Deutschland
Bild

Am Mittwochabend war Mike Mohring (CDU) im ZDF bei Markus Lanz zu Gast. zdf-screenshot

Mohring wirbt für die "Minderheit aus der Mitte" in Thüringen – Lanz urteilt hart

Was will Mike Mohring eigentlich? Also, so politisch? Nach der Wahl in Thüringen? Dort hat der CDU-Politiker mit 21,8 Prozent am Sonntag ein historisch schlechtes Ergebnis für seine Partei eingefahren. Am Tag nach der Wahl schloss Mohring eine Koalition mit dem linken Ministerpräsidenten Ramelow ausdrücklich nicht aus – nur, um noch am selben Tag aus Berlin und von der eigenen Fraktion in Thüringen zurückgepfiffen zu werden.

Mohring war bei Lanz sofort in Defensive: Der ZDF-Moderator erinnerte an Mohrings Äußerungen im ARD-Morgenmagazin am Tag nach der Thüringen-Wahl. Mohring hatte am Montagmorgen bekannt, Verantwortung zu übernehmen – womöglich auch mit den Linken. Später dann die Kehrtwende.

Weil die CDU bei der Wahl die meisten Erststimmen erhalten hat, sieht Mohring seine Partei weiter in der Regierungsverantwortung. Mohring will mit Ramelow nun reden – auch wenn er keine Koalitionsabssichten hat und eine Minderheitsregierung der Linken auch nicht dulden will.

Markus Lanz und Mike Mohring diskutieren Thüringen-Wahl

Zwischen Mohring und Lanz kam es in der Folge zu einer absurden Diskussion. Lanz fragte: "Aber worüber sprechen Sie, wenn Sie nicht mit ihm koalieren wollen?" Mohring antwortete: "Über die Zukunft des Landes: Wie er sich vorstellt, wie weiter regiert werden kann. Und ich will mit ihm auch darüber reden, was er für Ideen hat."

Bild

Mohring am Mittwochabend im ZDF. zdf-screenshot

Wozu solche Diskussionen führen soll, wenn erklärterweise nicht zu einer Koalition, das ließ Mohring offen. Eine Koalition mit den Linken schloss Mohring im ZDF immer wieder aus: "Für heute und für morgen und für übermorgen."

Die machtpolitische Perspektivlosigkeit seiner Partei in Thüringen verklärte Mohring zur Entschlossenheit: "Wichtig ist doch, dass Politiker nicht rumschwurbeln, sondern eine klare Position haben. Und die hab ich: keine Koalition mit der Linkspartei und keine Koalition mit der AfD. Und dabei bleibe ich."

Bild

zdf-screenshot

Für Mohring ist klar: "In Thüringen ist nur eine Minderheitsregierung möglich." Dem ambitionierten CDU-Politiker schwebt eine Koalition aus CDU, SPD, Grüne und FDP vor – er nennt das die "Minderheit aus der Mitte". Eine Simbabwe-Koalition als Minderheitsregierung.

Die will Mohring sondieren. Doch dafür muss erstmal geklärt werden, ob die fünf Stimmen, mit denen die FDP laut aktueller Auszählung tatsächlich im Erfurter Landtag sitzen wird, bestand haben.

Lanz harte Schlussfolgerung: "Wenn man alle Verlierer zusammennimmt, hat man einen Gewinner." Mohring sah das anders: Er sieht in der Minderheitsregierung unter Führung der CDU "etwas ganz Neues". Dieses "ganz Neue" wäre allerdings dann bei jedem Beschluss auf die Zustimmung von Linkspartei oder AfD angewiesen, um auf eine Mehrheit im Landtag zu kommen – Mohring wäre also auf jene Parteien angewiesen, mit denen er partout nicht koalieren will.

(pb)

Die Geschichte des Bundestages in 17 Daten

Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

Play Icon
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Interview

Ökonom zu Friedrich Merz als Kanzler: "Das wäre für Deutschland fatal"

Er bezeichnet sich selbst als Mann aus dem "gehobenen Mittelstand". Bis vor kurzem war er noch Aufsichtsratsvorsitzender bei Blackrock in Deutschland, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Friedrich Merz scheint sich auszukennen in der Welt der Wirtschaft und ist der Wunschkandidat des Wirtschaftsflügels der CDU.

Mit seinem Kommentar, dass man Altersarmut vorbeugen könne, indem man mit Aktien vorsorge, erntete er vor einiger Zeit viel Kritik. Merz wird immer wieder vorgeworfen, arrogant zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel