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Kevin Kühnert warnt vor einem "Klima des Hasses". Bild: www.imago-images.de / Jürgen Heinrich

Kühnert kontra Kubicki: Flick-Aussagen sorgen weiter für reichlich Wirbel

SPD-Bundesvize Kevin Kühnert spricht von "Klima des Hasses", dem Vizepräsidenten des Bundestags Wolfgang Kubicki bereitet die "Unerbittlichkeit in der Debattenkultur mittlerweile große Sorgen": Die kritischen Aussagen von Hansi Flick zur angeblichen Sonderrolle des Fußballs in Zeiten der Corona-Pandemie sorgen für Wirbel. Am Montag schalteten sich Vertreter der großen Berliner Politik in die Debatte ein.

Während FDP-Politiker Kubicki dem Bayern-Trainer Flick bei der Kritik am SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach zur Seite sprang, verteidigte Kühnert seinen Parteifreund vehement und forderte öffentlich eine Entschuldigung von Flick.

Hansi Flick regte sich über die aktuelle Strategie des Bundesregierung auf

Lauterbach und andere Experten seien in diesen Tagen "Morddrohungen" und "Gewaltphantasien" ausgesetzt, betonte Kühnert in einem Interview mit der Sportnachrichtenagentur SID. Wenn man dann "einfach unreflektiert draufhaut, sie als sogenannte Experten bezeichnet und in der Sache gar nicht begründet, wo der Widerspruch liegt, dann trägt man auch eine Mitverantwortung, dass so ein Klima des Hasses gesät wird", sagte Kühnert im Interview.

"Deswegen", so der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD weiter, "würde ich mir wünschen, dass man diese Aussagen noch einmal überdenkt und sich auch bei Karl Lauterbach entschuldigt."

Flick war beim Namen Lauterbach am Sonntag an die Decke gegangen. Statt ewig Kritik an der Sonderrolle des Fußballs zu üben, sollten sich die Politik und "sogenannte Experten" wie der SPD-Mann jetzt doch bitte endlich mal "zusammensetzen und eine Strategie entwickeln, dass man irgendwann Licht am Ende des Tunnels sieht", schimpfte Flick: "Das ist aktuell zu wenig."

Wolfgang Kubicki unterstützt den Fußballtrainer

Dass Flick zum Zeitpunkt seiner Aussage von den heftigen Drohungen gegen Lauterbach nichts gewusst haben will, ließ Kühnert nicht gelten. "Es ist keine Entwicklungen der letzten drei Tage, dass Karl Lauterbach und andere Drohungen bekommen", sagte der SPD-Politiker und fügte hinzu: "Ich glaube, gerade als Fußballprofi und als Fußballtrainer kennt man das ja auch selbst."

Kubicki unterstützte Flick unterdessen. "Auch ich halte den Alarmismus von Karl Lauterbach für kontraproduktiv – vor allem, weil er sich nicht damit beschäftigt, wie es gelingen kann, mit dem Virus zu leben", sagte er dem Nachrichtenportal t-online: "Selbstverständlich brauchen wir bei der Bewältigung der Corona-Krise mehr Licht am Ende des Tunnels."

Laut Wolfgang Kubicki schadet die Corona-Pandemie der Debattenkultur

Kühnert ärgerte dagegen auch Flicks Kritik an Politikern, dass vielen von ihnen in erster Linie wichtig sei, wie sie bei der nächsten Wahl abschneiden. "Mir fehlt ehrlich gesagt im Profifußball die Demut dafür, dass diese Gruppe zu den Privilegierten in unserer Gesellschaft gehört", meinte Kühnert. Dieses Privileg würden viele andere Menschen nicht genießen. "Und das auch noch unter hohem Schutz, zum Beispiel über den Verbrauch von enormen Testkapazitäten seit vielen Monaten."

Kubicki mahnte eine bessere Debattenkultur an. Ihm bereite "die Unerbittlichkeit in der Debattenkultur mittlerweile große Sorgen", sagte er. "Corona hat leider ein dumpfes Schwarz-Weiß-Denken befördert, das Differenzierungen nicht mehr zulässt. Dann geht es am Ende nicht mehr um den besseren Weg, sondern um Selbstbehauptung. Das ist eine fatale Entwicklung."

Laut Andre Hahn, Obmann der Linken im Sportausschuss, dreht sich der Profifußball vor allem um sich selbst. Das geringe Verständnis für die Wünsche der Spieler und des Managements des FC Bayern bezüglich bevorzugter Impfungen mache sich jetzt eben auch in sinkenden Sympathiewerten für den Fußball bemerkbar, meinte Hahn: "Insofern sollte Herr Flick auch mal selbst in den Spiegel schauen."

(lfr/afp)

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