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montage Merkel Seehofer

Können sich freuen: Horst Seehofer und Angela Merkel Bild: imago montage

Menschen mit Migrationshintergrund wählen mittlerweile vor allem CDU/CSU

27.09.18, 17:45 27.09.18, 20:48

Manchmal ist Politik doch noch überraschend. Zum Beispiel diese Information hier: Die beliebtesten Parteien bei Menschen mit Migrationshintergrund sind einer neuen Studie zufolge aktuell... CDU und CSU.

In einer Umfrage sagten 43,2 Prozent der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die Unionsparteien gefielen ihnen am besten, wie der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) am Donnerstag mitteilte (ihre ganze Studie hier).

Das Fazit der SVR-Auswertung

"Menschen mit Migrationshintergrund bevorzugen nicht länger mehrheitlich die Parteien links der Mitte."

Die Gewinner im Vergleich 2016/2018

Die Verlierer im Vergleich 2016/2018

Die insgesamt über 19 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland würden ihr Kreuz sogar häufiger bei der CDU/CSU setzen, als Wähler ohne Migrationshintergrund. Dafür wählen sie im Vergleich seltener AfD, die Grünen oder die Linke.

Unterschied mit/ohne Migrationshintergrund

SVR-Integrationsbarometer

Bild: SVR-Integrationsbarometer

Zahlen ergeben sich vor allem durch türkeistämmige Frauen

Das starke Minus bei der SPD sei "vor allem auf den deutlichen Vertrauensverlust bei den Türkeistämmigen zurückzuführen". Diese hätten 2016 noch zu knapp 70 Prozent die SPD als liebste Partei genannt. In der neuen Erhebung habe sich dieser Wert nahezu halbiert auf 37 Prozent. Dagegen verfünffachte sich die Zustimmung der Türkeistämmigen zur CDU/CSU auf 32,9 Prozent. 

Präferenzen von Türkeistämmigen

SVR-Integrationsbarometer

Bild: SVR-Integrationsbarometer

Interessant: Diese Verschiebung ist auch geschlechtsbedingt. Während türkischstämmige Frauen 2016 die CDU/CSU noch kaum in Betracht zogen (2,9 Prozent) und vor allem im linken Spektrum wählten, stiegen die Sympathien für die Union in den letzten zwei Jahren bei ihnen auf satte 47,6 Prozent – ein Plus also von 44,7 Prozentpunkten.

Aber auch bei Zuwanderern aus anderen EU-Staaten konnten die Unionsparteien zulegen. Die gestiegenen Zustimmungswerte für die AfD sind der Studie zufolge vor allem auf einen deutlichen Anstieg bei den befragten (Spät-)Aussiedlern von 4,7 Prozent auf zwölf Prozent zurückzuführen. Die Linke verzeichnete in dieser Gruppe einen Anstieg von 11,5 Prozent auf 15,6 Prozent.

These der SVR zu den Spätaussiedlern

"Themen wie soziale Gerechtigkeit, aber auch die von Teilen der Linken vertretene restriktive Flüchtlingspolitik könnten Gründe für die wachsende Beliebtheit in dieser Herkunftsgruppe sein."

Wie die Zahlen erhoben wurden

Die Erhebung ist Teil des "Integrationsbarometers" des SVR. Dafür waren zwischen Juli 2017 und Januar 2018 knapp 9.300 Menschen befragt worden, davon rund 6.500 mit Migrationshintergrund: 1.438 (Spät-)Aussiedler, 1.532 EU-Zuwanderer, 1.479 Türkeistämmige sowie 1.760 Zuwanderer aus übrigen Ländern.

Allerdings stieß die Befragung nach Angaben des Sachverständigenrats auf erhebliche methodische Probleme. Letztlich sei nur in 6,4 Prozent der Fälle überhaupt ein auswertbares Interview per Telefon zustande gekommen.

Denn: 57,4 Prozent hätten eine Teilnahme verweigert. 14,8 Prozent legten direkt auf, noch einmal 5,7 Prozent brachen die Befragung mittendrin ab. In weiteren Fällen kam ein Interview wegen Sprachproblemen nicht zustande.

Die Reaktionen auf die Zahlen

Die Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli (SPD) sagte der Absturz der SPD sowie von Linken und Grünen "wundert mich nicht". Die drei Parteien hätten alle "wenig bis nichts gemacht, um Migranten für uns zu gewinnen". Dies müsse sich ändern.

Der Sachverständigenrat wies darauf hin, dass in Deutschland mittlerweile mehr als jeder Fünfte einen Migrationshintergrund hat, bei den Wahlberechtigten sind es mehr als zehn Prozent. Damit bildeten die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland für die politischen Parteien ein wichtiges "Potenzial nicht nur an Wählerinnen und Wählern, sondern auch an Mitgliedern und Funktionsträgerinnen und -trägern".

(jd/afp)

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