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Bild: imago images / Metodi Popow

Merkels Zittern: "Lasst doch bloß die arme Frau in Ruhe?" So einfach ist es nicht...

Die Kanzlerin zittert – und will nicht so recht sagen, was los ist. Dabei ist Angela Merkels Zittern eine öffentliche Angelegenheit, die Auswirkungen haben kann.

Johannes Bebermeier / t-online

Es ist wieder passiert. Angela Merkel zittert. Zum dritten Mal. Als die Bläser der Bundeswehr die deutsche Nationalhymne spielen und Merkel neben dem finnischen Ministerpräsidenten steht, schüttelt es ihren Körper durch. Sekundenlang.

"Mir geht es sehr gut", beteuert sie wenig später. Niemand müsse sich Sorgen machen.

Alles okay also? Wenn überhaupt, dann ist es eine reine Privatsache? Lasst doch bloß die arme Frau in Ruhe?

Merkels Zittern ist öffentlich

So einfach ist es nicht. Nicht nur Angela Merkel hat gezittert, Merkel die Privatperson. Gezittert hat die deutsche Bundeskanzlerin, die mächtigste Frau in Europa, sogar der Welt, wenn man der US-Zeitschrift "Forbes" glaubt. Und zwar öffentlich, im Amt und wiederholt. Das macht das Zittern zu einer öffentlichen Angelegenheit.

Es gibt ein Buch des deutschen Historikers Ernst H. Kantorowicz, ein sehr altes Buch, es stammt aus dem Jahre 1957 und beschäftigt sich mit der politischen Theologie des Mittelalters. Das ist lange her. Trotzdem wird es auch heute noch herangezogen, wenn berühmte oder mächtige Personen krank sind oder Schwächen zeigen. Der Titel des Buches: "Die zwei Körper des Königs".

Merkel ist keine Königin und sie lebt nicht im Mittelalter. Doch lässt man all das beiseite, kann das Buch auch heute noch etwas erklären. Kantorowicz unterscheidet gewissermaßen zwischen der öffentlichen Funktion eines Menschen und dem konkreten Menschen selbst. Den zwei Körpern eben. Während der eine privat und letztlich vergänglich ist, ist es der andere durch sein Amt gerade nicht.

Und: Das Zittern von Angela Merkel kann handfeste politische Auswirkungen haben

Auch Merkel hat diese zwei Körper. Kluge Menschen können sie in Büchern theoretisch voneinander unterscheiden. In der Realität ist das nicht so einfach. Denn wenn Angela Merkel zittert, dann zittert immer auch die Kanzlerin, gerade wenn es in der Öffentlichkeit passiert.

Und das Zittern kann handfeste politische Auswirkungen haben. Politik ist ein hartes Geschäft. Schwächen werden ausgenutzt, auch körperliche Schwächen. Das weiß Merkel nur zu gut. Sie selbst ist eigentlich für ihre Konstitution und Ausdauer bekannt. In langen Nächten in den Verhandlungssälen weltweit ist sie oft am längsten fit, so erzählt man es sich. Und geht deshalb mit den besten Ergebnissen nach Hause.

In einer Welt der Putins und Trumps, der machohaften Alphamänner, wird diese Art der Körperlichkeit eher noch wichtiger. Auch das hat Merkel schon selbst erfahren. Im Jahr 2007, da war sie gerade zwei Jahre Kanzlerin, reiste Merkel nach Russland, um Präsident Wladimir Putin zu treffen. Der hatte seinen Hund Kony mitgebracht.

Fotos zeigen eine Merkel, die sich unwohl fühlt. Sie wurde mal von einem Hund gebissen und ist seitdem nicht mehr die größte Freundin der Tiere. "Obwohl, wie ich glaube, der russische Präsident genau wusste, dass ich nicht gerade begierig darauf war, seinen Hund zu begrüßen, brachte er ihn mit", sagte sie später. "Aber so war es nun mal."

President Vladimir Putin and German Chancellor Angela Merkel had talks at the Bocharov Ruchei presidential residence in Sochi(Southern Russia).(Putin s dog Kinni on the picture). PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAx01_ 20070121_aab_x01_629

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Bild: imago/ZUMA Press

Eine klassische Machtdemonstration Putins – einerseits. Aber andererseits eben auch der Versuch, sich einen Vorteil in Verhandlungen zu verschaffen, indem er Merkel verunsichert.

Es wird weiter spekuliert werden

Merkel betonte nun nach ihrem dritten Zitteranfall, sie sei "ganz fest davon überzeugt, dass ich gut leistungsfähig bin". Sie sei immer noch in der "Verarbeitungsphase" des ersten Anfalls Mitte Juni. "Die ist offensichtlich noch nicht ganz abgeschlossen, aber es gibt Fortschritte." So hatte sie auch schon den zweiten Anfall begründet. Das erste Zittern will sie bei großer Hitze mit ein paar Gläsern Wasser behandelt haben. 

Mehr zu den Hintergründen sagte die Kanzlerin auch heute nicht. Ob sie das lange durchhalten kann, ist ungewiss. Gerüchte können belastender sein als die Wahrheit. Und natürlich wird weiter spekuliert werden, wie es Merkels zwei Körpern geht. Denn Trump und Putin warten schon.

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.de.

Sag mir nicht, dass ich nicht nachhaltig genug lebe

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    Alle Leser-Kommentare
  • Apollo 10.07.2019 18:58
    Highlight Highlight Furchtbar, wie dies in den Medien immer wieder thematisiert wird.....ist doch wohl klar, dass man sich zu sowas nicht öffentlich äussert. ....einfach mal Ruhe geben und nicht immer wieder nachboren......seine Krankheit will wohl keiner mit der Öffentlichkeit teilen und ausdiskutieren.......
    Denke, dass sich so langsam ihre angeblich so ausgeglichene Ruhe und Gelassenheit, irgendwie ihren Weg gefunden hat, dass der Körper streikt......kein Mensch kann immer alles so einfach abstreifen, wie ein neues Kleid.....

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