Deutschland
Ravekultur Retten! Wasserdemo - Rebellion der Träumer, vor dem Urbankrankenhaus in Berlin Kreuzberg, auf dem Landwehrkanal, Katerblau hat mit anderen dazu aufgerufen. 31. Mai 2020 Berlin, Germany | Verwendung weltweit

Am Pfingstsonntag versammelten sich Hunderte im Urbanhafen. Bild: Eventpress Porikys / Eventpress Porikys

Nach Schlauchboot-Rave in Berlin – Pfleger wütend über fehlende Wertschätzung

Am Sonntag schien sich das Coronavirus in Berlin mal eine Pause zu gönnen – zumindest in den Augen einiger Fans der Rave-Kultur. Der Urbanhafen in Kreuzberg sah aus, als hätte es Corona nie gegeben.

Grund dafür war ein Rave der besonderen Art, zur Erhaltung der Berliner Club-Kultur. Unter dem Hashtag #savetherave versammelten sich hunderte Schlauchboote im Urbanhafen. Am Ufer war ebenfalls ein großes Publikum.

Aus dem Internet gab es viel Kritik für die Aktion, den Teilnehmern wurde Fahrlässigkeit und Provokation vorgeworfen. Das Coronavirus sorgt immer noch weltweit für Leid und Tod. Dazu kommt, dass die Party in der Nähe eines Krankenhauses stattfand.

Intensivpfleger Ricardo Lange macht im "Tagesspiegel" seinen Unmut über die Aktion und mangelnde Wertschätzung seiner Arbeit deutlich. Die sorglos-feiernde Bootsparty kommt ihm wie Hohn vor.

"Kann man unsere Arbeit noch mehr verhöhnen?"

Schon vor Wochen, als die Menschen auf ihren Balkonen den Pflegern applaudierten, habe er befürchtet, dass daraus keine Taten folgen würden, sagt er. "Schade, dass ich recht hatte."

"Die Videos der Feiernden im Urbanhafen vom Pfingstsonntag haben mich ganz schön mitgenommen", so Lange weiter. Er verstehe ja, dass die jungen Leute Nachholbedarf hätten. Er verstehe auch, dass Clubbetreiber Unternehmer seien, die um ihre Existenz bangten.

"Aber muss eine solche Party ausgerechnet vor einem Krankenhaus stattfinden?

Er macht deutlich, warum eine Techno-Party vor einem Krankenhaus schon ohne Corona eine würdelose Idee ist: "Darin kämpfen Patienten und ihre Pfleger und Pflegerinnen um Leben. Die Leute brauchen Ruhe. Kann man unsere Arbeit noch deutlicher verhöhnen?"

DEU, Deutschland, Berlin, 28.05.2019: Urbankrankenhaus (KAU), Klinikum am Urban. betrieben vom landeseigenen Krankenhausbetreiber Vivantes. *** DEU, Germany, Berlin, 28 05 2019 Urban Hospital KAU , Klinikum am Urban operated by the state-owned hospital operator Vivantes

Vor den Türen des Vivantes Klinikums stieg am Sonntag ein Rave. Bild: imago images / Arnulf Hettrich

Auch Politik scheint das Thema Pflege aus den Augen zu verlieren

Doch nicht nur gedankenlose Feierei vor einem Krankenhaus erzürnt Lange. Die Politik, die die Pflege mit Abklingen der Pandemie wieder aus den Augen verliert, enttäuscht ihn.

Bundes-Gesundheitsminister Spahn hatte die Pfleger, die an vorderster Front gegen die Ausbreitung des Coronavirus kämpfen als "Alltagshelden" bezeichnet, die eine besondere Wertschätzung verdienen. Er versprach einen "Corona-Bonus" für jeden Pfleger. Bei ihm sei der allerdings nicht angekommen, so Lange.

"Weil wir in Deutschland die Pandemie – glücklicherweise – ganz gut im Griff haben, wird in den Talkshows nicht mehr über Pflege debattiert", bedauert er.

"Bei mir und meinen Kollegen auf der Intensivstation jedoch ist noch nichts angekommen, und das, obwohl wir zu denen gehören, die seit Wochen in engstem Kontakt mit Covid-19- Patienten stehen."

Anhand einer Zahl macht er außerdem deutlich, wie dringend das Problem ist. In Deutschland arbeiteten elf Prozent aller Infizierten im Gesundheitsbereich, so Lange. Pfleger gingen in ihrem Beruf also jeden Tag ein großes Risiko ein.

(vdv)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

In ARD: Covid-19-Patientin berichtet von Corona-Nachwirkung

Die Brände im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Lesbos war die Nachricht des Tages und verdrängt selbst die Diskussion um den Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny auf die unwichtigeren Plätze bei "Maischberger. Die Woche". Der Brand in Moria sei "eine Katastrophe mit Ansage", befindet "taz"-Kolumnistin Bettina Gaus in der ARD.

Wie es zum Brand kommen konnte, ist bisher noch nicht erwiesen. Aber Gaus findet: "Falls das Lager von Geflüchteten angesteckt wurde, …

Artikel lesen
Link zum Artikel