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Abgeschobener KZ-Aufseher bezog offenbar Hilfe für NS-Opfer

Jakiw Palij diente den Nationalsozialisten als KZ-Aufseher. Nun wurde bekannt: Der aus den USA nach Deutschland abgeschobene SS-Mann lebte laut einem Medienbericht nach Kriegsende in einem Lager für Überlebende der NS-Verfolgung in Süddeutschland und erschlich sich Unterstützungsleistungen.

Das geht aus historischen Dokumenten zu sogenannten Displaced Persons im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen hervor, wie die "Bild"-Zeitung berichtet.

Der ITS-Forschungsleiter Henning Borggräfe sagte dem Blatt:

Jakiw Palij lebte laut der Dokumente im ITS-Archiv seit Juli 1945 zunächst in einem DP-Camp in Bamberg und später in einem Resettlement Center in Schweinfurt. Er wurde offenbar als Displaced Person anerkannt und erhielt Unterstützung für die Auswanderung in die USA.

Demzufolge muss er seine SS-Zugehörigkeit verschwiegen haben. Zu seinen Angaben lägen aber keine Unterlagen vor, sagte der Experte.

Wer ist Jakiw Palij?

Palij war nach US-Angaben ein bewaffneter Wärter im Zwangsarbeiter- und Arbeitslager Trawniki im von den Nationalsozialisten besetzten Polen. Er war damit beauftragt, Gefangene an der Flucht zu hindern. Er habe durch seine Arbeit zu den "unmenschlichen Lebensbedingungen" im Lager beigetragen, schreibt die US-Botschaft.
Palij ist den USA zufolge im damaligen Polen geboren, jedoch in einem Teil, der heute zur Ukraine gehört. 1949 kam er in die USA. 1957 erhielt er die US-Staatsbürgerschaft. Er habe seine Nazi-Vergangenheit verschleiert, indem er angab, während des Krieges auf dem Hof seines Vaters und in einer deutschen Fabrik gearbeitet zu haben.​

Der 95-Jährige war am Dienstag nach Deutschland  abgeschoben worden. Die Bundesregierung genehmigte die Einreise, obwohl der ehemalige Wärter eines NS-Arbeitslagers kein deutscher Staatsbürger ist und auch keine Beweise vorliegen, dass er an Nazi-Verbrechen beteiligt war.

Ein von der Staatsanwaltschaft Würzburg bereits früher geführtes Verfahren gegen ihn wegen Beihilfe zum Mord war 2016 aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Der frühere SS-Mitarbeiter kam in einem Pflegeheim im nordrhein-westfälischen Ahlen unter.

Wird Palij vor Gericht kommen?

Dass es gegen den 95 Jahre alten Palij in Deutschland noch zu einem Verfahren kommt, ist nach Erkenntnissen der "FAZ" jedoch unwahrscheinlich. Die Staatsanwaltschaft Würzburg leitete der "Bild" zufolge 2015 Ermittlungen gegen Palij ein, stellte das Verfahren aber mangels Beweisen wieder ein. Nun liege die Sache mit dem Aktenzeichen AR-Z 10/15 als "Vorermittlungsvorgang" bei der Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg.

(hd/dpa)

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