14.01.2023, Nordrhein-Westfalen, Erkelenz: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg steht auf der B
Die Klimaaktivistin Greta Thunberg spricht vor Demonstrierenden.Bild: dpa / Henning Kaiser
Deutschland

Greta Thunberg hält Rede: "Lützerath ist noch da"

14.01.2023, 14:4514.01.2023, 16:19

Aktivist:innen haben sich in dem Ort Lützerath im rheinischen Braunkohlerevier verschanzt, das der Energiekonzern RWE abbaggern will, um die Braunkohle darunter zu fördern. Sei Tagen blockieren sie die am Mittwoch begonnene Räumung, die weiter voranschreitet. Am Freitag sei das letzte Gebäude des Dorfes geräumt worden, teilte die Polizei Aachen am Freitagabend mit.

Allerdings befänden sich in den Baumstrukturen noch Besetzer:innen. Auch im Tunnel, der am Donnerstag entdeckten wurde, sollen sich nach wie vor mehrere Aktivist:innen befinden. Am Samstag werden in der Nähe von Lützerath tausende Menschen zu einer Demonstration gegen die Räumung erwartet.

Was in Lützerath passiert, erfährst du in unserem Live-Ticker. Hier liest du, wie am Freitag der dritte Tag der Räumung lief.

15.50 Uhr: Greta Thunberg: "Lützerath ist noch da"

Die bekannte schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat bei der großen Demonstration dazu aufgerufen, das Dorf Lützerath nicht aufzugeben. "Lützerath ist noch da, und solange die Kohle noch in der Erde ist, ist dieser Kampf nicht zu Ende", sagte Thunberg vor einer großen Menschenmenge.

"Ihr zeigt heute deutlich, dass Veränderungen nicht von den Leuten kommen werden, die an der Macht sind, von Regierungen, von Konzernen, von den sogenannten Führungspersönlichkeiten", sagte sie. "Nein, die wahren Führungspersönlichkeiten sind hier. Es sind die Menschen, die in den Baumhäusern sitzen und die Lützerath nun schon seit Jahren verteidigen."

Die Demonstration in der Nähe von Lützerath ist in vollem Gange.
Die Demonstration in der Nähe von Lützerath ist in vollem Gange.bild: Tim Vollert

14.17 Uhr: Personen in Tagebau eingedrungen

Bei der Demonstration nahe Lützerath im Rheinischen Revier sind einige Menschen nach Polizeiangaben in den Tagebau eingedrungen. "Entfernen Sie sich sofort aus dem Gefahrenbereich!", schrieben die Einsatzkräfte bei Twitter.

Hunderte Teilnehmende hatten sich zuvor unmittelbar an die Kante des rheinischen Braunkohletagebaus gestellt. "Ich bin absolut entsetzt, wie normale Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sich dazu hinreißen lassen, hier den absoluten Gefahrenbereich zu betreten", sagte der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach der Deutschen Presse-Agentur. Ein Aufenthalt unmittelbar am Steilhang der Tagebaukante sei sowieso schon gefährlich, jetzt aber ganz besonders, weil der Boden durch Dauerregen aufgeweicht sei. Ein Polizeisprecher schätzte die Gesamtzahl der Demoteilnehmer auf 8000 bis 10.000.

Gewaltbereite Demonstrierende hätten auch Streifenwagen der Polizei attackiert und Pyrotechnik in Richtung der Beamten geworfen, sagte ein Polizeisprecher.

13.22 Uhr: Polizeipräsident: Lützerath-Demo Herausforderung für Einsatzkräfte

Die Demonstration bei Lützerath wird nach Einschätzung von Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach für die Einsatzkräfte eine Herausforderung. "Es werden, nach allem, was wir wissen, sehr, sehr viele Menschen kommen", sagte er am frühen Samstagmittag in Lützerath. Weinspach rechnete mit mehr Teilnehmenden, als vom Veranstalter angezeigt. Etwa 8000 Menschen hatte die Polizei im Vorfeld erwartet. Am Samstagmittag gab es seitens der Veranstalter zunächst keine Angaben zur Teilnehmenden-Zahl.

Zu der Demonstration wurden zahlreiche Menschen erwartet.
Zu der Demonstration wurden zahlreiche Menschen erwartet.bild: Tim Vollert

Weinspach warnte vor Versuchen, ins besetzte Lützerath oder in den Tagebau Garzweiler II einzudringen. In den sozialen Netzwerken habe es immer wieder Aufrufe gegeben, im Rahmen der Demo nach Lützerath oder in den Tagebau "durchzubrechen", sagte er. "Das werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern. Ich kann nur hoffen, dass es dazu nicht kommt, denn sonst werden wir sehr unschöne Bilder haben." Die Polizei erklärte, das Tagebauvorfeld sowie die Abbruchkante seien insbesondere durch den Regen der vergangenen Tage gefährlich. "Hier besteht akute Abrutschgefahr", schrieben die Einsatzkräfte bei Twitter.

12.09 Uhr: Thunberg kritisiert Grüne – Kohletagebau "sieht aus wie Mordor"

Greta Thunberg hat die deutschen Grünen wegen ihrer Unterstützung für den Abriss von Lützerath und das Abbaggern der unter dem Dorf liegenden Kohle kritisiert. Konzerne wie RWE müsse man eigentlich dafür zur Rechenschaft ziehen, wie sie mit Menschen umgingen. "Dass die Grünen mit solchen Unternehmen Kompromisse schließen, zeigt, wo ihre Prioritäten liegen", sagte Thunberg am Samstag in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Erkelenz. Sie selbst sei nie mit einer grünen Partei verbunden gewesen.

Lützerath-Räumung: Klimaaktivistin Greta Thunberg spricht in einem Interview.
Lützerath-Räumung: Klimaaktivistin Greta Thunberg spricht in einem Interview.Bild: dpa / Oliver Berg

Führende grüne Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und seine NRW-Kollegin Mona Neubaur verteidigen den Abriss und berufen sich darauf, dass die Kohle zur Aufrechterhaltung der Energiesicherheit in der derzeitigen Krise gebraucht werde. "Die Kohle, die hier im Boden ist, wird die Preise nicht sofort senken. Wer so denkt, hat einfach keinen Bezug zur Realität", sagte Thunberg.

Die bekannte Klimaaktivistin ist nach Deutschland gekommen, um den Protest gegen die Räumung zu unterstützen. "Ich bin hier schon früher gewesen, und da sah es noch völlig anders aus", sagte sie. "Es ist sehr traurig, das zu sehen. Es ist jetzt ein ganz anderer Ort." Zu der Kraterlandschaft des rheinischen Braunkohlereviers sagte sie: "Es sieht wirklich aus wie Mordor. Es zeigt, wozu Menschen unter den falschen Bedingungen fähig sind. Es zeigt, wogegen wir kämpfen, was wir verhindern wollen." In Tolkiens Roman "Herr der Ringe" ist Mordor das Reich und die Basis des bösen Sauron.

11.13 Uhr: Grüne Jugend kritisiert Polizeieinsatz

Die Grüne Jugend hat das Vorgehen der Polizei bei der Räumung des Dorfes Lützerath kritisiert. "Die Berichte, die wir aus dem Dorf bekommen, sind nicht zu rechtfertigen", teilte die Landessprecherin der Grünen Jugend NRW, Nicola Dichant, am Samstag mit.

"Bilder von Polizeieinsätzen, die Aktivist*innen massiv gefährden, Sanitäter*innen, die von der Polizei aus dem Dorf geschmissen werden, und Presse, die nicht beobachten darf. Das ist das Gegenteil von einem deeskalativen Einsatz."

11.12 Uhr: Räumung von Lützerath geht weiter

Die Polizei hat am Samstagvormittag die Räumung des besetzten Dorfes Lützerath fortgesetzt. "Die Arbeiten gehen weiter", sagte ein Polizeisprecher. Einsatzkräfte kletterten auf Bäume, auf denen Menschen ausharrten, berichtete eine dpa-Reporterin. Außerdem laufen nach Angaben von RWE Vorbereitungen, um Aktivist:innen aus einem Tunnel zu holen. Der Einsatz an dem Tunnel ist laut Polizei übergeben worden. Es handle sich um eine "Rettung", die nun in den Händen von RWE und THW liege, sagte ein Polizeisprecher.

"Wir gehen davon aus, dass es ihnen gut geht", sagte Bente Opitz von der Initiative "Lützerath lebt". Sie hätten genug zu Essen und könnten mehrere Tage in dem Tunnel ausharren. Mehrere Dutzend Aktivist:innen sind nach Angaben von "Lützerath lebt" noch in Lützerath, auf Dächern und in Bäumen. Zu der Anzahl der verbliebenen Aktivist:innen machte die Polizei zunächst keine Angaben. "Oberirdisch sind wir so gut wie durch", sagte ein Sprecher am Morgen. Es gebe noch etwa 15 "Strukturen" der Aktivist:innen, darunter Baumhäuser und Verschläge.

3.00 Uhr: Tausende zu Demonstration bei Lützerath für Räumungsstopp erwartet

Am Samstag (12.00 Uhr) werden in der Nähe von Lützerath tausende Demonstrierende zu einer Demonstration gegen die Räumung erwartet. Ein Bündnis aus Umweltverbänden und klimapolitischen Initiativen erwartet nach eigenen Angaben mehr als zehntausend Teilnehmende. Der Protestzug führt zunächst durch den Ort Keyenberg, der wie Lützerath zur Stadt Erkelenz gehört. In die Nähe Lützeraths folgt eine Abschlusskundgebung.

13.01.2023, Nordrhein-Westfalen, Erkelenz: Die Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer (r) und Greta Thunberg stehen am dritten Tag der Räumung im von Klimaaktivisten besetzten Braunkohleort Lützerath. Der  ...
Auch die Klimaaktivistinnen Greta Thunberg (l.) und Luisa Neubauer werden zu dem Protestzug erwartet.Bild: dpa / Federico Gambarini

Konkret fordert das Bündnis einen Räumungsstopp, um die geplante Abbaggerung der Braunkohle unter Lützerath durch den Energiekonzern RWE zu verhindern. An der Demonstration sind unter anderem die Initiativen "Alle Dörfer bleiben", "Fridays for Future" und der "BUND" beteiligt. Auch die Klimaaktivistinnen Greta Thunberg und Luisa Neubauer werden zu dem Protestzug erwartet.

0.06 Uhr: NRW-Wirtschaftsministerin Neubaur verteidigt Räumung von Lützerath

Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hat die Räumung von Lützerath für den Braunkohleabbau verteidigt. Es gehe dabei um die Energieversorgungssicherheit, "wir müssen das schlimmste Szenario gut vorbereitet haben", sagte sie am Freitag in der WDR-Sendung "Aktuelle Stunde". Dazu gehöre auch die "Zuhilfenahme von sehr klimaschädlicher Braunkohleverstromung zu sichern". Sie betonte, den Grünen sei insgesamt in Sachen Klimaschutz etwas Großes gelungen, nämlich den Kohleausstieg im Westen um acht Jahre auf 2030 vorzuziehen.

PRODUKTION - 21.12.2022, Nordrhein-Westfalen, D
Mona Neubaur (Grüne) verteidigt die Räumung von Lützerath mit der Energieversorgungssicherheit.Bild: dpa / Rolf Vennenbernd

Zu Kritik aus der eigenen Partei am Abriss des Dorfes sagte sie:

"Ich empfinde das nicht als in den Rücken fallen. Ich fühle mich nicht verraten."

In einer demokratischen Partei müsse man miteinander diskutieren, das sei auch eine Qualität der Grünen. Die Besetzung der Parteizentrale der NRW-Grünen in Düsseldorf durch Klimaaktivist:innen in dieser Woche beschäftige sie. "Das lässt mich nicht kalt. Zu sehen, wie Menschen, die für Klimaschutz eintreten, sich nicht wiederfinden in dem, was wir als Erfolg erreichen konnten."

(Mit Material von dpa und AFP)

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