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Die 5 wichtigsten Aussagen von Nahles-Konkurrentin Simone Lange vor der SPD-Wahl

Daniel Schreckenberg

Ob mit oder ohne Chance, sie will etwas ändern: Simone Lange kandidiert am Sonntag um den SPD-Vorsitz. Im Interview mit t-online erzählt die 41-jährige, warum sie besser für den Posten geeignet ist als Favoritin Andrea Nahles. Wir haben euch ihre wichtigsten Aussagen zusammengefasst

Wie weit ist die SPD beim Thema "Erneuerung?

Simone Lange: Wenn wir von Erneuerung sprechen, sind damit meist zwei Dinge gemeint: Die personelle und die inhaltliche Erneuerung. Meiner Meinung nach braucht die SPD vor allem eine inhaltliche Erneuerung. Doch mit der haben wir noch überhaupt nicht begonnen.

Zum Beispiel bei der Agenda-Reform. Der amtierende Bundesvorsitze Olaf Scholz möchte die Agenda-Debatte am liebsten gar nicht führen. Das halte ich für einen großen Fehler. Ich kann nicht so tun, als hätte es diesen Teil der SPD-Vergangenheit nicht gegeben und halbgare Lösungen versprechen. Das geht nicht.

Eine SPD, die hinter verschlossenen Türen die Vorsitzfrage klären wollte, ist nicht die SPD, die wir heute brauchen. Wir brauchen eine SPD, die sich öffnet, die nicht nur bei der Groko ihre Mitglieder befragt, sondern auch beim Führungspersonal. Schließlich geht es um das höchste Amt in unserer Partei, das von der gesamten Partei und nicht nur von der Führung getragen werden sollte.

Da gibt es ein Ungleichgewicht. Eine solche Wahl in einer kleinen Gruppe hinter verschlossen Türen mal eben so zu klären, wie dies nach dem Rücktritt von Martin Schulz geplant war, zeugt nicht von großer innerparteilicher Demokratie. Das ist das aktuelle Gesicht der Partei und das möchte ich verändern.

Zur Agenda-Politik

Hartz IV gehört abgeschafft. Es ist ein System, das darauf beruht, Menschen über Sanktionen und Bevormundung zu erziehen. Das funktioniert nicht. Wir müssen Systeme schaffen, die motivierend wirken und Menschen in Fortbildungen bringen, die sie machen wollen und nicht bei denen die Behörde sagt: Das darfst du machen und das nicht.

Wie ist Ihre Rolle in der SPD?

Ich möchte vor allem das Gesicht für neue Inhalte sein und nicht für die Unzufriedenen. Ich möchte konstruktiv und produktiv die SPD verändern. So habe ich Kevin Kühnert auch wahrgenommen. Er war nicht das Gesicht einer Gruppe Unzufriedener – er hat eine Alternative aufgezeigt.

Dann muss man natürlich schauen, ob diese Alternative innerhalb der Partei eine Mehrheit findet und ob man dann nicht diesen Weg einschlagen sollte. Kevin Kühnert hat viele neue Reize in die SPD gebracht. Deshalb finde ich es gut, dass er sich nach der Entscheidung für die Groko nicht gesagt hat: Jetzt ziehe ich mich zurück. Sondern dass er für seine Inhalte weiterhin steht und sie authentisch vertritt, auch wenn er erst mal keine Mehrheit für seine Positionen bekommen hat.

Haben Sie eine Chance gegen Andrea Nahles?

Wenn man die Genossen fragt, ob Frau Nahles gewinnt, sagen sie: Ja, das sagen die Medien. Aber entscheidend ist, was die Delegierten am Sonntag sagen. Ich glaube, dass ich sie überzeugen kann. Deshalb sehe ich mich nicht als chancenlos an.

Was für eine Chefin bekommt die SPD mit Ihnen? und wie verwandelt sich die SPD?

Sie würde mit mir eine Chefin bekommen, die auf der einen Seite einen Führungsanspruch hätte, aber auch offen für die Themen ist, die die Mitglieder bewegen. Wir brauchen offene Ohren und Arme in Richtung der Basis. Wir müssen uns aber auch umhören, was die Bevölkerung umtreibt, die zwar nicht SPD-Mitglied ist, aber für die wir trotzdem Politik machen. Aus beidem müssen wir zügig Beschlüsse und Umsetzungsstrategien entwickeln. Wir dürfen nicht noch jahrelang in Debattierklubs verfallen, sondern müssen handeln.

Die SPD müsste zum Beispiel den Anspruch haben, Meinungsführer beim Thema Sicherheit zu sein. Das Thema können wir doch nicht einfach an die CDU abgeben. Wir definieren Sicherheit ganz anders als die Konservativen. Aber wenn wir Meinungsführer sein wollen, kann man nicht Ruhe verordnen, sondern es muss in der Partei darüber gestritten werden. Wir müssten Sicherheit definieren. Wir müssten sagen, wie wir den Menschen ein sicheres Leben garantieren. Dass ihre Renten sicher sind, dass ihre Einkommen gesichert sind, sie müssen sicher sein, dass wir in der technologischen Entwicklung Schritt halten. Das wiederum mündet in das Thema Energiepolitik und Klimapolitik. Da sind mir ja fast die Füße eingeschlafen, als ich mir den Koalitionsvertrag angeschaut habe. Energiewende kann der Wirtschaftsfaktor in Deutschland sein. Die SPD muss erklären, wie sie gelingen kann.

Das lange Interview mit Simone Lange erschien bei T-Online.

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