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FILE - In this Feb. 26, 2015 file photo former nurse Niels Hoegel., accused of multiple murder and attempted murder of patients, covering his face with a file at the district court in Oldenburg, Germany. German prosecutors Thursday, April 26, 2018  have attributed one more murder to a former nurse accused of killing dozens of patients at two hospitals, bringing to 98 the number of killings he is expected to face trial for later this year. (Carmen Jaspersen/dpa via AP,file)

Högel im Februar 2015 vor Gericht. Bild: dpa

Krankenpfleger Niels Högel gesteht Mord von 100 Patienten am ersten Prozesstag

Es könnte die größte Mordserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte sein: Jahrelang soll der Krankenpfleger Niels Högel Patienten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst getötet haben.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zuträfen, antwortete Högel am Dienstag mit "ja". Der 41-Jährige fügte an: "Das was zugegeben worden ist, so ist es auch."

Zuvor war Högel vom Gericht ausführlich zu den Anfängen seines beruflichen Werdegangs und seinen privaten Verhältnissen befragt worden. Um konkrete Tatvorwürfe ging es dabei zunächst nicht, die Richter wollen die Geschehnisse aus der sehr umfangreichen Anklageschrift chronologisch abarbeiten. Högel berichtete, er habe bereits kurz nach dem Berufsstart unter Leistungsdruck gestanden und angefangen, Schmerzmittel zu nehmen. "Es war der Stress." Er hätte bereits damals erkennen müssen, dass die Arbeit nichts für ihn gewesen sei.

Die Vorwürfe:

Wahllos soll sich Högel seine Opfer ausgesucht haben. Das jüngste war 34, das älteste 96 Jahre alt. Zwischen Februar 2000 und Juni 2005 soll Högel immer wieder Patienten Medikamente gespritzt haben, die zu Herzversagen führten oder andere Komplikationen auslösten. Danach versuchte er, seine Opfer wiederzubeleben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft tat er das aus Langeweile und um vor Kollegen mit seinen Reanimationskünsten zu glänzen.

Wie konnte der Mann gefasst werden?

Eine Krankenschwester hatte Högel im Sommer 2005 auf frischer Tat am Klinikum Delmenhorst bei Bremen ertappt. Doch bis das gesamte Ausmaß der Mordserie ans Licht kam, vergingen Jahre. Mehr als 130 Leichen ließen die Ermittler auf Friedhöfen ausgraben und diese auf Rückstände von Medikamenten untersuchen. Mehrmals befragten sie den Ex-Pfleger im Gefängnis. Dieser habe die Taten gestanden, soweit er sich an sie erinnern könne, sagte Oberstaatsanwalt Martin Koziolek.

Wie läuft der Prozess ab?

Rund 120 Nebenkläger wollen in dem Prozess erfahren, wie und warum ihre Verwandten sterben mussten. "Sie wollen dem Angeklagten in die Augen schauen", sagte Nebenklage-Anwältin Gaby Lübben. Das Landgericht Oldenburg erwartet zahlreiche Zuschauer und Journalisten zum Prozessauftakt. Wegen des großen Andrangs hat die Kammer die Verhandlung in die Weser-Ems-Hallen verlegt.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte die Bundesregierung auf, aus dem Fall klare Konsequenzen zu ziehen. "Trotz der größten Mordserie der Nachkriegsgeschichte bleiben Bund und Länder weitestgehend tatenlos. Es fehlen bundesweite Anstrengungen, um solche Einzeltäter rechtzeitig zu stoppen. Das ist unerträglich", sagte Brysch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Richter haben in dem Mammutprozess 23 Verhandlungstage bis Ende Mai angesetzt – an mehreren Tagen soll der Angeklagte die Möglichkeit bekommen, sich selbst zu äußern. 

Eine lebenslange Haftstrafe bedeutet in Deutschland nicht zwangsläufig, dass jemand bis zu seinem Tod im Gefängnis sitzt. Nach einer bestimmten Zeit prüft eine Strafvollstreckungskammer, ob die Strafe ausgesetzt werden kann. "Jede nachgewiesene Tat verlängert seine Haft", sagt Nebenklage-Anwältin Gaby Lübben. Bei mehr als 100 Morden könnte das möglicherweise bedeuten: auf eine sehr lange Zeit oder sogar für immer.

pbl/(pb/dpa)

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