Deutschland

Diese krude Ideologie steckt hinter der rechten Terrorgruppe "Nordadler"

Mehrere Neonazis sollen unter dem Namen "Nordadler" eine terroristische Vereinigung gegründet haben. Am Dienstagmorgen durchsuchte die Polizei deswegen Wohnungen in mehreren Bundesländern. 

Das ist am Dienstag geschehen:

In Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein hat die Bundesanwaltschaft Wohnungen von Verdächtigen durchsuchen lassen. Von den vier Beschuldigten wurde zunächst niemand festgenommen. Dabei kamen auch Spezialeinsatzkommandos zum Einsatz. Durchsucht wurde außerdem eine Wohnung in Thüringen, die jedoch einer nicht tatverdächtigen Person gehören soll. 

Das sind die Vorwürfe:

Die Bundesanwaltschaft wirft den Verdächtigen vor, sich spätestens Anfang 2017 unter dem Namen "Nordadler" zusammengeschlossen zu haben. Ihr Ziel sei ein Wiedererstarken des Nationalsozialismus in Deutschland. Dazu habe die Gruppe auch Anschläge auf politische Gegner in Erwägung gezogen, jedoch noch nicht näher geplant.

Die Beschuldigten haben sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft bemüht, Waffen, Munition und Baumaterial für Brand- und Sprengvorrichtungen zu beschaffen. 

Sie erkennen die Polizei nicht an und gelten als gefährlich: Reichsbürger.

Wer sind die "Nordadler"?

Lediglich zu einem der Verdächtigen sind bislang Details bekannt – und die sind reichlich kurios: Es handelt sich bei dem mutmaßlichen Rechtsterroristen um einen 22-Jährigen aus Katlenburg-Lindau in Niedersachsen. Das Landgericht Braunschweig hatte den Mann im Dezember ausgerechnet als Helfer eines 27-jährigen IS-Sympathisanten zu einer Geldstrafe und gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Dies ist die Website der Gruppe "Nordadler"

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screenshot: watson

Der 22-Jährige hatte nach Überzeugung des Gerichts dem verurteilten Islamisten Sascha L. geholfen. Dieser war wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags auf Polizisten oder Soldaten zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt worden. Sascha L. soll vor seinem Übertritt zum Islam in der Neonazi-Szene aktiv gewesen sein. Zusammengefasst: Da hat der jetzt verdächtigte Neonazi einem Islamisten geholfen, der früher selber Neonazi war. 

Bis zu den Razzien am Dienstag war die Gruppe "Nordadler" auch bei Beobachtern der rechtsextremen Szene in Deutschland kaum bekannt. 

Schon die zweite Razzia bei mutmaßlichen Rechtsterroristen in diesem Monat:

Zwar hat die Gruppe neben einer eigenen Internetseite offenbar auch eine Facebookseite betrieben. Bis vor wenigen Tagen wurden dort jedoch kaum eigene Inhalte veröffentlicht.

"Die agieren offenbar seit mehreren Jahren", erklärte ein Sprecher der "Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus" in Thüringen. "Das deutliche nach außen Treten mit eigenen Projekten zeichnete sich jedoch erst in den letzten Wochen ab."

Nazi-Siedlungen und paramilitärische Übungen

In einem Facebook-Post vom 15. April kündigte die Organisation dann plötzlich ein eigenes Siedlungsprojekt in Nordthüringen an – in dieser Region fand am Dienstag auch eine der Durchsuchungen statt, wie die Bundesanwaltschaft auf watson-Nachfrage bestätigte.

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Screenshot: watson

In teilweise sehr fehlerhaftem Deutsch erklärt die Gruppierung in dem Post, sie habe bereits ein Grundstück mit Haus erworben. 

Dieses Haus will die Gruppe "Nordadler" gekauft haben:

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Screenshot: watson

Das ist laut dem Facebook-Post Ziel des Siedlungsprojektes (Fehler im Original):

"[...]eine echte auf Völkischem Bewusstsein Basierende Gemeinschaft Germanischem Glaubens, Atamanen oder Nationalsozialisten dazu zu verhelfen einen Machtfaktor über eine Wirtschaftsmacht sowie Schutz unserer Kinder die Zukunftsträger unseres Volkes sind auf die kommenden Ereignisse vor zu bereiten."

Dass die Gruppierung als gefährlich einzustufen sei, zeige etwa die Ankündigung paramilitärischer Übungen, so der Sprecher der "Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus". Auch von der Errichtung von "Schulungszentren für Politische Soldaten" ist in dem Post die Rede. 

Dafür, dass die Gruppe "Nordadler" in der rechtsextremen Szene bereits länger aktiv und auch vernetzt ist, spricht unter anderem die Anzahl an Likes bei Facebook. Obwohl bis vor kurzem kaum eigene Inhalte veröffentlicht wurden, "gefällt" die Seite mehr als 1600 Personen. Auch über einen Twitter-Account verfügt die Gruppe. Dort ist aktuell nicht ein einziger Tweet sichtbar. Dennoch hat der Account etwa 450 Follower – darunter mehrere Neonazi-Gruppen und der stellvertretende NPD-Vorsitzende Ronny Zasowk.

Der stellvertretende Vorsitzende der NPD folgt "Nordadler" bei Twitter.

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Screenshot: waston

Die krude Ideologie hinter der Gruppe "Nordadler"

"Völkische Siedler zählen zum Kern der neonazistischen Szene", sagte der Sprecher der "Mobilen Beratung". Sie lassen sich im ländlichen Raum nieder und gründen dort eigene Gemeinschaften – fernab von der angeblichen "Überfremdung" in den Großstädten. Nach außen wirken die Nazi-Siedler häufig erstmal wie etwas zurückgezogene "Ökos". An manchen Orten übernehmen sie jedoch ganze Dorfgemeinschaften und erschaffen Angsträume für alle politisch Andersdenkenden.

Die Internetseite der "Nordadler" offenbart jedoch noch ganz andere, krude Versatzstücke rechtsextremer Ideologie.

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screenshot: watson

Die mutmaßlichen Rechtsterroristen scheinen zu glauben, dass die Welt von Juden und Freimaurern beherrscht wird. Sie wollen der "internationalen Weltelite" einen "alten germanischen Geist" entgegenstellen, sprechen von einem "weltanschaulichen Kampf" um die "kommende Zukunft dieses alten Landes". 

Das Weltbild, das diese Texte offenbaren, ist ein klar nationalsozialistisches und von antisemitischen  Verschwörungstheorien geprägtes. Im Facebook-Post vom 15. April ist sogar davon die Rede, ein eigenes komplexes "Staatsgebilde" zu schaffen. Das erinnert vor allem an die in den letzten Jahren vermehrt aktive Reichsbürger-Szene, die die Bundesrepublik Deutschland nicht als legitimen und souveränen Staat anerkennt und vielfach eigene Fantasie-Staaten ausruft.

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Screenshot: watson

Ob und wann weitere Details zu der mutmaßlichen terroristischen Vereinigung bekannt gegeben werden, ist bislang unklar. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft wollte die laufenden Ermittlungen am Dienstag nicht weiter kommentieren.

(mit dpa)

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