Deutschland

So stark hat die Wahl Bayern politisch verändert – 6 Karten

Wo büßte die CSU am meisten ein und wo die SPD? Wo konnten die Grünen hinzugewinnen und wo sind eigentlich die Freien Wähler stark? Die interaktiven Stimmkreiskarten verraten es.

David Ruch

Die Landtagswahl 2018 in Bayern hatte wahrlich historische Dimensionen. Historisch ist das schwache Abschneiden der CSU, die zuletzt vor 64 Jahren weniger als 40 Prozent erzielte. Historisch ist der Erfolg der Grünen, die ihre Stimmen mehr als verdoppelten und wohl dennoch Opposition bleiben werden. Historisch ist die Wahl auch deshalb, weil mit dem Wiedereinzug der FDP und dem erstmaligen Einzug der AfD nun sechs Parteien im Landtag vertreten sind. Wo Gewinner und Verlierer dieser Wahl besonders zulegten oder am meisten verloren haben, verrät ein Blick auf die Ergebnisse in den Stimmkreisen.

Franken, das Sorgenkind

Die Franken haben es schwer im Amt des Ministerpräsidenten von Bayern. Günther Beckstein hielt nur ein Jahr in der Staatskanzlei in München durch. Markus Söder fuhr nun ein historisch schwaches Ergebnis für seine Partei ein. Dabei halten sich die Verluste der Christsozialen in der Heimat des amtierenden Landesvaters noch in Grenzen. Zwischen vier und sechs Prozent pendeln die Minuswerte der CSU in den meisten Stimmkreisen in Ober- und Mittelfranken.

Anders das Bild im Süden Bayerns: Im Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen in Oberbayern ging es um satte 20,6 Prozentpunkte abwärts. In Rosenheim-Ost, ebenfalls in Oberbayern, verlor die CSU 15,2 Prozent. Herbe Verluste verzeichneten die Christsozialen auch in Schwaben und in Niederbayern, etwa in den Landkreisen Kelheim (Minus 15,6 Prozent), Landshut (Minus 15,1 Prozent) oder Kaufbeuren (Minus 14 Prozent).

Die Städte wählten grün

Nirgendwo sind die Grünen so stark wie in den Städten. In München gewann die Partei gleich vier Stimmkreise direkt, und das meist mit großem Abstand. Überragend das Ergebnis von Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann in München-Mitte: 44 Prozent bei den Erststimmen. Der CSU-Kandidat Hans Theiss folgt mit 27,7 Prozentpunkten Abstand.

In München-Giesing, München-Schwabing und München-Milbertshofen, dem Stimmkreis von Spitzenkandidatin Katharina Schulze, kamen die Grünen auf jeweils mehr als 31 Prozent. Ganz knapp war das Rennen in Würzburg, wo Grünen-Spitzenmann Patrick Friedl das Rennen ums Direktmandat mit 29,9 zu 29,2 Prozent gegen Oliver Jörg von der CSU gewann. Beim Gesamtstimmenanteil war die CSU hier wiederum ganz knapp vor den Grünen (30,4 zu 29,4 Prozent).

Die Grünen legten aber auch in einigen ländlicheren Bezirken kräftig zu. In Starnberg erzielte die Partei 26,5 Prozent, in Landsberg am Lech/Fürstenfeldbruck-West 24,6 Prozent, in Lindau/Sonthofen 21,2 Prozent.

Wo die Wirtschaft schwächelt, feiert die AfD Erfolge

Die wirtschaftliche Situation im Freistaat war selten besser als jetzt. In einer Infratest-dimap-Umfrage am Wahltag bewerteten 89 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Lage als gut. Jedoch ist die Wertschöpfung in Bayern unterschiedlich verteilt.

In einigen der wirtschaftlich schwächeren Regionen (gemessen am verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen) erzielte die AfD ihre besten Ergebnisse: Das stärkste in Regen/Freyung-Grafenau mit 16,2 Prozent. In den benachbarten Stimmkreisen Cham und Deggendorf kam die Partei auf 16 bzw. 15,6 Prozent. Die AfD konnte aber auch in einigen wirtschaftlich prosperen Regionen überdurchschnittlich punkten: so in Günzburg (14,1 Prozent) oder Augsburg-Land/Dillingen (13,1 Prozent).

So viele gingen schon lange nicht mehr wählen

Die Wahlbeteiligung hat im Vergleich zur letzten Landtagswahl 2013 deutlich zugelegt. Mit rund 72 Prozent war sie so hoch wie seit den frühen 80er Jahren nicht mehr. Deutlich unter 70 Prozent blieb sie in einigen Regionen entlang der tschechischen Grenze wie in Regen/Freyung-Grafenau (67,5 Prozent), aber auch in Neu-Ulm und Günzburg – allesamt Stimmkreise, in denen auch die AfD gut abschnitt.

Unterdurchschnittlich war die Wahlbeteiligung aber auch in einigen städtischen Bezirken wie in Augsburg Stadt-Ost (65,1 Prozent), Erlangen-Stadt (67,8 Prozent) oder in Nürnberg-West, wo mit 59,9 Prozent die Wahlbeteiligung so niedrig wie sonst nirgendwo in Bayern war.

TV-Richter Alexander Holt räumt ab

Die Freien Wähler (FW) haben bei der Landtagswahl in Bayern ihr historisch bestes Ergebnis eingefahren. Und nicht nur das: Künftig dürften sie nach jetzigem Stand auch in der Regierung vertreten sein. Ministerpräsident Markus Söder hat bereits klar gemacht, dass er ein bürgerliches Bündnis anstrebt. Die Grünen dürfte er damit nicht gemeint haben.

Die Stammwähler der Freien Wähler, die seit 1998 bei Landtagswahlen in Bayern antreten und seit zehn Jahren im Parlament vertreten sind, leben vor allem im Osten Bayerns in Niederbayern und in der Oberpfalz. In Cham landete die Partei bei leichten Verlusten bei 18,8 Prozent. In Regensburg-Land kam sie auf 17,8 Prozent, in Regen/Freyung-Grafenau auf 16,2 Prozent. Ihr Top-Ergebnis fuhr sie in Kelheim mit 24,6 Prozent ein.

Hochburgen sind aber auch Teile Schwabings, etwa Kempten/Oberallgäu, der Heimatkreis von TV-Richter und FW-Politiker Alexander Holt, wo die Partei fast 20 Prozent holte. Oder Augsburg-Land mit einem Ergebnis von 19 Prozent für die Freien Wähler. Einen großen Satz machte die Partei in Neuburg-Schrobenhausen: plus 11,3 Prozent reichten im Ergebnis für 21,3 Prozent.

Und dann noch der Absturz der SPD

Noch dramatischer als der Einbruch der CSU waren die Verluste bei der SPD. Sie gab in Prozentpunkten ähnlich stark wie die Christsozialen nach, stürzte in der Rangfolge der Parteien in Bayern damit aber auf den fünften Platz ab.

Unterm Strich kann man sagen: Die SPD hat vor allem die Städte katastrophal verloren. In den neun München Stimmkreisen sackten die Sozialdemokraten um mindestens 15 Prozentpunkte ab. Für den neu gebildeten Stimmkreis München-Mitte, der sich 2013 noch auf die Kreise Hadern, Bogenhausen, Giesing und Schwabing aufteilte, betrug das Minus gemessen am heutigen Zuschnitt mehr als 22 Prozent. Ähnlich dramatisch sind die Verluste in Würzburg, Augsburg und Nürnberg.

Dieser Text erschien zuerst auf t-online.de.

Bayerische Politiker, die essen und trinken

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