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Group of tired school kids feeling bored while sitting in the classroom during the lecture.

Bild: getty/dpa/collage

Der Werte-Unterricht der Union hat genau nichts mit Werten zu tun – 3 Gründe

Es gibt Teile der Bildungspolitik, in denen der Bund mehr bestimmen sollte. Zum Beispiel hat es kaum Sinn, dass beim Thema "Digitale Schulen" jedes Land noch immer seine eigenen Projekte macht. Jetzt fordern die Fraktionschefs der Union aber keineswegs eine bundesweite Bildungsoffensive für das digitale – nein, sie planen, einen "Wertekundeunterricht" einzuführen. Von oben herab wollen sie den Ländern vorgeben, wie sie die Kinder von Flüchtenden an den Rechtsstaat und an "deutsche Werte" heranführen sollen.

Ein gemeinsames Papier zur Sache werden Alexander Dobrindt (CSU) und Volker Kauder (CDU) heute vorstellen.  Massive Kritik daran ließ nicht lange auf sich warten. Völlig zu Recht. 3 Punkte zeigen, warum die Union bei ihrem Vorstoß eher mit "Werten" spielt, als diese zu verteidigen.

Die Union integriert nicht, sie separiert

Für die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist die Sache klar. 

Das sagt Marlis Tepe zum Thema Wertekunde:

"Das ist kontraproduktiv, weil die Schülerinnen und Schüler separiert, statt integriert werden."

„Neuen Osnabrücker Zeitung“

Wer einen Unterricht über "deutsche Werte" nur für eine bestimmte Gruppe anbietet, der geht auch davon aus, dass es einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Menschengruppen gibt. Der schließt eine der beiden Gruppen eher aus, als dass er ihr ein Angebot zur Integration macht.

Wer das denkt, hat vielleicht die Werte des deutschen Grundgesetzes selbst noch nicht so recht verstanden. 

Die Union hat Bildung nicht verstanden

Bildungsexperten sagen: Unterricht muss wegkommen von den Frontal-Predigten der Lehrer und auch weg von der klassischen Auftrennung in einzelne Fächer.

Bildung muss auf Individualität basieren, nicht auf Gruppen, schon gar nicht auf ethnisch oder kulturell definierten. Das ist heute möglich, und das Ziel von moderner Pädagogik.

Dazu kommt, dass Werte wie etwa "digitale Mündigkeit" schlicht über alle Disziplinen und Fächer hinweg wichtig sein müssen. Bei "Recht" und "Werten" ist das nicht anders. Sie müssen in der Schule insgesamt eine Rolle spielen. In jedem Fach, in jedem Gespräch zwischen Eltern, Lehrern und Schülern. Ein neues Einzelfach? Ist aus pädagogischer Sicht rückwärts gewandt und völliger Blödsinn.

Wo nimmt die Union ihre  "deutschen" Werte eigentlich her?

Zurück zur Frage, wann der Bund über Bildung bestimmen sollte und wann nicht.

Es gibt einen Grund, warum unsere Bildungspolitik eine föderale Struktur hat. Warum die Länder und nicht Berlin über ihre Ausrichtung entscheiden. Das hat historische Gründe, soll aber auch lokale Unterschiede berücksichtigen.

Wenn jetzt der Bund aber plötzlich für Flüchtende von zentraler Stelle aus ein "Wertesystem" erklären will und dies dann noch gleich mit einem "Rechtsunterricht" zusammenbringt, dann untergräbt er massiv das Föderalismus-Prinzip der Bildung. 

Warum soll für Kinder von migrierten Eltern ein zentraler bundesdeutscher Wert vermittelt werden, wenn das auch für deutsche Kinder ganz bewusst nicht getan wird?  Wer soll diesen Wert bestimmen? Gilt er dann für alle? Diese Fragen lassen sich so einfach gar nicht beantworten.

Worum es mal wieder wirklich geht

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sagt, beim Werte-Unterricht sollen auch die 20 oder 30 Jahre alten Zuwanderer die in Deutschland geltenden Regeln und Rechtsvorstellungen lernen können. Dahinter, so scheint es, steckt die eigentliche Wahrheit hinter dem neuen Vorstoß der Union.

Er ist nur eine weitere Stufe, der CDU/CSU wieder das Image einer guten, weil eben wertebewahrenden, konservativen Partei zu verpassen.

Dazu gehört die von Horst Seehofer aufgewärmte Islam-Debatte:

Vielleicht geht es beim "Werteunterricht" ja gar nicht nicht um Kinder, vielleicht nicht um Schule, vielleicht nicht um Integration.

Vielleicht geht es eher darum, den Gedanken einer bedrohten deutschen Leitkultur unter den Bürgern dieses Landes zu verankern, und sich selbst gleich als Kümmerer im bayerischen Wahljahr zu präsentieren. So eine Taktik könnte kaum wertloser sein.

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