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Markus Lanz lässt sich nicht gerne mit ausweichenden Antworten von Politiker abspeisen. Bild: Screenshot ZDF

"Das ist unmenschlich" – "Lanz"-Gast greift CDU-Politiker an

alexandra karg

Die Sorge von Friedrich Merz, das Partei-Establishment wolle ihm mit einer Absage des Parteitages den Vorsprung bei der Wählergunst um den Vorsitz der CDU strittig machen, waren das mediale Thema des Tages. Bei "Markus Lanz" musste sich an diesem Dienstagabend der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans für die Aussagen seines Parteikollegen rechtfertigen. Moderator Lanz pochte in dieser Sendung ganz besonders auf direkte Antworten und nahm den Ministerpräsidenten ordentlich in die Mangel. Autorin Thea Dorn übte scharfe Kritik an der Corona-Politik. Und dann war da noch die Frage: Wann wird es endlich einen Impfstoff geben?

Dies waren die Gäste bei "Markus Lanz" am 27. Oktober 2020:

Tobias Hans versuchte sich mit ausweichenden Antworten

Seit Absage des CDU-Parteitages aufgrund der Corona-Pandemie wittert Friedrich Merz eine Intrige gegen ihn. Kein Wunder, dass Markus Lanz es sich nicht hat entgehen lassen, den CDU-Gast in seiner Talkrunde, Tobias Hans, nach seiner Einschätzung zur Reaktion des Kandidaten auf den Parteivorsitz zu fragen.

Der Ministerpräsident des Saarlandes versuchte es zunächst, sich in typischer Politiker-Manier aus der Angelegenheit zu winden: Die Absage des Parteitages sei eine Vernunftentscheidung in der Corona-Krise gewesen, der Politiker könne nur für sich persönlich sprechen und finde generell, es gebe derzeit Wichtigeres als die Frage, wer neuer CDU-Parteivorsitzender wird.

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CDU-Politiker Tobias Hans hat an diesem Abend gleich zwei kontroverse Themen zu bestreiten. Bild: Screenshot ZDF

Seit Absage des CDU-Parteitages aufgrund der Corona-Pandemie wittert Friedrich Merz eine Intrige gegen ihn. Kein Wunder, dass Markus Lanz es sich nicht hat entgehen lassen, den CDU-Gast in seiner Talkrunde, Tobias Hans, nach seiner Einschätzung zur Reaktion des Kandidaten auf den Parteivorsitz zu fragen. Der Ministerpräsident des Saarlandes versuchte es zunächst, sich in typischer Politiker-Manier aus der Angelegenheit zu winden: Die Absage des Parteitages sei eine Vernunftentscheidung in der Corona-Krise gewesen, der Politiker könne nur für sich persönlich sprechen und finde generell, es gebe derzeit Wichtigeres als die Frage, wer neuer CDU-Parteivorsitzender wird.

Mit seiner Hartnäckigkeit entlockte Lanz dem CDU-Ministerpräsidenten Hans mehr und mehr deutliche Antworten. So gab der saarländische Ministerpräsident zu: "Ich habe schon Sorge, dass die Geschlossenheit der Partei an dieser Stelle in Gefahr kommt."

Hans mahnte: "Alle drei Kandidaten sollten alles daran setzen, dass am Ende des Prozesses die Geschlossenheit der Partei nicht in Gefahr ist."

Markus Lanz: "Jetzt habe ich dreimal gefragt und keine richtige Antwort bekommen"

Die entscheidende Frage für Markus Lanz bei dem ersten Thema an diesem Dienstagabend lautete jedoch: "Hat Friedrich Merz sich mit seinen Aussagen selbst beschädigt?" Tobias Hans versucht offenbar, mit einer klaren Meinung dazu hinter dem Berg zu halten und versucht es wieder mit ausweichenden Antworten. Doch nicht mit Markus Lanz. Der Moderator trat ein Frage-Antwort-Spiel los, bei dem die Antworten leicht variierten, die Frage jedoch stets die Gleiche blieb. "Nochmal die Frage: hat er sich damit geschadet?", fragt Lanz zum dritten Mal.

Und wieder flüchtete sich Hans in eine ausweichende Einschätzung: "Ich halte es jedenfalls für falsch, die Partei in Kategorien aufzuteilen, Establishment, Basis, wer gehört zu welcher Seite." Schließlich folgerte der Moderator: "Jetzt habe ich dreimal gefragt und keine richtige Antwort bekommen – ich nehme an, Friedrich Merz hat sich damit sehr wohl geschadet."

Tobias Hans stimmte Markus Lanz an dieser Stelle nicht klar zu – dementierte den Schluss des Moderators jedoch auch nicht. Lanz fackelte nicht lange und brachte direkt das nächste heiße Thema auf den Tisch: Das am Mittwoch bevorstehende Ministerpräsidenten-Treffen zur Corona-Krise.

Die Pandemie derzeit eine Art Dauerthema bei Markus Lanz. Kein Wunder, schließlich steigen die Zahlen derzeit täglich stark an. Für Ministerpräsident Tobias Hans steht am Tag nach seinem Besuch in der Sendung ein erneutes treffen mit den Länder-Chefs an, um über weitere und vor allem strengere Corona-Maßnahmen zu diskutieren. Markus Lanz nahm seinen Polit-Gast auch in dieser Sache ordentlich in die Mangel und rang ihm – diesmal mit mehr Erfolg – deutliche Antworten ab.

Tobias Hans fordert Corona-Einschränkungen im privaten Bereich

Tobias Hans sprach zunächst von einem "Wendepunkt" in der Krise und kündigte an: "Wenn wir jetzt nicht einschreiten, dann haben wir Anfang Dezember eine Überforderung unseres Krankenhausssystems." Eine Aufstockung der Intensivbetten sei nicht unendlich möglich und außerdem fehle es bei weiter steigenden Corona-Fällen an Pflegepersonal. Der Ministerpräsident des Saarlands erklärte: "Ich denke, man muss jetzt schon nochmal ein Signal setzen: Corona hat nichts an seiner Gefährlichkeit verloren. Wir müssen jetzt schon nochmal heftig gegensteuern."

"Was heißt das?", wollte Lanz direkt wissen und ob Restaurants künftig wieder schließen müssten. Tobias Hans meinte: "Wir sollten analysieren, wo wirklich Infektionsgeschehen passiert. Es ist vor allem im privaten Bereich. Da darf man den Menschen auch nichts vormachen. Das ist da, wo es am wehsten tut." Restaurants zu, ja oder nein, wollte Lanz wissen. "Man muss ja nicht gleich immer alles komplett zumachen", erklärte Hans, "Da haben wir intelligentere Konzepte. Ich glaube, der Einzelhandel muss auf jeden Fall offen bleiben."

Lanz ließ keine Zeit verstreichen und fragte weiter ab: "Was ist mit den Schulen?" Auch Schulen sollten laut Hans geöffnet bleiben: "Bei den Schulen ist es noch ein ganz anderer Aspekt. Ich möchte nicht, dass eine ganze Generation Corona heranwächst, die eine mangelnde Schulbildung hat."

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An diesem Abend ist die Corona-Pandemie wieder einmal das Hauptthema bei "Markus Lanz". Bild: Screenshot ZDF

Lanz sah darin einen Widerspruch und fragte kritisch: "Was ich nicht verstehe: Sie wollen im Grunde alles offen halten und gleichzeitig tun wir so, als wäre die Situation wahnsinnig dramatisch. Was ist unsere Strategie?" Der CDU-Ministerpräsident rechtfertigte sich: "Wenn ich sage, dass wir Kontakte reduzieren, dann bedeutet das im Freizeitbereich erhebliche Einschränkungen. Das heißt: Private Feiern gehen nicht mehr." Hans wolle keine Panik verbreiten, beschrieb die Alternative in der Talkshow jedoch als Worst-Case-Szenario: "Wenn man dies nicht tut, dann wird Anfang Dezember eine Überforderung stattfinden. Dann folgt eine Art Lockdown, wie wir ihn nicht einmal im März erlebt haben. Das können wir doch nicht wollen. Das kann sich Deutschland im Übrigen auch nicht leisten als Industrienation."

Ziel sei es, so bekundete Hans an späterer Stelle durch strengere Regeln an Weihnachten eine mögliche Öffnung zu erreichen. Die wirtschaftliche Lage sah Lanz als ein Beweis dafür, dass der Politik für die geplanten Einschränkungen die finanziellen Mittel fehlen würden. "Sehen Sie es mir nach", sprach er den Ministerpräsidenten noch einmal an, "daran sehen wir doch, Sie haben den Werkzeugkasten doch offensichtlich gar nicht mehr."

Autorin Thea Dorn kritisiert weitere Forderungen nach Kontaktbeschränkungen

Lanz holte nun Thea Dorn mit in die Diskussion. Der Autorin würde "sehr mulmig" bei der Vorstellung, es könnte weitere Kontaktbeschreibungen geben. Außerdem kritisierte Dorn den Ton in der Forderung neuer Einschränkungen aufgrund von Corona. Auf die vielen deutschen Single-Haushalte verweisend, richtete sich Dorn direkt an Tobias Hans: "Was erzählen Sie der Rentnerin, die alleine zuhause sitzt? Jetzt mit einer gewissen Gereiztheit zu sagen, nach dem Motto: 'Jetzt reißen Sie sich mal zusammen und schränken Sie Ihre Kontakte ein!' – ich finde das erstmal unmenschlich!" Zwar verstehe die Autorin die Schwierigkeit der politischen Entscheidungen, jedoch störe sie sich an der vermeintlich geltenden "Alternativlosigkeit".

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Bild: Screenshot ZDF

Mit Verweis auf die "Markus Lanz"-Sendung vom 21. Oktober 2020 und die im nachhinein diskutierten Aussagen des Präsidenten der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt zur Maskenpflicht kritisierte Thea Dorn: "Ich war schockiert, wie sehr dieser Mann in die Mangel genommen wurde." Dorn erklärte weiter: "Wenn wir nicht mehr unterscheiden, wie wir auf Wirrköpfe und wie wir auf kritische Köpfe reagieren, dann haben wir ein Problem." Mit dieser Aussage errang die Autorin sich zwar nicht das Verständnis des Moderators, brachte jedoch eine lebendige Diskussion in Gang.

Psychiater Manfred Lütz mischte sich ein. Er bewertete die Situation anders und wies darauf hin: "Ich stimme Frau Dorn voll zu, dass wir auch einen kritischen Diskurs brauchen. Das entscheidende Problem wurde hier jedoch nicht berührt: Die Rolle. Reinhardt ist Präsident der Bundesärztekammer – ich glaube, er hat seine Rolle in dieser Situation nicht richtig wahrgenommen." Manfred Lütz lobte daraufhin das Handeln der Politiker in der Corona-Krise hierulande und plädiert gleichzeitig für mehr Eigenverantwortung bei den Bürgern – so könnten auch strengere Maßnahmen durch die Politik verhindert werden. Lütz meinte: "Ich bin im Moment der Meinung, weil wir wenig wissen, sicherheitshalber besser mehr tun, als vorgeschrieben ist – und dann könnte auch der Druck auf die Politik, in den Privatbereich einzugreifen, zurückgefahren werden."

Auch wenn der Psychiater Manfred Lütz das Handeln der deutschen Politiker und Politikerinnen in der Corona-Krise schätzt, so störe ihn doch eine Figur in diesem Krisen-Schauspiel: "Diese Art von Söder-Festspielen finde ich absolut irritierend." Im Gegensatz zu Armin Laschet dränge Markus Söder sich zu sehr in den Vordergrund in der Bundespolitik. In bildhaftem und humorigem Ton erklärte Lütz: "Ich fühle mich von Herrn Laschet sehr erwachsen behandelt. Der hat nur leider immer Sorgenfalten im Gesicht und ist deswegen nicht so beliebt wie Herr Söder, der sich breitbeinig hinstellt und sagt, hier fahren wir jetzt lang." Statt den Retter auf der Titanic zu spielen, solle Söder sich besser in das Handeln aller Ministerpräsidenten einordnen.

Aus psychologischer Sicht bewertete der Psychiater die Corona-Krise später als "etwas nicht nur Negatives". Vielmehr relativierte der Psychiater Lütz die depressiven Gefühle gegenüber der gesamten Krisensituation: Wenn alle Angst hätten, dann sei die ängstliche Reaktion des Individuums eine normale Reaktion.

Zum Schluss, ein Blick in die Zukunft

Virologin Dr. Christine Dahlke forscht gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern in Hamburg an einem geeigneten Impfstoff gegen das Corona-Virus. Sie sollte dem Publikum nach der bisherigen Debatte zum Corona-Virus noch erklären, wo dieses eigentlich seine Schwachstelle hat. Im Stachel lautete die Antwort. "Was ist an diesem Stachel so spannend?", wollte Markus Lanz wissen.

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Virologin Dr. Christine Dahlke ist an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes beteiligt. Bild: Screenshot ZDF

Der Stachel, so stellte sich anhand der Erklärung der Virologin heraus, ist so etwas wie der Schlüssel im Kampf gegen den Virus. "Der Stachel ist an dem Virus dran und der bindet diesen an die Zellen der Menschen. Wenn es zu einer Bindung kommt, kann das Virus in die Zelle hereingehen und sich vermehren." Entsprechend sei es das Ziel, die Bindung von Stachel und Zellen zu verhindern.

Und dann blieb da nur noch die Frage aller Fragen: Wann wird es endlich einen Impfstoff gegen das Corona-Virus geben? Die Antwort der Virologin fiel so zuversichtlich wie nüchtern aus: "Es wird einen Impfstoff geben – doch es bleibt die Frage, welche Wirkung und welche Art von Schutz der Impfstoff haben wird." Brauchen alle Menschen die gleiche Impfung, junge wie alte? Wie lange wird eine solche Impfung schützen? Brauchen wir Auffrischungen? Auch wenn es in dieser "Markus Lanz"-Sendung viele Antworten gab ­– bei diesem Thema blieben erwartungsgemäß vielmehr offene Fragen.

Spannend geht es auch im US-Wahlkampf. In der kommenden Woche wird die US-Präsidentschaftswahl stattfinden und dann wird sich entscheiden ob Trump oder Biden das Land die nächsten vier Jahre regieren werden. Journalist Elmar Theveßen erklärte, die USA befinde sich so kurz vor der Wahl im Aufbruch. Er sagte: "Die Amerikaner wachen langsam auf." Dies zeige sich schon jetzt an einer "unglaublichen Wahlbeteiligung". Bereits an diesem Dienstagabend hätten schon rund 66 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben, fast die Hälfte von denen, die vor vier Jahren insgesamt gewählt haben.

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"Wieder Anstand im Weißen Haus": Deutsche Politiker reagieren erleichtert auf Bidens Wahl

Deutsche Politiker haben sich erleichtert über die Wahl Joe Bidens zum Präsidenten der USA geäußert.

Biden bringe "Anstand und Verlässlichkeit" ins Weiße Haus zurück, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gegenüber watson. Der Vizechef der Sozialdemokraten Kevin Kühnert, wies auf die großen Herausforderungen hin, die jetzt vor Biden und seiner Vizepräsidentin Kamala Harris lägen.

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