zug nehmen, statt zu fliegen.

Die Message der Spots:

"Everyone has a choice, but not everyone has a vote. Make the European election about climate change."

Auf deutsch etwa: Jeder kann sich entscheiden, aber nicht jeder darf wählen. Mach die EU-Wahl zur Wahl über den Klimawandel.

Hier einer der Videospots:

abspielen

Video: YouTube/Fridays For Future DE

Auch Tracy und Simon kämpfen für ein Wahlrecht für Jugendliche. Lest hier mehr:

(fh)

#FridaysForFuture: Schüler erklären, warum sie demonstrieren

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