Patrick Mueller-Sarmiento und James Sutherland haben den ersten kassenlosen Bio-Supermarkt Hoody gegründet.
Patrick Mueller-Sarmiento und James Sutherland haben den ersten kassenlosen Bio-Supermarkt Hoody gegründet.bild: watson / josephine andreoli
Deutschland

Bio-Supermarkt ohne Kasse öffnet in Hamburg: Gründer wollen Einkaufen neu denken

16.09.2022, 09:43

Einfach sollte es sein, praktisch. Angepasst an unseren Alltag, der oft von zu wenig Zeit und zu viel Stress geprägt ist. Das ist die Idee, die hinter Hoody, dem ersten kassenlosen Bio-Markt in Hamburg-Eppendorf, steckt.

Die Türen des kleinen Ladens öffnen sich beim Scannen eines QR-Codes am Eingang – 24 Stunden am Tag, außer sonntags, da ist das Geschäft nur für fünf Stunden geöffnet.

Wer sich einmal mit der "My Hoody"-App registriert und seine Zahlungsdaten hinterlegt hat, kann einfach reingehen, seine Einkäufe schnappen und wieder gehen. Ganz ohne an der Kasse warten oder Produkte scannen zu müssen.

Einfach mit dem Handy den QR-Code scannen – und schon öffnet sich die Tür.
Einfach mit dem Handy den QR-Code scannen – und schon öffnet sich die Tür. bild: watson / josephine andreoli

Erfasst werden die Einkäufe über ein Kamerasystem an der Decke. Die Kassenbelege mit Listung aller gekauften Produkte werden in der App gesammelt. Sollte sich auf dem Bon fälschlicherweise mal ein Produkt befinden, dass man nicht gekauft hat, kann man dies einfach in der App reklamieren – und bekommt das Geld zurücküberwiesen. Ohne Wenn und Aber.

Supermarkt ohne Schlange oder Selbst-Scanner

Praktisch und zeitgemäß. Genau das war das Ziel der beiden Gründer James Sutherland und Patrick Mueller-Sarmiento.

Sie wollten Hightech und Menschen miteinander verbinden: Denn auch wenn es bei Hoody keine Kassen mehr gibt, ist die meiste Zeit ein:e sogenannte:r Community Manager:in vor Ort. "Die Community-Managerin tauscht sich mit den Kunden aus, informiert sie über die Ware, über ihre Herkunft und ihre Wertigkeit, aber auch über die Technik", erzählt Co-Gründer Patrick Mueller-Sarmiento im Gespräch mit watson.

"Hoody ist nicht dafür gedacht, dass man seinen Wocheneinkauf hier erledigt. Die Leute kommen schnell rein, holen sich zwei, drei Sachen und gehen wieder."
Co-Gründer James Sutherland

Dass es bei Hoody keine Kassierer:innen mehr gibt, lässt sich sowohl kritisieren als auch positiv hervorheben. Kritisieren, weil Menschen durch Technik wegrationiert und überflüssig geworden sind. Positiv hervorheben, weil Arbeitnehmer:innen von heute allem voran nach einem sinnstiftenden Job suchen, der ihnen Erfüllung bringt. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie des Karrierenetzwerkes Xing.

Hoody als "Kühlschrank des Stadtteils"

Hoody, sagen die beiden, solle zum "Kühlschrank des Stadtteils" werden. Unser Alltag sei flexibler geworden, deswegen müsse das auch unser Einkauf werden. "Hoody ist nicht dafür gedacht, dass man seinen Wocheneinkauf hier erledigt", erklärt Geschäftsführer und Co-Gründer James Sutherland. "Die Leute kommen schnell rein, holen sich zwei, drei Sachen und gehen wieder."

Auf 65 Quadratmetern finden Kund:innen hier ein Sortiment aus möglichst lokalen Bio-Produkten.
Auf 65 Quadratmetern finden Kund:innen hier ein Sortiment aus möglichst lokalen Bio-Produkten. bild: watson / josephine andreoli

Die Verkaufsschlager: Bananen und Vanillepudding. Die Ausgaben der Kund:innen: Höchstens 15 Euro, meist eher weniger. Der bestbesuchte Tag ist mit Abstand der Sonntag.

Weniger Lebensmittelabfälle durch kleinere Einkäufe

Hamburg-Eppendorf ist ein Stadtteil, in dem vorwiegend Besserverdienende wohnen. Im Sortiment bei Hoody sind aus diesem Grund hauptsächlich Produkte aus der Umgebung erhältlich, in Bio-Qualität noch dazu.

Das macht sich auch im Preis bemerkbar. "Vermehrt stellen wir fest, dass Kunden nach Produkten suchen, die gut schmecken, die Gesundheit unterstützen und zusätzlich nachhaltig hergestellt werden", erklärt Mueller-Sarmiento.

Weil noch dazu kommt, dass es sich in Eppendorf bei über 60 Prozent um Single-Haushalte handelt, war den beiden Gründern schnell klar, dass ihr Supermarkt-Konzept zu diesen Menschen passen muss.

"Man muss nicht den ganzen Kühlschrank voll haben und am Ende der Woche die Hälfte wegschmeißen."
Co-Gründer Patrick Mueller-Sarmiento

Patrick Mueller-Sarmiento erläutert im Gespräch mit watson:

"Die Leute sind spontaner geworden. Wenn ich abends eingeladen bin, dann brauche ich das Essen, das ich eingekauft habe, nicht mehr – dann esse ich ja dort."

Und auch da soll Hoody ansetzen, denn rund 30 Prozent der Lebensmittel landen hierzulande in der Tonne. Ein Großteil davon fällt bei den Privathaushalten an. Durch die Verschwendung gehen nicht nur die Lebensmittel selbst verloren, sondern auch die zur Herstellung verwendeten Ressourcen: landwirtschaftliche Flächen, Wasser, Dünger.

Einer Studie des Thünen-Instituts nach könnte Deutschland seine CO2-Emissionen um 9,5 Prozent senken – allein durch Halbierung der Lebensmittelabfälle.

Die beiden Hoody-Gründer James Sutherland und Patrick Mueller-Sarmiento.
Die beiden Hoody-Gründer James Sutherland und Patrick Mueller-Sarmiento.bild: watson / josephine andreoli

"Man muss nicht den ganzen Kühlschrank voll haben und am Ende der Woche die Hälfte wegschmeißen. Lieber kann man hier vorbeilaufen und sich die Milch oder den Obstsalat schnell frisch herausholen", ergänzt Mueller-Sarmiento.

"Die frischen Sachen bekommen wir nach Bedarf – und wenn die Bananen braune Stellen bekommen, dann wird der Preis herabgesetzt, damit wir nichts wegschmeißen müssen."
Co-Gründer Patrick Mueller-Sarmiento

Im Laden selbst verfolgen sie die gleiche Philosophie: Das Lager ist klein, aufgefüllt werden können lediglich länger haltbare Produkte: Nudeln, Schokolade, Apfelmark, Kekse. "Die frischen Sachen bekommen wir nach Bedarf geliefert – und wenn die Bananen braune Stellen bekommen, dann wird der Preis automatisch herabgesetzt, damit wir nichts wegschmeißen müssen", sagt Mueller-Sarmiento.

"Die Zukunft der Supermärkte liegt in ihrer Anpassung an unseren Lebensstil – praktisch muss es sein."
Co-Gründer Patrick Mueller-Sarmiento

Auch eine Kooperation mit "Too Good To Go" können sich die beiden Hoody-Gründer vorstellen. Damit könnten Kund:innen Lebensmittel per App günstiger kaufen und abholen – damit sie nicht in der Tonne landen.

Fürs Erste überlegen die beiden Hoody-Gründer aber, ob noch andere Standorte für den Bio-Markt infragekommen. Angepasst an die jeweilige Nachbarschaft: "Die Zukunft der Supermärkte liegt in ihrer Anpassung an unseren Lebensstil – praktisch muss es sein, convenient und wenn es geht nachhaltig", sagt Mueller-Sarmiento.

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