Deutschland
Auftritt von Saengerin Helene FISCHER, GER beim legendaeren Top of the Mountain Concert zum Abschluss der Wintersaison in Ischgl , Oesterreich am 30.04.2018

Bild: imago stock&people

Kommentar

Warum Helene Fischers Statement zu #wirsindmehr wichtiger ist als eines von Angela Merkel

Dominik Sliskovic
Dominik Sliskovic

Helene Fischer hat sich zu #wirsindmehr geäußert. Ihr Statement wird von Fans, Journalisten und Kollegen gleichermaßen beklatscht. 

Ja, die Zeilen sind knapp und sie hat ihrem Statement in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin noch den Disclaimer "Ich äußere mich nicht zu Politik. Meine Sprache ist die Musik" vorangestellt, um ihr langes Schweigen zu rechtfertigen. 

Dabei sollte ihr klar sein: Das Eintreten für die Wahrung von Menschenrechten und die Ablehnung von xenophober Hetze sind keine Politik.

Ihre Macht hat Helene Fischer jetzt aber endlich genutzt. Und sie wird damit mehr erreichen, als jede Pressemitteilung der Bundesregierung.

Angela Merkel kann fast nichts mehr erreichen

Viele der Menschen, die sich in Chemnitz den von Rechtspopulisten und Extremisten organisierten "Trauermärschen" anschlossen, haben Angela Merkel und ihre Politik längst aufgegeben. Ihre gebetsmühlenartigen, diplomatisch geschulten Durchhalteparolen für Menschenwürde und gegen Ignoranz erreichen die dumpfe Masse der Bürger, die eine latente Sorge auf die Straßen tragen, längst nicht mehr. Die Persona Merkel und das, wofür sie steht, ist für diese Menschen nicht mehr vermittelbar.

Und vermutlich, beziehungsweise, vor allem auch für viele andere nicht mehr, die nicht rechtsextrem sind, sich aber trotzdem von Angela Merkel nicht angesprochen fühlen. 

Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet auch nicht

Dass Bands wie Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet, die am Montag beim großen #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz auftraten, ihre Fans mit der gesellschaftlichen Realität konfrontieren und sich im politischen Diskurs einmischen, ist Teil ihrer Künstler-DNA. Ihre klare Positionierung gegen Xenophobie jeglicher Art ist wichtig und klar. Das Gros der Fans teilt allerdings genau dieses Weltbild sowieso schon. 

Anders sieht es eben bei Helene Fischer aus.

Sie steht für Eskapismus, für einen Ausbruch aus dem Alltag, der bei so vielen aus grauem Existenzkampf besteht. Sie steht für allgemeingültige Balsam-Worthülsen statt für dogmatische Ansagen wie "Wir schaffen das".

Mit genau diesem Erfolgsrezept erreicht Helene Fischer ein Millionenpublikum:

Auf "Atemlos durch die Nacht" kann sich (nahezu) jeder einigen. Egal welche innen- und außenpolitischen Ansichten er oder sie hat. 

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Das Traumpaar der bürgerlichen Mitte Deutschlands: Helene Fischer und Florian Silbereisen. Bild: imago stock&people

Helene Fischer verkörpert das gute, sorgenfreie Leben, in das so viele ihrer Fans versuchen zu entfliehen. Sei es bei Dauergrinsesendungen von Fischer-Freund Florian Silbereisen oder bei einem der gigantomanischen Konzerte, die Fischer Jahr für Jahr auf die Beine stellt. Dazu ist die in Sibirien geborene Helene ein Vorbild für hunderttausende Russland-Deutsche – und sich ihrer Rolle sehr wohl bewusst, wie ein Interview mit der dpa aus dem Jahr 2013 zeigt: 

"Ich merke, dass die Menschen, die die gleiche Geschichte erlebt haben wie meine Eltern oder Vorfahren, sofort einen innigen Draht zu mir haben."

Und weiter:

"Sie sprechen mich an, als wäre ich ihre Tochter oder Enkelin, sie sagen, das ist 'unsere Helene'." ("Rheinische Post")

Dieses Gefühl der Verbundenheit haben nicht nur Russland-Deutsche und Schlagerfans mit ihr. Und genau deswegen hat Helene Fischer mit ihrem Statement mehr Menschen zum Nachdenken angeregt, als es jede Band am #wirsindmehr-Abend konnte. Gruppen wie Die Toten Hosen und Acts wie Casper und Marteria machen bereits seit jeher ihren Mund gegen Rechts auf. Helene Fischer hat das nun endlich auch stellvertretend für die schweigende bürgerliche Mitte getan.

Mehr zur Situation in Chemnitz und #wirsindmehr:

#wirsindmehr – die Bilder des Konzerts:

Nach den Krawallen in Chemnitz:

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"Wenn es nötig ist, komme ich nächste Woche wieder" – die Gesichter von #wirsindmehr 

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