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Der Grünen-Politiker Omid Nouripour lässt kein gutes Haar an Außenminister Heiko Maas. zdf/screenshot

"Markus Lanz" zum Iran-Konflikt: Grünen-Politiker Nouripour warnt vor "Kaskade der Gewalt"

Auch am Dienstagabend drehte sich bei "Markus Lanz" die Diskussion um die gezielte Ermordung des iranischen Top-Generals Qasem Soleimani durch die USA. Seitdem fliegen in Nahost erneut Raketen, die Lage ist unübersichtlich. Eine Eskalation scheint vorerst abgewendet, der Iran-Konflikt, allerdings schwelt weiter. Bei "Markus Lanz" kritisieren die Gäste besonders die EU und Deutschland.

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour, der mit 13 Jahren mit seinen Eltern aus Teheran nach Deutschland flüchtete, glaubt, dass noch eine "Kaskade der Gewalt" in der Region ausbrechen könnte. "Der Tod Soleimanis macht den Nahen Osten nicht stabiler. Ich glaube, eine echte Reaktion vom Iran darauf wird erst noch kommen. Die ist noch gar nicht erfolgt. Und dann gibt es eine Überreaktion, dann die Überreaktion auf die Überreaktion." Es ist ein düsteres Bild, das der Außenpolitik-Experte für Nahost zeichnet.

Er zweifelt zudem an der Begründung der Amerikaner für diesen Angriff, die behaupten, ihre Botschaften seien bedroht gewesen, und zieht Vergleiche zum damaligen Einmarsch amerikanischer Truppen in der Irak, nachdem Washington behauptet hatte, es gäbe vor Ort Massenvernichtungswaffen – die jedoch nie gefunden werden konnten.

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Gäste bei Markus Lanz (v.l.n.r.): Omid Nouripour, Kristin Helberg, Paul Panzer, Tim-Thilo Fellmer und Sebastian Fitzek. zdf/screenshot

Nouripour kritisiert bei Lanz die deutsche Außenpolitik

Doch es sind nicht die Amerikaner, die Nouripour enttäuschen, sondern vor allem Deutschland und die deutsche Außenpolitik:

"Deutschland ist in eine Angsthypnose vor den Amerikanern, Trump, dem Atomdeal und dem Iran gefallen."

Omid Nouripour bei "Markus Lanz"

Deutschland wolle "niemanden verärgern" und habe seiner Meinung nach deswegen nicht angemessen reagiert. Dass die erste Reaktion des deutschen Außenministeriums nach dem Angriff knapp 15 Stunden auf sich warten ließ, kann der Grünen-Politiker kaum glauben: "Das Auswärtige Amt wird immer langsamer". Und er richtet sich auch an Außenminister Heiko Maas (SPD): "Der will bloß niemandem weh tun. Wir sind mutlos Dinge zu tun, die den Amerikanern oder dem Iran nicht gefallen."

"Lanz": Zweifel an einer europäischen Lösung

Mit seiner Meinung ist er an diesem Abend in bester Gesellschaft. Die Politologin Kristin Helberg, die auch viele Jahre in Damaskus lebte und den Nahen Osten sehr gut kennt, ist Nouripours Meinung und unterstellt deutscher Außenpolitik sogar "Visionslosigkeit."

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Kristin Helberg ist Nahost-Expertin und ist enttäuscht von der deutschen Reaktion zum Iran-USA-Konflikt. zdf/screenshot

"Deutsche Außenpolitik ist ausgebremst von Sachzwängen innenpolitischer Probleme: Wir wollen keine Flüchtlinge."

Kristin Helberg bei "Markus Lanz"

Und sie führt weiter aus: "Mit innenpolitisch getriebener Außenpolitik kann man niemanden erreichen." Erdogan für das Zurückhalten der Geflüchteten zu danken, sei keine Außenpolitik, sagt die Nahost-Expertin. Ihrer Meinung nach brauche Deutschland dringend Antworten auf die Frage, wie es mit den Autokraten dieser Welt umgehen solle, die wie Putin, Erdogan oder auch Netanjahu ihre Interessen in der Region rigoros und mit Erfolg verfolgten.

Sowohl Nouripour als auch Helberg sind sich am Ende einig, dass es auf die Probleme keine europäische Lösung geben wird und dass darin auch nicht festgehalten werden solle. Vielmehr solle sich Deutschland Verbündete suchen, beispielsweise Frankreich oder auch Großbritannien, um auch militärisch in die Konfliktregion einzugreifen.

Moderator Markus Lanz bleibt an diesem Abend eher bei den Fragen und lässt den Experten Raum zur Diskussion. Er stellt zum Schluss fest, dass Omid Nouripour aufgrund seiner parteilichen Zugehörigkeit nicht nur kein "typischer Öko-Pazifist" ist, sondern auch der "pragmatischste Grünen-Politiker, den er jemals in der Sendung gehabt hat".

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