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Symbolbilder: Internet-Ausfall im Bundestag Bundestag Daten Bundestag Daten

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Bild: imago stock&people/getty images/Watson montage

++ Jagd nach den Hackern ++ NSA hilft offenbar ++ Anonyme Anrufe bei Martin Schulz

Seit den frühen Morgenstunden kochen die Spekulationen hoch. Es ist wie so oft, wenn es einen massiven digitalen Zwischenfall gab. Es war so, als der Bundestag 2015 Ziel eines Hacker-Angriffs wurde. Es war auch so, als die Würmer "WannaCry" und "Notpetya" sich durch die virtuelle Welt bohrten. Auch vor einem Jahr, als deutsche Parteien einen weiteren digitalen Einbruch bemerkten, war es so: Es läuft eine fieberhafte Debatte über die Hintergründe. Und alle suchen nach den Urhebern.

Es wird gefragt: was ist eigentlich genau passiert? Wer ist betroffen? Wer steckt dahinter? Die Antworten auf all diese Fragen sind meist schwierig herauszubekommen.

Auch diesmal sind zahlreiche Politiker und Prominente Opfer eines massiven Datendiebstahls geworden. Eine riesige Menge persönlicher Daten wurde im Internet veröffentlicht, und zwischen den üblichen Verdächtigen Russland und China beschäftigen sich die Online-Spekulationen auch mit einem oder mehreren möglichen Online-Trollen mit rechtsextremen Hintergrund als Auslöser.

Wir haben euch den aktuellen Stand der Fakten einmal zusammengefasst:

Wann ist das passiert?

Schon im Dezember wurden über einen Account auf Twitter Links zu Datensätzen im Stil eines Adventskalenders von Tag zu Tag veröffentlicht. Das Twitter-Konto war am Freitagmorgen zunächst noch erreichbar, wurde später aber gesperrt.

Die Bundesbehörden erfuhren in der Nacht zum Freitag von der Angelegenheit, im Kanzleramt ging die Information laut Vize-Regierungssprecherin Martina Fietz kurz vor Mitternacht ein. Die Regierung nimmt den Vorfall ihren Worten zufolge "sehr ernst".

Den Behörden wirklich aufgefallen war der Leak offenbar durch anonyme Anrufe bei Martin Schulz. Unter Berufung auf Sicherheitskreis schreibt die dpa: Ein Mitarbeiter von Schulz habe sich am Donnerstagabend an die Polizei Aachen gewandt, weil Schulz Anrufe von Fremden auf seine nicht öffentliche Nummer bekam, in der Nacht zum Freitag habe dann der Bundestag erfahren, dass es zahlreiche weitere solcher Fälle gibt.

Wer ist betroffen?*

Etwas mehr als 1000 Abgeordnete sind betroffen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die SPD-Parteivorsitzende Andrea Nahles, die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und viele andere. Auffällig ist: Die AfD ist nicht betroffen, obwohl die Daten bis in den Oktober 2018 reichen. Zudem sind viele der betroffenen Prominenten als Stimmen gegen Rechts offensiv aufgetreten, zum Beispiel Jan Böhmermann und bekannte YouTuber.

Das Regierungsnetzwerk der Bundesregierung ist laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nicht betroffen. Dafür aber Mitarbeiter in Kommunen und Städten. Allerdings berichtete die "Welt" am Abend, dass alle Bundesminister von SPD und CDU vom Hack betroffen seien.

*Eine Liste aller 1.012 betroffenen Politiker findest du am Ende des Artikels.

Woher stammen die Daten?

Die Daten stammen nach Experteneinschätzung nicht aus einer einzigen Quelle. Es sei ein Potpourri an Material aus verschiedenen Hacks, sagte der renommierte Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer der Nachrichtenagentur dpa. "Da hat jemand offenbar mit viel Fleißarbeit versucht, Mail-Accounts zu öffnen", so Fischer. Die erste Vermutung, dass ein zentraler Mail-Server des Bundestags geknackt wurde, habe sich nicht bestätigt. 

Das BSI geht gegenwärtig davon aus, dass die Daten aus öffentlichen Bereichen des Internets wie Sozialen Medien oder Webauftritten stammen sowie teilweise aus privaten "Clouddaten".

Wie detailliert sind die Daten?

Zum Teil wurden von Politikern oder dem Chef der Deutschen Umwelthilfe "nur" deren Handynummern oder E-Mail-Adressen veröffentlicht. Von vielen Betroffenen sind aber auch Scans der Personalausweise, Zeugnisse, Verträge mit Versorgern und sehr private Chats zu lesen. Veröffentlicht wurden vielfach auch Daten von Familienangehörigen, zum Teil auch von Kindern.

Wer steckt dahinter?

Der Hacker, der eine Vielzahl privater Daten von Politikern und Prominenten veröffentlicht hat, ist nach Informationen von t-online.de schon seit Jahren aktiv. Der YouTuber Tomasz Niemiec (DerTomekk) sagte, er habe noch in der Nacht zum Freitag mit dem Hacker gechattet.

Dieser habe vor allem Aufmerksamkeit bekommen wollen und diese Absicht in dem Chat geäußert. Dafür war er offenkundig bereit, massive Gesetzesbrüche zu begehen. Er hatte den Account von Youtube-Star Simon Unge gekapert – wegen dessen "idealer Reichweite". Unge hat zwei Millionen Follower auf Youtube.

Über den Account machte der Hacker Links zu den von ihm zusammengetragenen Daten publik. Während Unge selbst ein Video mit dem Titel "Ich wurde gehackt" veröffentlichte, bemühte sich Tomasz Niemiec darum, in Unges Auftrag den Account zurückzubekommen. Er schrieb an den gekaperten Account Direktnachrichten, der Hacker antwortete ihm - die ganze Tragweite des Hacks war ihm da noch nicht bewusst. Niemiec ist sich sicher: "Das war mit Sicherheit ein einzelner Hacker". (t-online.de)

BSI-Präsident Arne Schönbohm sagte während einer Pressekonferenz am Nachmittag, dass man unter anderem auch in Richtung "Hacktivismus" ermittle. Das deutet darauf hin, dass die Behörden in Betracht ziehen, dass die Leaks ideologisch gefärbt sind, eventuell aus dem rechten Spektrum kommen.

Sind die Daten korrekt?

Das ist noch unklar. Es könne zum Beispiel eine Mischung sowohl authentischer als auch gefälschter Daten sein. Der SPD-Abgeordnete Florian Post sagte, ein Teil der Daten von ihm sei echt, andere seien eine Fälschung.

Wieviele "Fälschungen" sich aber in den Dokumenten verstecken, ist bisher unklar. Bei Doxing-Kampagnen werden allerdings oft Wahrheit und Lüge vermischt, um einen möglichst großen Verwirrungs und Schock-Effekt zu erzeugen.

Wie geht es weiter?

In die Ermittlungen zu dem Fall sind zahlreiche Behörden involviert, darunter das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), das Bundeskriminalamt (BKA) und Sicherheitsbehörden in den Ländern.

Die Bundesanwaltschaft prüft, ob sie sich ebenfalls einschalten sollte. Die Ermittler versuchen herauszufinden, wer hinter der Sache steckt. Laut Innenministerium wollen sie zudem unterbinden, dass die Daten weiter im Internet abgerufen werden können. Betroffene sollen informiert werden und, falls nötig, Hilfestellung dabei bekommen, wie sie jetzt weiter vorgehen sollen.

Medienberichten zufolge hilft mittlerweile auch die amerikanische NSA den deutschen Behörden bei der Rückverfolgung und Untersuchung der Hintertüren, über die Informationen gesammelt wurden.

Gleichzeitig haben führende Politiker der Grünen Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Darunter auch der Parteivorsitzende Robert Habek, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Die Daten dieser 1.012 Politiker wurden veröffentlicht:

Gehackte Politiker der CDU/CSU

Gehackte Politiker der SPD

Gehackte Politiker der FDP

Gehackte Politiker der Linke

Gehackte Politiker der Grüne

(mbi/as/tol/dpa/afp)

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