Deutschland
Bild

Friseure verdienen häufig lediglich den Mindestlohn – oder sogar weniger. Bild: www.imago-images.de / Cavan Images

Experte: Wem eine zu schnelle Erhöhung des Mindestlohns am meisten schaden würde

Wer in Deutschland arbeitet, muss laut aktuellem Stand mindestens 9,35 Euro pro Stunden verdienen. Das findet (nicht nur) Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zu wenig – und will den Mindestlohn in naher Zukunft auf bis zu 12 Euro pro Stunde anheben.

Vor einer zu schnellen Anhebung des Mindestlohns warnt der Vorsitzende der Mindestlohnkommission, Jan Zilius. "Von heute auf morgen den Mindestlohn auf zwölf Euro anzuheben, wäre höchst problematisch", sagte Zilius der "Rheinischen Post" am Dienstag.

"Weil wir dann eine Überholung von laufenden Tarifverträgen in einem Umfang hätten, der mit unserer im Grundgesetz vereinbarten Tarifautonomie nicht mehr viel zu tun hätte", argumentierte er.

"Anders ausgedrückt: Wir würden mit einer zu schnellen Erhöhung auf zwölf Euro die Tarifverhandlungen für untere Lohngruppen obsolet machen."

Mindestlohn-Erhöhung um 1,10 Euro pro Stunde bis 2022

Die Mindestlohnkommission hatte Ende Juni eine Anhebung von 9,35 Euro auf 10,45 Euro pro Stunde bis 2022 empfohlen. Um danach eine noch kräftigere Erhöhung zu erzielen, will Heil der Mindestlohnkommission neue Vorgaben machen, wie er vergangene Woche angekündigt hatte. In dem Gremium stimmen Spitzenvertreter der Arbeitgeber und der Gewerkschaften über die Mindestlohnhöhe ab.

Zilius sagte, bei dem Thema sei "sicher in den letzten Jahren politisch noch mehr Druck in den Kessel gekommen". Trotzdem sei die Kommission weiter unabhängig. "Da muss man als Kommissionsmitglied und erst recht als Vorsitzender die Ruhe haben, die politische Diskussion gelassen hinzunehmen."

Heil will nach der Sommerpause Vorschläge vorlegen. "Wir müssen sehr aufpassen, dass wir mit den bestehenden Tarifvertragsregelungen nicht kollidieren", warnte Zilius. "Einen Mindestlohn, der in großem Umfang über geltende Tarifverträge hinausginge, also höher läge als die untersten Tarifgruppen, hielte ich für problematisch."

(ak/dpa)

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Markus Lanz provoziert Friedrich Merz: "Sie haben nichts zu sagen!"

Bei "Markus Lanz" war am Mittwochabend Friedrich Merz zu Gast. Dabei musste sich gleich zu Beginn der Sendung einige Provokationen gefallen lassen – und sich später erneut für seine homophoben Ausführungen zu der Frage nach einem schwulen Kanzler in Deutschland rechtfertigen.

Direkt nach der Vorstellung der Gäste geht es los: Moderator Markus Lanz stellt sofort eine direkte Frage an CDU-Politiker Friedrich Merz. "In Berlin wurde heute wieder Wichtiges besprochen und Sie waren nicht dabei. Wie …

Artikel lesen
Link zum Artikel