Deutschland
05.09.2020, Hamburg: Katja Suding, Landesvorsitzende der FDP Hamburg, verlässt beim Landesparteitag nach ihrer Rede die Bühne. Suding hat gut ein halbes Jahr nach der Wahlschlappe der FDP in Hamburg ihr Ausscheiden aus der Politik angekündigt. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Katja Suding, Landesvorsitzende der FDP Hamburg, verlässt beim Landesparteitag am Samstag nach ihrer Rede die Bühne. Bild: dpa / Daniel Bockwoldt

Meinung

Herber Verlust: Mit Suding verliert die FDP eine weibliche Stimme der Vernunft

Katja Suding geht. Am Samstag verkündete die Vorsitzende der Hamburger FDP ihren Rückzug aus der aktiven Politik. Schade! Mit ihr geht eine wichtige Gegenstimme in der männlich dominierten FDP. Eine Stimme, die immer auch die der Vernunft war, in Zeiten in denen Populismus und Opportunismus auch in der FDP Einzug hielten.

Als im Februar Thomas Kemmerich mit den Stimmen der AfD zum Thüringer Ministerpräsident gewählt wurde, war sie es, unter anderem zusammen mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die klar dagegen Stellung bezog. Und das zu einem Zeitpunkt, als einige andere FDP-Politiker Kemmerich noch zum Wahlsieg gratulierten.

Mit Höckes AfD arbeitet man nicht zusammen, das war für Suding nicht nur ein Ausspruch, sondern Essenz liberaler Politik. Hanseatisch aufrecht und weltoffen, so wollte sie ihre FDP. Das hat sie auch immer verkörpert und tut es immer noch, auch wenn zukünftig, nach der kommenden Bundestagswahl, dann nicht mehr in der aktiven Politik.

Hoffnungsträgerin und Gegenpol zur Einmann-Lindner-FDP

Mit Suding geht auch ein weiteres Stück bürgerlich-liberaler FDP und ein Gegenpol zur Einmann-FDP von Christian Lindner. Wie sich die Machtbalance innerhalb der Bundes-FDP verschieben wird, bleibt wohl abzuwarten.

Für die FDP ist Sudings Rückzug besonders bitter, weil sie als Hoffnungsträgerin galt. Und Hoffnungsträgerinnen sind bei den Liberalen ohnehin Mangelware. Als Suding 2011 für die Partei als Spitzenkandidatin in Hamburg antrat, hatte es zunächst nicht gut ausgesehen für die FDP. Nach einem starken und auf sie als Person fixierten Wahlkampf landeten die Liberalen am Ende bei fast sieben Prozent.

2015 führte Suding die FDP bei der Bürgerschaftswahl sogar zu einem noch stärkeren Ergebnis – und das, obwohl die Partei bundesweit gerade im Sinkflug und 2013 sogar ganz aus dem Bundestag geflogen war. Suding kann bei Wahlen also das Ruder noch herumreißen. Eine in Parteien heiß begehrte Eigenschaft – auch wenn das bei der Hamburg-Wahl 2020 nicht mehr klappte, als Sudings FDP nach der Causa Kemmerich die 5-Prozent-Hürde denkbar knapp riss.

Der Zeitpunkt ihres Rückzugs hat es ebenfalls in sich. Gerade erst hat Christian Lindner die einzige andere Frau, die bei den Liberalen in der allerersten Reihe mitspielte, abgesägt. Linda Teuteberg war auf dem aufsteigenden Ast in der Partei, Lindner war mit ihr als Generalsekretärin aber nicht zufrieden. Nun ersetzt er sie mit einem Mann, Volker Wissing.

Nun zieht sich die zweite junge Frau in der FDP zurück. Im Gegensatz zur Generalsekretärin tut Suding es freiwillig. Ein herber Verlust für die FDP.

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