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Kevin Kühnert bei "Markus Lanz" im Gespräch mit "Welt"-Journalist Robin Alexander. bild: zdf mediathek / screenshot

Kevin Kühnert gerät bei "Markus Lanz" ins Kreuzverhör

Kevin Kühnert, Vize-Chef und Nachwuchshoffnung der SPD, hat in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" eine Voraussetzung für eine Koalition mit der Linkspartei genannt. In der Diskussion mit Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur Politik der "Welt" und Moderator Markus Lanz sagte Kühnert zur Frage, wie die SPD bei möglichen Koalitionsverhandlungen umgeht, dass Teile der Linkspartei auf Menschenrechtsverletzungen in Russland mit "dröhnendem Schweigen" reagierten:

"Es wird keine Koalition am Ende geben mit Parteien, egal wie die dann heißen, bei denen ein Koalitionsvertrag 'bei rauskommt, in dem man Menschenrechtsverletzungen in Russland oder anderswo ausschweigt – um Rücksicht auf das politische Bündnis zu nehmen. Eine solche Regierung wird nicht zustande kommen."

Kühnert "Dafür werfe ich nicht Werte über Bord"

"Welt"-Journalist Alexander und Talkmaster Lanz nahmen Kühnert zu einem möglichen Bündnis der SPD mit den Linken minutenlang in eine Art journalistisches Kreuzverhör. Alexander konfrontierte Kühnert etwa mit den Positionen von Linken-Fraktionsvize André Hunko, der schon Unterstützung für das Regime in Venezuela und Verständnis für autoritäre Machthaber wie den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko geäußert hat.

Kühnert entgegnete, dass er sich selbst schon von Hunko distanziert habe und ihn weiter kritisiere. Lanz sagte darauf wiederum, dass jemand wie Hunko ja "mit im Paket" sei, wenn die Linken mit der SPD koalieren sollten. Kühnert antwortete wiederum darauf:

"Wir haben ja auch mit der CDU koaliert, als Erika Steinbach da noch an Bord war"

Ein Verweis auf die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Steinbach, langjährige Vorsitzende des Bunds der Vertriebenen und Vertreterin des rechten Flügels der Partei. Steinbach steht heute der AfD nahe.

Der SPD-Vize Kühnert sagte kurz darauf, er werde der Linken keine Empfehlungen geben, "wie ihr Wahlprogramm auszusehen hat". Auf die Aussage Alexanders, dass die Linke sich momentan eher weg von vernünftigen Positionen bewege, sagte Kühnert, man könne sich bei der SPD Koalitionen mit allen demokratischen Parteien vorstellen – und dazu gehöre "im Wesentlichen" auch die Linke.

Alexander fragte nochmals zurück – und verwies darauf, dass die Berliner SPD 2001, vor der ersten Koalition im Land mit der Linken, von der Partei (die damals noch PDS hieß) Zugeständnisse gefordert habe, wie eine Distanzierung von DDR-Nostalgikern. Heute hingegen drücke Kühnert nur "den Vernünftigen in der Linken die Daumen".

Kühnert wies das zurück – und sagte zunächst, dass ja noch 13 Monate bis zur Bundestagswahl vergehen müssten und die Linken noch nicht mal ein Wahlprogramm hätten. Dann stellte er in Richtung Alexander klar:

"Sie glauben doch nicht, dass wir eine Regierung eingehen mit Leuten, die sich noch klammheimlich über die deutsche Geschichte mit Mauer und Stacheldraht und allem freuen."

Lanz und Alexander ließen daraufhin nicht locker, fragten etwa, warum denn SPD-Chefin Saskia Esken "ohne Not" (Zitat Lanz) Sympathie für eine Koalition mit der Linken geäußert habe.

Kühnert sagte daraufhin zum einen: "Ich mach' ja auch gar kein Hehl draus, dass ich mir diese Verbindung vorstellen kann". Er ergänzte, SPD und Linke hätten beide den Anspruch, "dass die Union nach 16 Jahren an der Regierung dann auch mal in eine Verschnaufpause geschickt werden sollte". Und schließlich meinte Kühnert zu Rot-Rot-Grün:

"Mir ist das lieber als andere Verbindungen, aber dafür werfe ich Werte nicht über Bord, auch ich nicht."

Kühnert ging in der Talkrunde vorsichtig auf Distanz zu Altkanzler Gerhard Schröder – der seit Jahren wegen seiner Lobby-Tätigkeit für russische Staatskonzerne in der Kritik steht. Schröder ist aktuell Aufsichtsratschef des Energieriesen Rosneft, an dem die russische Regierung die Mehrheit der Anteile hält. Kühnert sagte dazu:

"Natürlich stelle ich mir die nach-aktive Zeit von hohen SPD-Vertretern anders vor."

Er wies aber auch darauf hin, dass die SPD ehemaligen Amtsträgern in der Partei keine Vorschriften machen könne, was sie nach ihrer politischen Karriere zu tun hätten. Der SPD-Vize wörtlich:

"Unsere Mitglieder sind ja nicht Leibeigene der SPD."

Kühnert wünscht sich aber mehr Distanz zu Politikern wie Gerhard Schröder. Dazu gehöre zum Beispiel, "dass man sie nicht als Honoratioren einlädt bei jeder Gelegenheit." Das "färbt dann natürlich auch ab und wirft Fragen auf", sagte Kühnert.

Schröder werde aber, anders als vor der Bundestagswahl 2017, diesmal keine Rolle im Wahlkampf der SPD spielen, ergänzte er. Kühnert vermutet nach eigener Aussage auch, dass Kanzlerkandidat Olaf Scholz an einer Unterstützung durch Schröder nicht interessiert ist. "Wir hätten das in der Vergangenheit mitbekommen, wenn es dieses Interesse gäbe."

(se)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Apollo 27.08.2020 20:07
    Highlight Highlight Finde auch, dass Lanz ihn ständig unterbrach, dazwischenredete oder Worte verdreht hat, um eine Konfrontation herbeizuführen.....zum Glück hat HR.Kühnert Ruhe bewährt und sich nicht aus dem Konzept bringen lassen.
    War auf jedenfall kein feiner Zug von HR.Lanz.......Benehmen ist halt Glücksache......😠
  • RoLo43 26.08.2020 13:19
    Highlight Highlight Die Allzweckwaffe "Menschenrechte" zeigt immer Wirkung. Auch Herr Kühnert lässt sich diese wie einen Ring durch die Nase ziehen und durch die Manege führen. Die Redaktion von "watson" könnte sich mit diesem Thema wirklich einen Lorbeerkranz verdienen, wenn sie das Thema Menschenrechte (individuelle, soziale und politische) umfassend historisch, weltanschaulich und kulturell, bis zur UN-Charta und darüber hinaus, aufarbeiten würde. Den Begriff (das Wort) liest man fast jeden Tag, Definitionen und inhaltliche Erläuterungen findet man aber fast nie.
  • Rotgrüngespenst 26.08.2020 12:01
    Highlight Highlight Lanz betreibt wohl hier bewusst eine Schlacht gegen rot und grün, auch bei Baerbock hat er sich Verstärkung geholt, so auch gegen Kühnert. Dann aber sich hinstellen und Klimawandel und ökologische Themen so wichtig zu finden - puh. Ist Lanz eher im konservativen Lager zuhause, eher „schwarz“ angehaucht? Scheint so. Leider redet er auch immer viel zu viel rein und lässt bestimmten Personen natürlich keine Bühne.
    • Kolos 26.08.2020 13:32
      Highlight Highlight Ich finde es gut, dass Lanz objektiv ist und nimmt alle ins Kreuzverhör. Die AFD wird nicht mehr eingeladen, dann sollen die Anderen auch erleben, wie sich diese Art und Weise anfühlt. Jetzt wird hier wieder polarisiert, ob er rechts, schwartz... zu Hause ist. Er soll, wie die anderen Medien auch, neutral sein und nicht immer eine, nur die rechte Seite zu kompromitieren. Er stellt berechtigte Fragen und macht nicht alles nur rosig. Sonst hätte man keine Interesse, sich die Sendung anzuschauen.
    • Jaisalmer 26.08.2020 15:39
      Highlight Highlight Lanz und objektiv ist ja wohl ein Witz. Hast du die Sendung gesehen? Da war gar nichts objektiv. Er hat ihm Worte in den Mund gelegt, verschoben und ihn nicht ausreden lassen.

      Und eine Partei, in der sich nachweislich Faschisten befinden, sollte man sowieso keine Plattform geben. Oder denkst du, wir haben aus 1933 nichts gelernt?
    • bratenbengel 26.08.2020 19:49
      Highlight Highlight wir leben in einer demokratie. afd ist gewählt. auch da gibt es genügend anders denkende. oder meinst du, alle afd-wähler sind dumme rechte, oder auf dem land leben viele grüne wähler? ich habe von den genossen genug. was ist denn unter schröder nur rausgekommen. augen auf. das ist jetzt das ergebniss seiner spd-roten politik. prima gemacht, ihr genossen. ich finde, das schad euch nichts.
  • bratenbengel 26.08.2020 11:41
    Highlight Highlight vom kevin kühnert hatte ich nichts weiter erwartet, als immer diese gleichen phrasen. bravo kevin, hast mich nicht enttäuscht. was soll denn auch jemanden aus dem mund sprudeln, wenn man im bisherigen leben nichts gelernt oder jemals gearbeitet hat. ausser dummes parteigelabere. der apfel fällt nun mal nicht weit vom stamm. (eltern und partei)
    • RoLo43 26.08.2020 13:31
      Highlight Highlight In unserer Gesellschaft, in der die Mehrheit kaum noch einer beruflichen Tätigkeit nachgeht, sondern nur noch Jobs ausführt, ist es doch legitim und sehr ehrenwert, wenn ein junger Mensch an politischer Arbeit Interesse findet, und nach dem Prinzip "learning by doing" in das Politikgeschäft einsteigen will. Da Politik als Interessenverfolgung definiert ist, ist es doch viel bedeutsamer, wo sich der junge Mann konkret verorten lassen will. Und da zeigt er eigentlich für mich akzeptable Ansätze.
    • Jaisalmer 26.08.2020 15:43
      Highlight Highlight Kevin Kühnert hat gar keine Phrasen benutzt. Ich bin sicher, du hast die Sendung überhaupt nicht gesehen.
      Und immer dieses Totschlagargument, er hätte nicht gearbeitet.... er hat 3 Jahre lang in einem Call center zu Mindestlohn gearbeitet. Was haben denn solche Politiker wie Amthor und Ziemiak geschafft? Ziemiak hat auch keinen Abschluss.
      Lieber ist mir ein Politiker der sich für die Leute einsetzt, als einer der Steuergelder verprasst oder andere Klüngeleien betreibt (Amthor, Klöckner ect.)
    • bratenbengel 26.08.2020 19:43
      Highlight Highlight mir schaudert davor, solch politiker irgend wann einmal im bundestag zusehen. dann meinen diese typen wie kevin, mir sagen zu wollen, was ich zu machen habe und was nicht. schreckliche, arme genossenpartei, die sich immer wieder, bei wirklich schlechten wahlergebnissen, versucht auch noch mitregieren zu wollen und mit immer wieder dummen argumenten versucht, wähler zu erhaschen. merken die denn gar nicht, was das volk will. klar callcenter, weil der typ keine berufsausbildung hat. eine berufsausbildung wäre sinnvoll gewesen. aber wozu, dumm schwätzen hat geht immer.
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  • celine01 26.08.2020 11:08
    Highlight Highlight Deutschland sollte zuerst einmal im eigenen Land für Ordnung sorgen. Was ist mit der menschenunwürdigen Umgangsweise mit Obdachlosen und Hartz IV Empfängern. Während dessen sich die Reichen und auch die Abgeordneten imm er mehr bereichern.
  • stahlbau-grauerwolf 26.08.2020 10:58
    Highlight Highlight habe noch nie erlebt, das Lanz Politik im Alleingang
    durchzieht, da holt er sich immer Verstärkung von/mit
    Leuten die richtig mit draufschlagen können.
    Einfach unerträglich; Quatschsendung !
  • Jaisalmer 26.08.2020 09:00
    Highlight Highlight Lanz gestern Abend mal wieder unerträglich.
    Dieses dauernde Unterbrechen seiner Talkgäste ist unprofessionell und unhöflich.
    Wenn er nur auch mal Politiker der CDU so in die Zange nehmen würde wie Kevin Kühnert. Es war eine Sendung zum Abschalten, schade.
    • abby57 26.08.2020 13:40
      Highlight Highlight Ich muss Ihnen so was von Recht geben. Ich habe zwar nicht abgeschaltet, weil ich noch einiges Erfahren wollte, lohnte sich in der Tat nicht mehr & bereue es, doch nicht Abgeschaltet zuhaben.

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