Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Todesfall in Chemnitz: Verdächtigter kommt frei, Innenminister lehnt Personenschutz ab

18.09.18, 14:49 18.09.18, 17:07

Der 22-jährige Iraker Yousif A., der seit drei Wochen in Haft sitzt, weil er im Verdacht steht, an der Tötung von Daniel H. in Chemnitz mitbeteiligt gewesen zu sein, kommt nach Angaben seines Anwalts gegenüber NDR und SZ auf freien Fuß. Ingrid Burghart, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, erklärte am Dienstag: "Es bestehe kein dringender Tatverdacht." An einem am Tatort gefundenen Messer seien keine Gen-Spuren von Yousif A. festgestellt worden. Er werde deshalb aus der Haft entlassen.

Die Staatsanwaltschaft erklärt sich:

Der Strafverteidiger Ulrich Dost-Roxin hatte den Haftbefehl gegen seinen Mandanten als "rechtswidrig" bezeichnet. Keines der Beweismittel belaste seinen Mandanten. Dost-Roxin sagte: 

"Das gravierend Schlimme an diesem Fall ist, dass die vollziehende Gewalt aber auch die Rechtsprechung, also in dem Fall die Gerichte, die Unschuldsvermutung über Wochen mit Füßen getreten haben."

Ulrich Dost-Roxin, Verteidiger

Yousif A. kam unmittelbar frei. Nach Angaben seines Anwalts wurden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen: "Ich kann Ihnen aus verständlichen Gründen nicht sagen, wo er ist", sagte Burghart.

Sachsens Innenminister Roland Wöller, CDU, sah das am Dlenstag anders: 

"Personenschutz für mutmaßliche Straftäter ist aus meiner Sicht nicht vorgesehen."

Roland Wöller, CDU, Innenminister Sachsens

Landespolizeipräsident Jürgen Georgie hatte auf Anfrage gesagt, die Kollegen in Chemnitz seien auf mögliche Reaktionen vorbereitet. Es gebe aber bisher keine Anhaltspunkte für Zusammenrottungen.

Ein weiterer Verdächtiger, ein 23-jähriger mutmaßliche Syrer, bleibt hingegen in Haft, entschied das Chemnitzer Amtsgericht. Beide Männer hatten Medienberichten zufolge eine Tatbeteiligung bestritten. Gegen sie wird jedoch weiterhin ermittelt.

Nach Angaben Burgharts wurden bei der Tat zwei Messer verwendet. Das zweite Messer bleibe aber verschwunden.

Das Chemnitzer Tötungsdelikt

In Chemnitz war Ende August ein 35-jähriger Mann erstochen worden. Die beiden bislang inhaftierten Tatverdächtigen stammen mutmaßlich aus Syrien und dem Irak. Nach einem dritten Tatverdächtigen wird noch international gefahndet. Das Tötungsdelikt zog zahlreiche Demonstrationen auch rechter Gruppen in der Stadt nach sich, die teilweise in Gewalttätigkeiten mündeten.

(pb/afp/dpa)

Nach den Krawallen in Chemnitz:

"Wenn es nötig ist, komme ich nächste Woche wieder" – die Gesichter von #wirsindmehr 

Sie waren mehr – doch was passiert jetzt in Chemnitz?

Foto bringt "Feine Sahne"-Sänger kurz in Hitlergruß-Verdacht

Der Bundespräsident kuschelt nicht mit Linksextremen, er stellt sich gegen Nazis!

Korrektur zu Berichterstattung um Chemnitz: Hitlergruß-Bild mit RAF-Tattoo ist kein Fake

In Chemnitz ist erneut die Gewalt eskaliert – 3 Szenen aus den Demos

Rechte attackieren Reporter – die Ereignisse von Chemnitz im watson-Ticker 

25 Straftaten und 9 Verletzte: Die Fakten aus Chemnitz im Überblick

Das sind die 5 Fragen, die nach den Chemnitz-Krawallen jetzt wichtig werden

Polizei ermittelt gegen Rechtspopulisten – er habe den Haftbefehl von Chemnitz gepostet

"Für uns nicht fassbar" – Chemnitzer FC reagiert auf Krawalle in der Stadt

Ein Chemnitzer erzählt, wie Hetze per Whatsapp verbreitet wird

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Diese 5 Szenen zeigen, wie Rechtsextreme Chemnitz ins Chaos stürzten

17:50 Uhr, Stadthallenpark im Chemnitzer Stadtzentrum: Hier haben sich bereits hunderte Gegendemonstranten versammelt. Sie wollen nach der rechtsextremen Gewalt des Vortags gegen Neonazis und Rassismus protestieren – nur einen Katzensprung vom Versammlungsort der Rechten entfernt.

Zur Gegendemo hatte auch die Chemnitzer Band "Kraftklub" aufgerufen, hunderte Demonstranten waren aus Leipzig und anderen Städten angereist. Die Stimmung im Stadthallenpark ist zunächst gut. Nach …

Artikel lesen