Deutschland
Bild

Der Eine oder Andere dürfte trotzdem kommen. Ganz sicher... Bild: imago/montage watson

Meinung

6 Gründe, die Anwesenheitspflicht für Studierende abzuschaffen

Der Vergleich hinkt etwas. Aber Parallelen gibt es durchaus. Während Studierende zum Teil verpflichtend Vorlesungen besuchen müssen, ist es Abgeordneten in der Regel frei gestellt, an Plenarsitzungen teilzunehmen. Sie bekommen trotzdem die gesetzliche Aufwandsentschädigung bezahlt.

Dafür gibt es gute Gründe. Denn die Hauptarbeit von Bundestagsabgeordneten findet außerhalb des Plenarsaals statt, in Ausschüssen etwa.

Und Studierende? Auch sie haben nicht die meiste Arbeit im Hörsaal – sondern vor und nach der Vorlesung. Trotzdem können sie heftige Probleme bekommen, wenn sie nicht im Hörsaal auftauchen. An vielen deutschen Hochschulen dürfen Studierende nur zweimal pro Lehrveranstaltung fehlen – inklusive entschuldigter Krankheit. Sie müssen an Vorlesungen und Seminaren teilnehmen, um überhaupt zu Prüfungen zugelassen zu werden.

Das regt einige auf. Zurecht.

Hier kommen 6 gute Gründe, warum Studierende keine Anwesenheitspflicht haben sollten:

Die Uni ist keine Schule

Studierende sind erwachsene Menschen, die sich freiwillig entschlossen haben, noch weiter eine Bildungseinrichtung zu besuchen. Aber die Uni ist trotzdem keine Schule. Und auch kein Job. Im Gegenteil: An vielen Unis müssen Studierende Gebühren zahlen.

Dabei sollte die Motivation fürs Studium intrinsisch sein – und sie sollte den Studierenden nicht durch eine Anwesenheitspflicht künstlich auferzwungen werden.

Hallo?! Ich muss Geld verdienen

Neben den Studiengebühren müssen viele Studierende außerdem ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten, nach Ende des Kindergeldes auch die Krankenkasse bezahlen und nicht jeder kann sich dabei auf Eltern oder Bafög verlassen. 2015 mussten daher 47,3 Prozent aller Studierenden Arbeit und Studium kombinieren. Der Nebenjob muss mit dem Lehrplan koordiniert werden. Das kann nicht immer funktionieren, wenn überall Anwesenheitspflicht herrscht.

Terminfrust

Wer sich schon mal selbst einen Lehrplan zusammenstellen musste, weiß, wie nervenaufreibend es ist, die Vorlesung von Fach X mit dem Seminar von Fach Y in Einklang zu bringen. Im schlimmsten Fall muss das gesamte Fach auf das nächste Semester verschoben werden, weil es zeitlich nicht mit einer anderen Vorlesung kombinierbar ist. Ohne Anwesenheitspflicht wäre das Termin-Problem wesentlich kleiner.

Animiertes GIF GIF abspielen

Hermines Zeitumkehrer steht den meisten Muggeln leider nicht zur Verfügung.

Krankheit *hust*

Wenn nur zwei Fehltage pro Veranstaltung/Semester erlaubt sind, bedeutet das zwangsläufig, dass Studierende ein wirklich gutes Immunsystem haben sollten – oder im Zweifel krank zur Uni gehen müssen. Was ist das für ein System, das so etwas fördern will? Nicht nur, dass das schwer gesundheitsschädlich wäre, sondern auch die Ansteckungsgefahr fördert. Die Uni, der Virenumschlagsplatz?

Schwierige Dozenten

Manche Dozierende können nicht unterrichten. Das ist nicht ihre Schuld, weil sie meistens nicht dazu ausgebildet wurden, sondern es sich selbst beibringen müssen. Aber wenn sie ohnehin nur ihre Powerpoint-Präsentation vorlesen, können Studierende die genauso zuhause oder in der Bibliothek eigenständig durcharbeiten.

Animiertes GIF GIF abspielen

Unbequeme Sitze, volle Hörsäle

Wirklich ein Punkt, über den wir sprechen müssen: Deutsche Hörsäle sind oft überfüllt und haben schlimme Sitz- und Schreibgelegenheiten. Ich für meinen Fall kann nicht mal fünf Minuten auf einer Bierbank sitzen, ohne Nackenschmerzen zu bekommen. Ein bis zwei Stunden auf einem dünnen Hörsaal-Sitz-Klassiker ist da schon ein höheres Level an Schmerzen. Und: Zu Beginn der Vorlesungszeit, wenn alle motiviert sind, sind die Veranstaltungen meist so gut besucht, dass es nicht mal genug von diesen schlechten Stühlen gibt. Stattdessen kauern sich die Anwesenden dann auf Böden und Treppen, nicht wirklich die besten Voraussetzungen, um gut zuzuhören.

Bestimmt fallen euch viele Gründe ein, weshalb die Anwesenheitspflicht richtig gut ist... Schreibt sie in die Kommentare.

Don't try this at home: Das Alligatorfoto zum Uniabschluss

Video: watson

Exklusiv

Sahra Wagenknecht: "Klimaschutz darf kein Elitenthema bleiben. Fridays for Future fand an Gymnasien und Hochschulen statt, aber kaum an Real- und Berufsschulen"

Die Linken-Politikerin spricht im watson-Interview über das Erbe der Ära Merkel, ihren Blick auf Fridays for Future – und darüber, warum diskriminierte Minderheiten aus ihrer Sicht wenig von Diversity und Frauenquoten haben.

Im November 2019 lag Sahra Wagenknecht vor Angela Merkel. Ein paar Wochen, bevor die Welt zum ersten Mal von einem neuartigen Coronavirus hörte, war sie zumindest laut einer Umfrage des Instituts Insa Deutschlands beliebteste Politikerin, vor der Bundeskanzlerin. Wagenknecht ist seit fast drei Jahrzehnten auf der politischen Bühne: erst als Vertreterin der "Kommunistischen Plattform" in der PDS, einer Vorgängerpartei der Linken, später als Vizechefin der Linkspartei und als Fraktionschefin …

Artikel lesen
Link zum Artikel