Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Hetze Chemnitz Kretschmer

Bild: imago montage

Kommentar

Chemnitz – die Diskussion um "Hetzjagd oder nicht" verhöhnt die Opfer

Daniel Schreckenberg

Migranten werden verfolgt, Journalisten angegriffen. Über die Bezeichnung der Übergriffe in Chemnitz vor einer Woche ist ein heftiger Streit entbrannt. Der macht fassungslos.   

Gab es in Chemnitz eine Hetzjagd vom rechten Mob? Über diese Frage wird heftig gestritten, nachdem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im Landtag verkündete: Hetze? Mob? Gab’s in Chemnitz nicht.  Auch der Chef des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen ist dieser Auffassung:  Kanzlerin Merkel sieht es anders, ihr Innenminister Seehofer nicht, die SPD schon, die Opposition auch, die AfD nicht. Reine Ansichtssache also? Vielleicht. Doch Deutschland diskutiert nun nur noch über einen Begriff. Die eigentlichen Ereignisse treten in den Hintergrund – und machen fassungslos.

Die Hetzjagd als Straftatbestand kennt der Jurist nicht. Kein Gericht wird also je darüber entscheiden können, ob es in Chemnitz tatsächlich solche Angriffe gegeben hat. Ein Jäger oder ein Biologe könnte es schon: 

"Als Hetzjagd wird eine Jagdart von Beutegreifern und Menschen bezeichnet. Die Beute wird so lange verfolgt, bis sie nicht mehr entweichen kann. Oder die Beute ist eingeholt und wird gefangen oder zu Boden gebracht und überwältigt."

Vergleichen wir das einmal mit Chemnitz. Was ist dort in den vergangenen gut zwei Wochen geschehen?

Nach dem gewaltsamen Tod des Deutsch-Kubaners Daniel H., bei dem zwei Flüchtlinge die mutmaßlichen Täter gewesen sein sollen, wandelte sich die Trauer in der sächsischen Stadt schnell in Zorn. Auf den Straßen: Wut. Gegen die Politiker. Gegen Flüchtlinge. Und gegen die Medien.

Bereits am Sonntagabend vor zwei Wochen macht ein Video die Runde, auf dem ein Asylsuchende von Menschen angepöbelt und verfolgt wird. Der Mann rennt weg, wütende Menschen hinter ihm her. Der Mann kann fliehen.  Die Kollegen von Ze.tt haben den Flüchtling ausfindig gemacht. Im Interview berichtet der Asylbewerber, dass Männer ihn zuvor angeschrien hätten, ihn verfolgten und ein Mann ihm ins Gesicht geschlagen habe. Was dann folgt, sei im Video zu sehen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Video eine Fälschung ist. Und die Bilder sprechen für sich.

Das muss man nicht Hetzjagd nennen. Aber wie nennt man es dann?   

Von nun an wird im Netz und in den Medien von Hetzjagden eines rechten Mobs gesprochen. Und es gibt weitere Videos, die zeigen wie aufgeheizt die Lage ist.

Montag, Ende August, Großdemo der Rechten:  Hunderte Neonazis marschieren zusammen mit der rechtspopulistischen Gruppe "Pro Chemnitz" durch die Straßen.   Mehrfach wird der Hitlergruß gezeigt. Die Staatsanwaltschaft in Sachsen ermittelt. Reporter sind vor Ort. Und werden zur Zielscheibe. Unser Reporter Felix Huesmann beobachtet, wie immer wieder Gruppen von Männern durch die Straßen rennen. Sie verfolgen Journalisten. Drohen ihnen.

Vor einem Wohnhaus fordern sie einem Mann auf, auf die Straße zu kommen. Er hatte zuvor seine Meinung gegen den Protest kundgetan. Nachts geht der Reporter nicht mehr auf die Straße, bleibt im Hotel. Immer noch ziehen Männergruppen durch die Straße. Was sie wollen? Wohl nichts Gutes, wie schon den ganzen Tag.

Rechtsextreme in Chemnitz bedrohen Journalisten

abspielen

Video: watson/Felix Huesmann, Lia Haubner, Marius Notter

Das muss man nicht Hetzjagd nennen. Aber wie nennt man es dann?

Samstag: wieder Demo, diesmal sind 2500 polizeibekannte Neonazis auf der Straße.  Die Stimmung: bestenfalls aufgebracht. Schlechtenfalls: blanker Hass.  Die Wut richtet sich wieder auf die Medienvertreter.  Reporter werden angegangen, verfolgt, die Polizei muss sie schützen. Auch t-online-Reporter Jan-Hendrik Wiebe wird von Demoteilnehmern angegriffen, stürzt zu Boden.

Das muss man alles nicht Hetzjagd nennen. Aber wie nennt man es dann?   

Deutschland diskutiert nun also über einen Begriff – und rechte Stimmungsmacher nutzen das aus. Sie sprechen von "Fake News" der Medien und der Politik. Der Hass, der in Chemnitz überall zu spüren war, wird weggeredet. Die Opfer der Gewalt, die verfolgten Asylbewerber, die bedrohten Anwohner, die geschlagenen Journalisten: All sie werden damit verhöhnt.

Und die Diskussion verhöhnt auch den Tod von Daniel H., nachdem Rechte bereits seine Ermordung für ihre Kundgebung missbraucht haben und dort, neben ein bisschen Trauer, vor allem hemmungslosen Hass und Gewalt zur Schau gestellt haben. Dass das nun nicht einmal mehr in richtige Worte gefasst werden soll, macht fassungslos.

Egal, wie man die Szenen am Sonntag, am Montag und am Samstag nennt: Das was in Chemnitz passierte, war abscheulich. Und damit sind die Vorfälle auch ziemlich gut benannt. 

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de

Alles zu den Krawallen in Chemnitz:

"Wenn es nötig ist, komme ich nächste Woche wieder" – die Gesichter von #wirsindmehr 

Link zum Artikel

Sie waren mehr – doch was passiert jetzt in Chemnitz?

Link zum Artikel

Foto bringt "Feine Sahne"-Sänger kurz in Hitlergruß-Verdacht

Link zum Artikel

Der Bundespräsident kuschelt nicht mit Linksextremen, er stellt sich gegen Nazis!

Link zum Artikel

Korrektur zu Berichterstattung um Chemnitz: Hitlergruß-Bild mit RAF-Tattoo ist kein Fake

Link zum Artikel

In Chemnitz ist erneut die Gewalt eskaliert – 3 Szenen aus den Demos

Link zum Artikel

Rechte attackieren Reporter – die Ereignisse von Chemnitz im watson-Ticker 

Link zum Artikel

25 Straftaten und 9 Verletzte: Die Fakten aus Chemnitz im Überblick

Link zum Artikel

Das sind die 5 Fragen, die nach den Chemnitz-Krawallen jetzt wichtig werden

Link zum Artikel

Polizei ermittelt gegen Rechtspopulisten – er habe den Haftbefehl von Chemnitz gepostet

Link zum Artikel

"Für uns nicht fassbar" – Chemnitzer FC reagiert auf Krawalle in der Stadt

Link zum Artikel

Ein Chemnitzer erzählt, wie Hetze per Whatsapp verbreitet wird

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Helene Fischer mit Ex Florian Silbereisen auf Jacht gesichtet – seine ehrlichen Worte

Link zum Artikel

Dieter Bohlen über Helene Fischers Mega-Flop: "Das Problem erklär ich dir!"

Link zum Artikel

Hartz-IV-Empfängerin erhebt Vorwürfe gegen Jobcenter – jemand schreitet ein

Link zum Artikel

Jacht-Milliardär ersteigerte wohl Auftritt von Helene Fischer – so viel kostete es

Link zum Artikel

Heidi Klum postet haariges Bett-Video mit Tom – ihre Fans sind, äh, verstört

Link zum Artikel

Wir haben mit Hartz-IV-Empfängern kein Mitleid – das muss sich ändern

Link zum Artikel

Mats Hummels zum BVB: Cathy setzt Gerüchten um Umzug ein Ende

Link zum Artikel

Millionen sahen Hartz-IV-Empfänger bei "Armes Deutschland" – jetzt rechnet er mit RTL 2 ab

Link zum Artikel

Capital Bra will Helene Fischer nach Mega-Flop helfen: "Wir holen die da raus"

Link zum Artikel

"Wirklich verwirrend" – "Dark"-Star verrät, wie er am Set den Überblick behielt

Link zum Artikel

Mitten in der Grillsaison: Bei Edeka gibt es Ärger um Ketchup

Link zum Artikel

"In BVB-Bayern-Wendebettwäsche geschlafen"– die lustigsten Reaktionen zum Hummels-Wechsel

Link zum Artikel

Mit diesen 4 Tipps umgehst du die langsamste Kasse im Supermarkt

Link zum Artikel

Heidi Klum postet Oben-Ohne-Video – das sagt Lena Meyer-Landrut dazu

Link zum Artikel

Sommer bei H&M: Das sind die ekligsten Dinge, die mir als Verkäuferin passiert sind

Link zum Artikel

Das deutsche Badewasser ist hervorragend – nur nicht an diesen 6 Orten

Link zum Artikel

Mats Hummels für 38 Mio. zurück zum BVB: Warum ich als Fan sauer wäre

Link zum Artikel

9 Frauen aus den Anfängen des Rock'n'Roll, die die Musikwelt auf den Kopf stellten

Link zum Artikel

Ich wollte Eltern überzeugen, dass Impfen schlecht ist – und scheiterte glücklicherweise

Link zum Artikel

"Soll ich hier den Clown machen?": Kollegah rastet wegen Schweizer Festival aus

Link zum Artikel

Aldi schafft die Kasse ab: Discounter testet wegweisendes Konzept in China

Link zum Artikel

Diese Bilder von den Protesten in Hongkong geht gerade um die Welt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Der Bundespräsident kuschelt nicht mit Linksextremen, er stellt sich gegen Nazis!

Wer sich gegen rechts positioniert, muss in diesen Tagen anscheinend besonders vorsichtig sein, dass er mit seinen Aussagen und Empfehlungen genau die Mitte trifft. Landet man nur einen einen Tick zu weit links, tobt schnell ein Shitstorm – wie gerade auf dem Facebook-Profil von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Dort wurde am Freitag der Aufruf zum Gratis-Konzert #wirsindmehr in Chemnitz geteilt. Bands wie K.I.Z., Kraftklub, Die Toten Hosen sowie Marteria & Casper setzen dort ein …

Artikel lesen
Link zum Artikel