Deutschland
Maaßen

Bild: imago montage

CDU-Chefin spricht über Parteiausschluss von Maaßen – und zieht Vergleich mit "Tea Party"

Kaum einer polarisiert innerhalb der CDU so stark wie Hans-Georg Maaßen. Annegret Kramp-Karrenbauer sieht bei dem Ex-Verfassungsschutzchef keine Gemeinsamkeiten mehr mit der Partei.

Nun hat sich die CDU-Chefin zu einem möglichen Parteiausschlussverfahren gegen Maaßen geäußert. "Es gibt aus gutem Grund hohe Hürden, jemanden aus einer Partei auszuschließen. Aber ich sehe bei Herrn Maaßen keine Haltung, die ihn mit der CDU noch wirklich verbindet", sagte Kramp-Karrenbauer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe auf die Frage, ob sie über einen Parteiausschluss Maaßens nachdenke.

Maaßen reagierte mit deutlicher Kritik.

"Es ist mir ein Rätsel, wer ihr dazu geraten hat, solche Gedankenspiele zu formulieren", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe in der Tat hohe Hürden für einen Parteiausschluss "und ich hätte im Leben nicht gedacht, dass diese Hürden mich einmal schützen müssten".

Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP hat Maaßen am Samstag nachgelegt und Annegret Kramp-Karrenbauer parteischädigendes Verhalten vorgeworfen: "Das schadet der CDU massiv und wird dem politischen Gegner massiv Mitglieder und Stimmen in die Arme treiben." Er halte es für "bedenklich im Sinne der innerparteilichen Demokratie, dass Personen, die nicht auf Linie sind, ausgegrenzt werden sollen".

Kramp-Karrenbauer sagte weiter, als ehemalige Landesinnenministerin des Saarlands sei sie "froh, dass Herr Maaßen keine Verantwortung mehr für den deutschen Verfassungsschutz" habe. "Die CDU hält es aus, wenn unterschiedliche Meinungen geäußert werden. Aber: Die CDU ist auch eine Partei, die von einer gemeinsamen bürgerlich-konservativen Haltung getragen wird. Eine Politik unter dem Deckmantel der CDU zu machen, die den politischen Gegner vor allem in den eigenen Reihen sieht, wird dieser Haltung nicht gerecht."

Maaßen wies die Vorwürfe zurück. "Nicht ich habe mich von den Positionen meiner Partei entfernt, sondern die CDU ist unter der früheren Parteivorsitzenden [Angela Merkel] weit nach links gerückt", sagte er. Die CDU sei im Gegensatz zu den dogmatischen Parteien des linken Spektrums immer eine Partei der Vielfalt gewesen. "Dass AKK mit dieser Tradition brechen will, glaube ich nicht. Es würde mich sehr enttäuschen, denn ich hatte immer Hochachtung vor ihr."

Maaßen gehört der kleinen konservativen CDU/CSU-Splittergruppe Werte-Union an.

Er war im Spätsommer 2018 als Präsident des Bundesverfassungsschutzes in die Kritik geraten, nachdem er offenbar ohne eingehende Prüfung die Echtheit eines Videos bezweifelt hatte, das nach der Tötung eines Mannes in Chemnitz eine Attacke gegen Migranten zeigt. Das Video erwies sich als authentisch.

Im November 2018 versetzte Bundesinnenminister Horst Seehofer Maaßen dann in den einstweiligen Ruhestand, nachdem dieser laut einem Redemanuskript von teils "linksradikalen Kräften in der SPD" gesprochen hatte. Maaßen hat seine Kritik an der Migrationspolitik von Kanzlerin Angela Merkel und der Bundesregierung auch zuletzt immer wieder bekräftigt.

Auf die Frage, ob sie Maaßen und der konservativen Werte-Union mit ihren Aussagen die gelbe Karte zeige, sagte Kramp-Karrenbauer: "Die Tea-Party-Bewegung in den USA hat die Republikaner ausgehöhlt und radikalisiert. Das wird die CDU, das werde ich als Vorsitzende, nicht zulassen. Es ist das gute Recht jedes Mitglieds, seine Meinung zu äußern. Der Versuch aber, eine gänzlich andere Partei zu schaffen, stößt auf meinen allerhärtesten Widerstand.

(hd/dpa)

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0

Hayali mit Appell an Corona-Demonstranten: "Hören Sie auf, sich rauszureden!"

Die ZDF-Journalistin Dunja Hayali hat nach den Corona-Demonstrationen am Wochenende in Berlin einen längeren Facebook-Post dazu veröffentlicht – der seither von tausenden Menschen verbreitet wird. An alle "Anständigen" gerichtet, die gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gegangen sind, richtet sie einen eindringlichen Appell: Es sei wichtig, die eigene Meinung zu äußern – aber man dürfe dadurch nicht Feinde der Demokratie bestärken, indem man an ihrer Seite marschiert.

Wer sich jetzt noch …

Artikel lesen
Link zum Artikel